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«Hausärzte sparen 100 Millionen Franken»

Lohnt sich: Dank telefonischer Auskunft beim Hausarzt werden pro Woche und Praxis fünf Arztbesuche weniger nötig. fri

Hausarzt

Lohnt sich: Dank telefonischer Auskunft beim Hausarzt werden pro Woche und Praxis fünf Arztbesuche weniger nötig. fri

«Soll ich zum Arzt oder nicht?» – diese Frage sollen künftig alle potenziellen Patienten ihrer Krankenkasse stellen vor einem allfälligen Arztbesuch. Als Sparmassnahme im Gesundheitswesen steht eine obligatorische Telefontriage zur Diskussion. Aargauer Hausärzte zeigen: Telefontriage gehört zu ihrem Alltag – 16 Prozent der Anfragen können am Telefon abschliessend behandelt werden.

Fränzi Zulauf

«Ob und wie viel mit einer obligatorischen Telefontriage der Krankenkassen gespart werden kann, bleibt vorerst unklar», erklärt Gregor Dufner, Hausarzt in Bremgarten. Klarheit verschaffen konnten sich die Aargauer Hausärzte indessen darüber, was durch die praxiseigene telefonische Beratung gespart wird. Die zehn Mitglieder des Qualitätszirkels Argonet der Ärzteorganisation Argomed Ärzte AG haben den Telefonverkehr ihrer Praxen während einer Woche statistisch erfasst und ausgewertet.

Fünf Konsultationen weniger

Von den 1340 Personen, die anriefen, erhielten 15,7 Prozent einen Arzttermin am gleichen Tag. «In der Allgemeinpraxis können ausserdem viele Patienten direkt und abschliessend von den Medizinischen Praxisassistentinnen am Telefon beraten werden», weiss Kurt Kaspar, Hausarzt in Fislisbach. «Dies ist möglich, dank den guten Aus- und Weiterbildungen der Praxisassistentinnen und auch dank der Tatsache, dass die Patientinnen und Patienten in der Praxis bekannt sind», ist Kurt Kaspar überzeugt.

Tatsächlich wurden 16 Prozent der Anrufenden medizinisch abschliessend von den Praxisassistentinnen beraten, 5 Prozent davon nach Rücksprache mit dem Arzt. In 3,7 Prozent der Fälle war dadurch eine Konsultation nicht mehr notwendig. «Umgerechnet bedeutet dies, dass pro Arztpraxis fünf Konsultationen pro Woche verhindert werden konnten», hält Gregor Dufner fest.

«Dies macht jährlich rund 250 pro Praxis. Rechnet man pro Konsultation 50 Franken, so werden schweizweit gegen 100 Millionen Franken pro Jahr durch telefonische Konsultationen der Medizinischen Praxisassistentinnen eingespart.» Und: «Nimmt man die Beratungen nach Rücksprache mit dem Arzt hinzu, so kommen wir bereits auf über 400 Millionen Franken pro Jahr.»

Wertschätzung der Hausärzte

Im Gegensatz zu den geplanten Telefonkonsultationen durch die Krankenkassen ist bisher die Telefontriage der Hausärzte kostenlos. «Die erwähnten Dienstleistungen werden aus dem allgemeinen Praxiseinkommen finanziert. Eine Tarifposition für die Beratung durch die Medizinischen Praxisassistentinnen existiert im Tarmed nicht», betont Dufner. Kurt Kaspar ergänzt: «Bevor neue Dienste obligatorisch eingerichtet werden, muss ein exaktes Monitoring der Kosten installiert sein.

Die Krankenversicherer müssen offenlegen, wie viel sie für den zusätzlich anzubietenden Service aus den Prämiengeldern an die Anbieter bezahlen.» Ausserdem müsse in einer Studie evaluiert werden, ob tatsächlich Einsparungen resultieren. «Unsere Forderung ist klar: Den Hausärzten sollen diese bisher für die Krankenkassen kostenlos erbrachten Dienste mindestens gleich gut bezahlt werden.» Zumal die Qualität der telefonischen Beratung in der Hausarztpraxis sicher besser sei, da dort die Patientinnen und Patienten bekannt seien.

Für beide Hausärzte ist klar: «Anstatt laufend neue und sehr kostenintensive Strukturen im Gesundheitswesen zu schaffen, sollte die Politik vermehrt auf die bestehende Hausarztmedizin setzen, diese unterstützen und fördern und damit Kosten reduzieren.» Denn: «Die Hausärztinnen und Hausärzte und ihr Praxispersonal sind in der Triage-Funktion jahrelang geschult und könnten für diese Funktion noch gezielter eingesetzt werden. Diese grosse Chance, mit bestehenden Hausarztstrukturen einen Spareffekt zu erzielen, wurde bisher kaum wahrgenommen.»

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