Heilender Stein aus der Römerzeit

Das Emma-Kunz-Zentrum in Würenlos ehrt das Wirken der Aargauer Heilpraktikerin

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Heilender Stein aus der Römerzeit

Heilender Stein aus der Römerzeit

Limmattaler Zeitung

thomas pfann

Das Emma-Kunz-Zentrum in Würenlos ist ein Geheimtipp – wobei dieser Begriff gleich in verschiedener Weise zutrifft. Etwas geheimnisvoll verborgen liegt der Steinbruch aus der Römerzeit am südlichen Ausläufer des Gmeumeriwaldes zwischen Würenlos und Wettingen. Autofahrer nehmen die Stätte auf der kleinen Furt zwischen den Ortschaften kaum wahr. Es sei denn, die Strassentafel und die kleine Bergstrasse hinauf zum alten Bergwerk weisen ihm den Weg – weg von der Strasse in eine eigene Welt.

Besonders eindrücklich ist die grosse Grotte – die Kathedrale aus gelblichem Stein fasziniert als energiereicher Kraftort. Ein Besuch des Zentrums und der Ausstellung von Emma Kunz’ Schaffen ist gleichzeitig eine Reise in die Welt einer Frau mit besonderen Fähigkeiten – und an einen Ort mit magischer Ausstrahlung.

Telepathie und Prophetie

Und: Emma Kunz (1892–1963) ist nicht einfach populär. Wer sich aber für Heilpraktiken interessiert, für alternative Therapiemethoden, hat bestimmt von ihr gehört. Und wer Kunst der nahesteht, hat mit der gebürtigen Aargauerin längst Bekanntschaft gemacht.

1892 in Brittnau geboren, entdeckte Emma Kunz schon früh ihre Begabung in Telepathie und Prophetie und begann die Fähigkeiten als Heilpraktikerin zu nutzen. Das Pendel war ihr wichtigstes Werkzeug.

Anfang der 1940er-Jahre wurde sie von einem Würenloser Ehepaar aufgesucht mit dem Anliegen, ihren jungen Sohn von der Kinderlähmung zu heilen. «Ich galt damals als einer der schwersten Fälle von Poliomyelitis und eigentlich als unheilbar», erinnert sich Zentrums-Betreiber Anton C. Meier an diesen Moment.

«Alles ist Gesetzmässigkeit»

Emma Kunz sah eine Möglichkeit zu helfen, indem sie den kleinen Toni mit Wickeln aus energiehaltigem Material über Monate therapieren würde. Das Material musste ihrer Meinung nach im Umfeld des Jungen existieren. Schliesslich entdeckte die Heilpraktikerin eine heilende Gesteinsschicht. Sie durchzog die Grotte im Würenloser Steinbruch, welcher der Familie Meier gehörte. Die Wickel-Therapie schlug an, der kleine Toni konnte nach Monaten strengster Prozedur wieder gehen und sich normal bewegen.

Emma Kunz entwickelte aus dem Heilgestein im Steinbruch das Heilmittel Aion A, das mehlfein gemahlen bei Schwellungen, Stauchungen und Zerrungen die Beschwerden lindert – und bis heute weit verbreitet Verwendung findet. Wer Kunz in die Nähe esoterischer Schwärmereien rücken will, dem steht Anton C. Meier als scharfer Kritiker gegenüber. «Wunder gibt es nicht, alles ist Gesetzmässigkeit. Das erwiderte Emma Kunz jedem falschen Bewunderer und fanatischen Schwärmer. Mit Esoterik hat das nichts zu tun», so Meier.

Umso wichtiger war es ihm, nach Emma Kunz’ Tod das Zentrum in Würenlos zu realisieren: «Schon als kleiner Junge war ich von ihr fasziniert. Nicht nur wegen des Heilerfolgs bei meiner Kinderlähmung – sie hatte eine natürliche Autorität und betrieb ihre Forschungen absolut sachlich und pragmatisch.»

Er sah es als seine Aufgabe, die Errungenschaften der Heilpraktikerin der Nachwelt zu erhalten und ihr Werk in der ganzen Vielfalt zu sammeln. 1986 öffnete das Emma-Kunz-Zentrum seine Tore.

Dazu gehörte nicht nur die Entdeckung des Würenloser Kraftortes mit dem «heilenden Stein». Emma Kunz schuf Bilder auf spezielle Art. Ihre grossformatigen Bilder auf Millimeterpapier gleichen geometrischen Konstruktionen und entstanden mit dem Pendel, welches Kunz die nötigen Anhaltspunkte zur Ausführung gab. Ein Auszug des Bildwerks können Besucher an der Dauerausstellung im Emma- Kunz-Zentrum betrachten. Die Kunstwerke werden zudem weltweit in Museen präsentiert, das Zürcher Kunsthaus zeigte Kunz’ Schaffen 1999 an einer Sonderausstellung zusammen mit Werken von Joseph Beuys, Rudolf Steiner und Andrej Belyi.

Auch in der Bildkunst setzte Kunz Pragmatismus über reines Kunstempfinden. «Sie suchte Antworten auf Fragen und fand diese in ihren eigenen Bildern», sagt Meier.

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