Hausbesetzung friedlich aufgelöst

Mellingerstrasse 33: Nach sechs Jahren erstmals wieder belebt – durch Besetzer. (Tim Honegger)

Hausbesetzung2

Mellingerstrasse 33: Nach sechs Jahren erstmals wieder belebt – durch Besetzer. (Tim Honegger)

In Baden hat eine Gruppe junger Leute am Freitagabend ein leerstehendes Haus an der Mellingerstrasse 33 besetzt. Nach dem Ultimatum der Kantonspolizei vermittelte Geri Müller. Am Sonntag um 20.20 Uhr endete die Besetzung friedlich.

Roman Huber

Eine Gruppe junger Leute drang um 22 Uhr am Freitag ins Haus Mellingerstrasse 33 ein. Dieses gehört dem Kanton und steht leer. Schon bald hingen Transparante an der Fassade. Die Besetzer liessen sich per Mitteilung auch verlauten. «. . . Nicht nachvollziehbar ist, dass in Zeiten der Ressourcenknappheit und Wohnungsnot solche Wohn- und Nutzflächen brachliegen.» Sie stünden für eine freie Kulturszene und möchten Raum «für freidenkende Menschen, die in Baden keinen Platz finden». Die Forderung indes war, aus der Mellingerstrasse 33 ein Kulturhaus zu machen.

Kapo interveniert erst samstags

Gut 40 Personen hätten sich letztlich im Haus eingefunden, meldete die Internetplattform «aargrau», die in einer Polizeimeldung fälschlicherweise als Besetzer dargestellt worden sind. Die alternative Medien-Plattform machte dies in einer Mitteilung gestern klar. Berichtet wurde, dass die Polizei mehrmals am Haus vorbeigefahren sei und von der Besetzung gewusst haben musste. Erst am Samstag forderte sie aufgrund einer Meldung die Besetzer auf, das Haus zu verlassen. Am Sonntagnachmittag nahm die Kapo nochmals Kontakt auf mit den Besetzern und forderte diese in einem Ultimatum auf, bis 20.30 Uhr das Haus zu verlassen. Dies müsse auch aus Sicherheitsgründen geschehen, würden sich doch die Besetzer im baufälligen Gebäude selber gefährden, meldete die Polizei aufgrund von Angaben der kantonalen Liegenschaftenverwaltung. Als sanierungsbedürftig gilt zwar das Haus, doch von Gefahren muss man beim Betreten nicht ausgehen.

Dies bestätigte Nationalrat Geri Müller, der am Sonntagabend zwischen Polizei und Hausbesetzern als Vermittler in Aktion trat. Ihm sei es auch zu verdanken, dass die Besetzer schliesslich um 20.20 Uhr das Gebäude freiwillig und friedlich verliessen. Dabei wurde auch keiner der Besetzer verzeigt.

Die Besetzer seien gesprächsbereit gewesen, erzählt Geri Müller, der diesen Vermittlungseinsatz nicht etwa als Mandat des Stadtrats ausführte. Er nahm die Forderung nach Kulturräumen entgegen und machte die Besetzer auf die Konsequenzen aufmerksam, die eine polizeiliche Räumung mit sich brächte.

Am selben Abend wurde auch in Solothurn eine Hausbesetzung inszeniert. Geri Müller ist jedoch überzeugt, dass kein Zusammenhang zwischen den beiden Besetzergruppen bestünde und dass die Besetzung in Baden eher einen improvisierten Eindruck machte. So erfolgten auch keine Aufrufe über die Internetplattform Facebook.

Unmittelbar vor dem Schadenmühlerank, neben der Eisenbahnbrücke der Nationalbahnlinie, steht die Liegenschaft Mellingerstrasse 33. Sie ist seit 1963 im Besitz des Kantons. Bis 2003 war das Haus bewohnt, einige Räume wurden als Büros benutzt. Mit der Sanierung der Kreuzung Schulhausplatz und damit verbunden mit dem Bau eines Kreisels bei der Burghaldenstrasse muss das Gebäude ersatzlos abgebrochen werden.

Meistgesehen

Artboard 1