Regina Erb

Der heute 90-jährige Heinrich Weiss ist im Kanton Zürich aufgewachsen, doch seit einem halben Jahrhundert wohnt er im Bezirk Dorneck. Seine Erinnerungen gibt er mit einer aussergewöhnlichen Präzision wieder. Eine Eigenschaft, die ihn auch beim Sammeln von Musikautomaten und dem Erfinden von Arbeitsabläufen, unter anderem zur Rationalisierung, auszeichnet.

Bei der Firma Asper in Küsnacht absolvierte Heinrich Weiss eine Feinmechanikerlehre. Das erfüllte ihn mit Stolz, denn noch immer klang es in seinen Ohren nach, als ihn ein Lehrer mit der Bemerkung «aus dir wird nie etwas Rechtes» tituliert hatte. 1939 erhielt er als Bester seiner Klasse das Berufsdiplom und gewann den ersten Preis bei einem Wettbewerb für seine selber konstruierte Dampfmaschine.

Anfänge als Feinmechaniker

Bei der Firma Escher-Wyss arbeitete er in der Forschungsabteilung. Die Dreherei des Unternehmens stellte ausgeklügelte Maschinenteile her, und das faszinierte ihn ungemein. Er studierte berufsbegleitend am Abendtechnikum.

Die Eltern seiner Ehefrau, welche er in Davos kennengelernt hatte, besassen in Basel einen Druckereibetrieb, welcher vor dem Konkurs stand. Heinrich Weiss lernte im Schnellgang das Drucken und absolvierte berufsbegleitend eine dreijährige Druckerlehre an der Basler Gewerbeschule.

Strichcode erfunden

Er erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: «Ich konnte im Jahr 1950 für die Basler Traditionsfirma Ciba 10000 Medikamentenschachteln innert drei Tagen bedrucken.» Während vielen Monaten tüftelte er an einer Vereinfachung der Druckerzeugnisse herum.

Der heute überall angewandte Strichcode war seine Erfindung, die ihm eine gehörige Summe Geld eintrug. Dies erlaubte ihm den Landkauf und Hausbau nach seinen eigenen Plänen in Seewen. Endlich hatte er genügend Zeit für seine Sammelleidenschaft. Unzählige Uhren und Musikautomaten hielt er im Privatmuseum à jour. Finanziell unabhängig, aber immer auf der Suche nach interessanten Projekten, stiess er auch auf die berühmte Welte-Orgel, welche einst auf dem legendären Dampfer «Britannic» die Gäste unterhielt. Der Ozeanriese wurde im Jahr 1914 zu einem Lazarettschiff umgebaut und die Orgel ausgelagert. Das liess Heinrich Weiss nicht ruhen, bis er die Orgel fand. Er hat sie in 1500 Stunden restauriert, meistens in Nachtarbeit.

Kennt jedes Detail

Bis auf den heutigen Tag verfolgt der rüstige Rentner im Unruhestand das Geschehen in seinem Museum mit grossem Interesse. 1975 erhielt er die Würdigung für sein einzigartiges Schaffen: Er wurde von der Universität Basel zum Ehrendoktor ernannt. 1981 brachte das Ehepaar Weiss-Stauffacher die wertvollen Objekte in eine Stiftung ein. 1986 starb Heinrich Weiss’ Ehefrau.

1990 schenkten er und seine Tochter Susi das Museum der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Herausragende Mitarbeiter sorgen für den Betrieb und sind äusserst innovativ. Zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Hannemi Winkler geniesst der weise Mann das Leben, welches, wer weiss, vielleicht noch einige Überraschungen für ihn bereit hält. Und stets gibt er gerne Ratschläge, wenn Neuerwerbungen anstehen oder Reparaturen vorgenommen werden müssen.