Andrea Weibel

Die Sonne scheint, Vögel zwitschern und die Blumen blühen - es gibt kaum etwas Schöneres, als mitzuerleben, wenn die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht. Gerade der letzte Punkt, die blühenden Gräser, Blumen und Bäume, zerstört für viele Leute allerdings die Freude am Frühling. Denn für sie beginnt nun die Zeit der tränenden Augen, triefenden Nasen und der ständigen Niesattacken.

«Frühling ist nicht negativ»

Der Wohler Apotheker Thomas Wullschleger kennt die Leiden seiner Patienten. Dennoch findet er insgesamt: «Für mich hat der Frühling überhaupt keine negativen Seiten.» Denn für jedes Leiden gebe es entweder ein entsprechendes Medikament oder - was noch viel besser sei - einen guten Tipp, wie der Patient es selbst kurieren könne.

Gegen Heuschnupfen kann Wullschleger jedoch leider nicht mit guten Tipps dienen. «Der einzige Rat, den ich den Leuten geben kann, die akut unter Heuschnupfen leiden, ist, dass sie sich möglichst wenig im Freien aufhalten sollen, während die Pflanzen blühen, auf die sie speziell allergisch sind», erklärt er schulterzuckend.

Jedoch gebe es heute so viele gute Medikamente, dass man diese genau auf den Patienten abstimmen könne. «Dabei wird auch geprüft, worauf der Patient am besten anspricht - ob auf ein homöopathisches Mittel, eines aus der Pflanzenmedizin oder ein allopathisches, also ein Mittel aus der klassischen Medizin», zählt der Inhaber und Leiter der Bünzapotheke auf.

Bäume sind verspätet

Ohne Medikamente und dergleichen sei der Frühling für viele Allergiker tatsächlich kaum auszuhalten. «Jedoch hatten sie in diesem Jahr Glück, denn wegen des langen und kalten Winters haben die Pflanzen erst viel später zu blühen begonnen als sonst», weiss Wullschleger. «Normalerweise kann das schon Ende Januar anfangen. Jetzt sind die Bäume rund eineinhalb Monate später dran als sonst.» Die frühen Bäume und Sträucher wie Hasel und Birke gehörten neben den Gräsern sowieso zu den schlimmsten Allergieauslösern unter den Pflanzen.

Rezept: Joggingschuhe und Velo

«Natürlich kommen auch jedes Jahr sehr viele Leute zu mir, die über Frühjahrsmüdigkeit klagen», spricht der 55-Jährige aus Erfahrung. «Einige möchten Vitamine, um ihren Körper nach dem langen Winter wieder richtig aufzubauen.» Aber den allermeisten Patienten verschreibt Wullschleger eine ganz andere Kur: «Joggingschuhe anziehen oder das Velo aus der Garage holen und hinaus in die Natur, das ist das allerbeste Rezept gegen die Frühjahrsmüdigkeit», ist sich Wullschleger sicher. «Denn nichts regt den Kreislauf besser an als frische Luft, Sonne und Sport. Die körperliche Aktivierung ist ganz sicher besser als jedes Medikament.»

Die Frühjahrsmüdigkeit werde durch die Umstellung hervorgerufen, die der Körper vom kalten Winter auf den warmen Frühling schaffen müsse. «Die Zeitumstellung, auf die sich der Körper einstellen muss, ist dabei nur einer der Faktoren», macht er bewusst. «Auch der Wechsel vom vielen Schatten auf mehr Sonne ist eine Umstellung. Das hat auch mit dem Hormonhaushalt zu tun.»

Sonnenbrand und Verstauchungen

«Die Müdigkeit und der Heuschnupfen sind die grössten Schwierigkeiten, mit denen meine Patienten im Frühling kämpfen. Alles andere sind Banalitäten», so der Apotheker. «Die Leute treiben vermehrt draussen Sport, da gibt es eben mal einen verstauchten Knöchel. Oder die Skifahrer, die vergessen, wie stark die Aprilsonne schon ist, kommen mit einem Sonnenbrand zu mir.» Insgesamt sei der Frühling aber einfach schön, bilanziert Wullschleger erneut.
Das bestätigen auch die Kinder im Wohler Kinderhort Peter Dreifuss. «Frühlingsmüdigkeit kennen sie nicht, im Gegenteil. Jetzt, wo es wieder wärmer ist, wollen sie gar nicht mehr drinnen bleiben, sondern raus auf den Spielplatz», beschreibt Brigitte Sax, Leiterin des Horts. «Bei unseren 34 Kindern haben wir zudem das Glück, dass kein einziges unter Heuschnupfen leidet», ist sie froh. So können sie den Frühling in vollen Zügen geniessen.