Hexen
Hexen fliegen dank Salben

Das Bild, das man sich von Hexen macht, ist oft falsch. Hexen wurde oft auch Unrecht getan In der Walpurgisnacht oder zu Halloween fasziniert das Thema Hexe in unseren Breitengraden ganz besonders. Andernorts aber gibt es immer noch Hexenverfolgungen.

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Hexe

Hexe

bz Basellandschaftliche Zeitung

Andrea Mašek

Momentan scheint Basel wie verhext: Im Theater werden Hexen gejagt, Hexe Lilli hat in den Kinos Blödsinn gezaubert, und es werden Hexenrundgänge angeboten. Es naht halt die Walpurgisnacht, die Nacht auf den 1. Mai, in der die Hexen gross festen sollen.

Isabelle Rieder-Näf ist schon lange fasziniert vom Thema Hexen. «Als gelernte Pharmaassistentin bin ich ja auch eine Hexe», lächelt sie. Hexen hätten mit Pillen und Pülverchen hantiert und praktiziert. Das sei für die Frauen so interessant gewesen, wie für sie heute. Für Kulturhistoriker Mike Stoll spannend ist, dass Frauen, die althergebrachtes Heilwissen pflegten, plötzlich während der Christianisierung verschrien wurden. Nur weil das Heilen zur Domäne der Mönche wurde, die neben sich niemanden duldeten, schon gar keine Frauen.

Gerade auch weil Hexen Personen sind, denen Unrecht getan wurde, hat sich Rieder in die Materie vertieft und ist zu einer Hexenexpertin geworden. Sie gibt ihr Wissen etwa an speziellen Stadtführungen weiter. Denn Basel hat auch ein paar dunkle Kapitel Hexenverfolgung geschrieben. Es sei zu 28 Verurteilungen gekommen, nachdem die Frauen oft zu einem Geständnis gefoltert wurden. Genauso schlimm sei eine allfällige Verbannung gewesen, sagt Stoll. Das soziale Umfeld war damals lebenswichtig und hatte man dieses nicht mehr, war das praktisch auch ein Todesurteil.

Übrigens fanden die meisten Hexenprozesse nicht im Mittelalter statt, wie oft geglaubt wird, sondern während der Zeit der Aufklärung, zwischen 1550 und 1650. Beliebt war die Hexentaufe: Man verschnürte Frauen und warf sie in den Rhein. Der Aberglaube besagte, dass Hexen wie Dämonen schweben können und sehr leicht sind. Ertranken die Frauen, war ihre Unschuld bewiesen. Ertranken sie nicht, wurden sie als Hexen verbrannt. «Je schwerer eine Frau ist, desto weniger ist sie eine Hexe», meint Stoll augenzwinkernd.

Er sagt, das Hexenbild sei heute noch lebendig, weil Frauen den Männern Dinge vorhaben wie das Gebären oder das Bezirzen, und Männer bis heute damit Mühe hätten. So geht es laut Stoll auch auf das Konto der Männer, dass aus den ursprünglich schönen Frauen hässliche Hexen gemacht worden sind.

Hexerei hatte laut Stoll immer auch mit der Sexualrolle zu tun, noch mehr bei den Hexern als den Hexen. Männer wurden wegen Sodomie, der sexuellen Handlung mit Tieren, oder Onanieren verurteilt. Stoll sieht hier Parallelen zum Leben junger Muslime.

Wegen seiner Verführungskünste, aber auch wegen krimineller Machenschaften wurde der Alchemist Cagliostro als Hexer verurteilt. Er wohnte eine Zeit lang im Blauen Haus, wo er die Frau von Lukas Sarasin gesund pflegte.

Ob heute in Basel noch Hexen oder Hexer leben, ist nicht bekannt. Sie outen sich nicht, so Rieder. Sie traf einmal eine Frau, die sagte, sie sei eine Hexe. Nun, das Wissen sei ja auch noch da, meint Rieder, wobei die Frauen heute ein anderes Selbstverständnis besässen und es eine Art Mode-Erscheinung sei, sich aufs Hexenwissen zurück zu besinnen.

Eines ist aber klar, fliegen können sie nicht. Auch nicht mit Besen. Das sei auch so ein Aberglaube, schmunzeln Rieder und Stoll. Hexen flögen dank Flugsalben und nicht dank Besen. In frühen Darstellungen haben Hexen eine Art Zauberstab dabei, wie ihn einst auch die griechischen Mänaden mitführten. Aus diesem Stab ist dann irgendeinmal ein Besen geworden, wobei eigentlich der Stiel nach hinten schauen müsste, betont Stoll. Doch mit der Zeit konstruierte man eine reitende Hexe daraus und kehrte den Besen um. Eine verkehrte Welt also, wobei diese in manchen Erdteilen noch durchaus real ist: Rieder weist daraufhin, dass heute noch Hexen verfolgt und hingerichtet werden.