Henri Leuzinger
Heimatschutz ist nicht nur Hüllenschutz

Die neue Aufgabe bereitet Henri Leuzinger sichtlich Freude: Anfang Mai übernahm er von Tina Hurni die Geschäftsstelle des Aargauer Heimatschutzes. Ein Job, der viele Gespräche und Kontakte und viel Koordination verlangt.

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Steg Rheinfelden

Steg Rheinfelden

Aargauer Zeitung

Peter Rombach

Dem Multitalent Leuzinger, von Haus aus Geograf, Fotograf, Journalist und Experte für Bau- und Planungsrecht, ist das Arbeitsfeld förmlich auf den Leib geschnitten. In seinem Büro an der Kapuzinergasse 18 schaufelte er noch eine Ecke frei, um sich künftig den Belangen des Aargauer Heimatschutzes widmen zu können. Im Bauwesen kennt er sich aus, folglich fällt es ihm nicht allzu schwer, sich in Bereiche wie Ortsbildschutz oder Denkmalpflege einzuarbeiten.

Henri Leuzinger Der Rheinfelder leitet neu die Geschäftsstelle vom Aargauer Heimatschutz.

Henri Leuzinger Der Rheinfelder leitet neu die Geschäftsstelle vom Aargauer Heimatschutz.

Aargauer Zeitung

Aus seiner Sicht muss die Politik manchmal aus Opportunität heraus Fragen des Denkmalschutzes behandeln, aber dabei kommt dem Verein Aargauer Heimatschutz besondere Bedeutung zu. «Wir haben eine ergänzende Funktion und helfen Privaten dort, wo der Staat vielleicht nicht immer kann.» Als wichtig erachtet Leuzinger dabei die «Einsprache-Legitimation». Beispielhaft nennt er die Sanierung der alten Laufenburger Brücke oder Probleme bei der Ortsplanung in Kölliken.

Kostenlose Beratungen

Ohne die Mitwirkung regionaler Fachleute, meistens erfahrener Architekten, geht es nicht. «Wir verfassen Stellungnahmen in rechtsverbindlicher Form», skizziert er einen Teil der Geschäftsstellenarbeit. Doch damit längst nicht genug. «Unsere Bauberatung ist ein kostenloser Service für Hausbesitzer, die ein geschütztes Ojekt umbauen wollen.» Dass der Heimatschutz dabei eng mit Baubehörden zusammenarbeitet, liegt auf der Hand. «Wir streben für alle Beteiligten optimale Lösungen an.»

Der Verein finanziert sich überwiegend aus den Beiträgen seiner rund 1000 Mitglieder sowie aus Legaten, wobei das Jahresbudget gar nicht üppig ist: «Für unsere Arbeit haben wir knapp 90 000 Franken zur Verfügung», berichtet Leuzinger.

Denkmalbewusstsein schärfen

Um bei Privatleuten das Denkmalbewusstsein zu schärfen und zur Restaurierung zu animieren, werden Finanzhilfen gesprochen - wenn auch in einem eher bescheidenen Rahmen. «Da stehen pro Jahr etwa 20 000 Franken zur Verfügung.»

Dann gibt es da noch den Heimatschutzpreis, der in diesem Jahr der Rheinfelder «IG Pro Steg» zugesprochen wurde und am 17. Oktober im Rahmen einer Feier übergeben werden soll.

Die Stiftung Aargauer Heimatschutz fördert weitere Vereinsaktivitäten. Leuzinger erwähnt die Rettung des alten Manufakturgebäudes Laué Wildegg: «Die Stiftung kaufte sei-nerzeit das vom Abbruch bedrohte industrielle Baudenkmal, renovierte es und konnte bereits zwei Wohnungen veräussern. Eine Erfolgsgeschichte.»

Infos zu Baukulturen

Mit Dokumentationen beschäftigt sich die Geschäftsstelle ebenfalls. So konnte kürzlich der Jüdische Kulturweg Endingen-Lengnau übergeben werden; dazu erschien ein Flyer unter dem Titel «Baukultur entdecken». In der gleichen Reihe kam 2007 ein Faltblatt (erhältlich im Stadtbüro im Rathaus) heraus, das in Text und Foto 21 bedeutende Rheinfelder Bauwerke vorstellt und zu einem Rundgang animiert.

Henri Leuzingers Credo angesichts der vielfältigen und (meistens) spannenden Aktivitäten überrascht daher kaum: «Heimatschutz ist nicht nur Hüllenschutz.»

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