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«Heute Abend werde ich auspacken»

Josua Studer von der SVP Allschwil wirft der Kantonalpartei Erpressung vor – die heutige GV verspricht Zündstoff

Josua

Josua Studer von der SVP Allschwil wirft der Kantonalpartei Erpressung vor – die heutige GV verspricht Zündstoff

Bevor der Herbst anfängt, geht in Allschwil noch ein Sommertheater über die Bühne: An der ausserordentlichen Generalversammlung entscheidet die SVP Allschwil über den Ausschluss von Josua Studer.

Birgit Günter

In Allschwil spielt sich derzeit eine Posse ab, wie sie auch schon auf nationaler Ebene vorgekommen ist. Im Kern steht die Frage: Wer oder was ist ein richtiger SVPler? Für Josua Studer, langjähriger ehemaliger Präsident der Sektion SVP Allschwil-Schönenbuch, ist klar, wer ein richtiger SVPler ist: Er. Seine Parteikollegen aber sahen das anders: Der neue Vorstand hatte im Juni entschieden, Studer aus der SVP auszuschliessen, weil er dieser schade.

Dieser liess sich den Partei-Rausschmiss nicht bieten und reichte Rekurs ein. Zusammen mit seiner Frau Susanne, die für die SVP im Einwohnerrat sitzt, erreichte er dank einer Unterschriftensammlung, dass die Parteileitung für heute Abend eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen hat. An dieser soll in erster Linie Studers politisches Schicksal entschieden werden.

Rundumschlag gegen eigene Partei

Doch die Diskussion dürfte noch weitere Kreise ziehen. Denn Studer holt gleich zum Rundumschlag aus. Er greift nicht nur den neuen Vorstand der SVP Allschwil an, indem er diesem einen «Kuschelkurs» und «Wischiwaschi-CVP-Politik» vorwirft, sondern gleich auch die Kantonalpartei. Studer ist überzeugt, dass diese seinen Parteiausschluss eingefädelt habe. Er redet sogar von Erpressung. Denn er will erfahren haben, dass die Baselbieter SVP die Sektion Allschwil auflösen werde, falls diese heute Abend den Verbleib von Josua Studer als Parteimitglied beschliessen sollte. Anschliessend soll eine neue Sektion gegründet werden, der Studer nicht beitreten könnte. «Dies haben mir Fraktionsmitglieder gesagt», erzählt Studer. Und als er ein Vorstandsmitglied der SVP Allschwil damit konfrontiert habe, habe dieser den Vorwurf nicht verneint.

Dieter Spiess, Präsident der SVP Baselland und heute an der ausserordentlichen GV voraussichtlich als Tagespräsident anwesend, weist die These, die Baselbieter SVP wolle Studer absägen, jedoch von sich. «Studer hat Probleme mit der Sektion, nicht mit uns», hält er entgegen. Das Eine habe mit dem Anderen nichts zu tun.

Gleichzeitig lässt Spiess aber durchblicken, dass manche Äusserungen von Studer wahrlich «Lachnummern» seien. So bezeichnet Studer beispielsweise die kantonale SVP als viel zu nett: «Das ist halt so eine Oberbaselbieter Partei, und im Oberbaselbiet sind die Leute viel zu lieb», poltert Studer. Das höre er zum ersten Mal, kommentiert Spiess trocken, und hängt ein weniger trockenes «Lappizüg» an.

Würde Studer heute aus der Sektion ausgeschlossen, wäre er weiterhin als Mitglied der Kantonalpartei willkommen, sagt Spiess. Das sieht Studer anders. «Dann bin ich automatisch parteilos», meint er. Statt für die SVP sässe er dann als Parteiloser im Landrat.

Von der heutigen GV verspricht er sich vor allem eines: «Die Wahrheit über meinen Ausschluss.» Bevor aber die Vorstandsmitglieder der Lokal- und Kantonalpartei ihre Sicht der Dinge darlegen, wird Studer reden - «und zwar mindestens eine halbe Stunde lang. Heute werde ich auspacken», kündigt er an.

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