Hellikern rutscht Boden unter den Füssen weg

Die rätselhaften Krater in Hellikon im Fricktal sind keine Karstlöcher, sondern unterirdische Hangrutschungen. Und die könnten sich beschleunigen, wenn Tauwetter einsetzt.

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Hellikern rutscht Boden unter den Füssen weg

Hellikern rutscht Boden unter den Füssen weg

Urs Moser

Mitten auf einem Feld begannen sich seit den Festtagen auf dem Neulig in der Gemeinde Hellikon grosse Löcher aufzutun. Mehr als 15 Meter reichen die Krater in die Tiefe. Das Phänomen fand landesweite Beachtung, zog Medien, Höhlenforscher und Schaulustige an. Zwar sind solche Erscheinungen in den Kalkschichten des Tafeljuras gar nicht so selten, aber warum genau sich in Hellikon von einem Tag auf den anderen so tiefe Abgründe aufzutun begannen, war nicht klar.

Hellikon im Ausnahmezustand Die kleine Gemeinde Hellikon befindet sich im Ausnahmezustand, seit die Erdlöcher in einem Feld entdeckt wurden. Wie es der Frau Gemeindeammann Kathrin Hasler und den Einwohnern dabei geht, erfahren Sie im Beitrag von Tele M1. Hier klicken!

Hellikon im Ausnahmezustand Die kleine Gemeinde Hellikon befindet sich im Ausnahmezustand, seit die Erdlöcher in einem Feld entdeckt wurden. Wie es der Frau Gemeindeammann Kathrin Hasler und den Einwohnern dabei geht, erfahren Sie im Beitrag von Tele M1. Hier klicken!

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Der Hang rutscht

Seit gestern weiss man nun etwas mehr: Es handelt sich bei den Kratern auf dem Feld von Bauer Karl Schlienger nicht um so genannte Karstlöcher. Die entstehen, wenn der Boden über unterirdischen Höhlen einbricht, die durch Korrosion aus dem lockeren Juragestein gewaschen wurden. Man war wegen der kreisrunden Form der Löcher zunächst von dieser Erscheinung ausgegangen. Nun haben aber weitere geologische und geophysische Abklärungen ergeben, dass nicht die für den Tafeljura typischen Erdfälle den Hellikern den Boden unter den Füssen einbrechen lassen, sondern eine Hangrutschung.

Strasse sicherheitshalber gesperrt

Das gab der Gemeinderat von Hellikon gestern Nachmittag bekannt. Und noch etwas mehr: Die Strasse, die wenige Meter von den grossen Erdlöchern entfernt von Hellikon nach Buus ins Baselbiet führt, wurde tags zuvor nicht nur gesperrt, um Schaulustige fernzuhalten und die Geologen ihre Arbeit in Ruhe machen zu lassen. Es handelte sich um eine Sicherheitsmassnahme. «Zur Vermeidung von Unfällen wurde die Strasse gesperrt und das Gebiet weiträumig abgesperrt», räumte die Behörde gestern ein.

Die Massnahme wurde in Absprache mit den inzwischen beigezogenen Kantonsbehörden getroffen. Vom Kanton erhoffe man sich nun auch finanzielle Unterstützung, wie Frau Gemeindeammann Kathrin Hasler sagt. Die Arbeit der für die Untersuchung des Untergrunds auf dem Neulig engagierten Spezialisten hat bis jetzt immerhin 6000 Franken gekostet, ob und was noch auf die Gemeinde zukommt, weiss man nicht.

Vorerst Entwarnung

Aber wie gefährlich sind die Instabilitäten im Untergrund auf dem Neulig? Oder besser: Besteht überhaupt eine Gefahr? Siedlungen seien nicht gefährdet, beruhigt der Gemeinderat und gibt zumindest mal bis zum Wochenende Entwarnung. Aber immerhin: Schon beim Augenschein am Mittwoch führte Geophysiker Christoph Donié den zuständigen Gemeinderat Josef Hasler immer weiter weg von den Kratern, auf die andere Seite der Strasse und Richtung Hang, der sich zum Dorf hin neigt. Um ihm zu zeigen, wo man noch mehr Hohlräume vermutet und genauer untersuchen muss. Bis zu den ersten Häusern im Dorf unten ist es von dort noch weit, aber dass es auf dem Neulig keine Einstürze mehr gibt, da können sich die Helliker nicht sicher sein: Vor allem bei Tauwetter und nasser Witterung ist zu befürchten, dass sich die Rutsche fortsetzen und beschleunigen. Und es ist mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt und Niederschlägen zu rechnen.