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«Hausarrest» für Prügelknaben

Mit Fäusten und füssen gesprochen: Nun sind dem 25-Jährigen vorerst die Hände gebunden. niz

Gericht

Mit Fäusten und füssen gesprochen: Nun sind dem 25-Jährigen vorerst die Hände gebunden. niz

Er verfolgte seine Opfer und raubte sie aus, lauerte ihnen auf und verprügelte sie. Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs: Hinter Gitter muss der Angeklagte ohnehin schon.

Raffaela Kunz

Mit gesenktem Haupt sass er auf der Anklagebank, seine Mütze neben ihm. Mal fuhr sich der eher kleingewachsene Angeklagte von kräftiger Statur nervös durch das kurz geschorene Haar, mal starrte er gedankenversunken auf die Tischplatte. Auf Fragen antwortete Gök Z.* viel und schnell, verständlich davon war aber jeweils nur die Hälfte.

Kaum verständlich sind auch die Taten, die den 25-jährigen Türken gestern ein weiteres Mal vor die Richter brachten. Kläger im Prozess vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt war Ottmar G.* Vorangegangen war dem Vorfall im Oktober 2007 eine verbale Auseinandersetzung zwischen G. und Z. im ehemaligen «St. Urs» in Biberist. Danach hatte Z. seinem Opfer vor dem Restaurant abgepasst und mit einem Fusskick zu Fall gebracht. Auch als der 61-Jährige wehrlos am Boden lag, traktierte Z. ihn mit weiteren Tritten. Gemäss dem Opfer soll Z. versucht haben, ihm seine Handtasche zu entreissen. Z. liess erst von G. ab, als ein Auto passierte. Damit nicht genug: Als G. sich Minuten später mit seinem Velo auf dem Heimweg befand, versuchte Z. ihn erneut anzufallen. Diesmal aber hatte G. Glück: Er konnte seinem Übeltäter davonfahren.

Dank Zeitung aufgedeckt

Der zweite Vorfall folgte einem ähnlichen Muster. Opfer war Theo K.*, ein schmächtiger älterer Herr, den Z. im Herbst 2005 am helllichten Tag bis vor seine Haustür verfolgte. Im Hauseingang des Mehrfamilienhauses schlug er K. mit mehreren Faustschlägen nieder und wollte sich mit dessen Geld davonmachen. Als K. sich anschickte, dem Räuber zu folgen, gab dieser vor, eine Pistole mitzuführen und konnte sich dank dieser Drohung in die Flucht schlagen.

Gemeinsam ist beiden Fällen, dass Z.s Verhalten gravierende Konsequenzen für seine Opfer hatte: G. musste sich wegen eines Bypassverschlusses in der Wade operativ behandeln lassen. Und K., der im Gesicht genäht werden musste, verlässt bis heute das Haus nicht mehr ohne Pfefferspray. Dass die beiden Vorfälle auch einen gemeinsamen Täter haben, war aber lange unbekannt. Auf die Spur kam dem Angeklagten das Opfer selbst: K. entdeckte den Täter auf einer Illustration in der Solothurner Zeitung, worauf Z. ohne weiteres identifiziert werden konnte.

Nicht mehr viel zu gewinnen

In der Verhandlung gab der Angeklagte so weit auch alles zu. Einzig, dass er G. die Tasche habe entreissen wollen, stritt er ab: Er sei auf ihn losgegangen, weil dieser ihn mit rassistischen Bemerkungen beleidigt habe. Für Z. gab es indes auch weder viel zu gewinnen noch zu verlieren: Im Juli dieses Jahres hatte das Obergericht des Kantons Solothurn den 25-Jährigen wegen ähnlicher Delikte zu einer 30-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Zusätzlich wurde eine Massnahme in einer Arbeitserziehungsanstalt angeordnet - nicht zum ersten Mal in Z.s Leben. Der Staatsanwalt attestierte dem Angeklagten gestern keine guten Prognosen und verlangte zusätzliche 16 Monate Freiheitsstrafe nebst einer Busse von 100 Franken für kleinere Betäubungsmitteldelikte.

Z.s Verteidiger zeigte sich einverstanden mit der Anordnung einer Massnahme, forderte jedoch einen Freispruch vom den Vorwürfen des versuchten Raubes und der einfachen Körperverletzung, weil im zweiten Fall der Strafantrag fehle. Das Urteil des Amtsgerichts wird morgen erwartet.
*Namen von der Redaktion geändert

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