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Hast noch der Söhne und Töchter

Die Armee wird kleiner, die Zahl der Aktivschützen ist rückläufig. Noch, denn der Nachwuchs kommt, wie der gestrige Tag der Jugend am Eidgenössischen Schützenfest eindrücklich belegte.

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Hast noch der Söhne und Töchter

Aargauer Zeitung

Toni Widmer

Nicht weniger als sechs Schützenkönige oder Schützenköniginnen sind gestern Sonntag am Tag der Jugend des Eidgenössischen Schützenfestes erkoren worden (Resultate und weitere Berichte im Sportteil). Teilnehmen durften nicht nur Jungschützinnen und Jungschützen, angeboten wurden Wettkämpfe in verschiedenen Kategorien, unter anderem auch für den Pistolennachwuchs.

2000 Teilnehmer und Betreuer

Qualifizieren konnten sich die Jugendlichen über diverse regionale und kantonale Ausscheidungswettkämpfe. Geschafft haben dies letztlich 716 Jungschützen, 250 Junioren und 500 Jugendliche auf der Distanz von 300 Metern sowie bei den Pistolenschützen 122 in der Kategorie U20 und 74 in der Kategorie U16. Inklusive Betreuern und Delegationsleitern sind gestern gegen 2000 Personen aus allen Teilen der Schweiz zu den Wettkämpfen in die Region Aarau gereist.

«Wir verzeichnen wegen der Reduktion der Armeebestände einen leichten Rückgang bei den Aktivschützen, dafür gibt es einen klaren Aufwärtstrend beim Nachwuchs», sagt Daniel Siegenthaler. Siegenthaler, der im aargauischen Erlinsbach aufgewachsen ist und heute in Sargans lebt, muss es wissen: Er ist beim Schweizer Schiesssportverband (SSV) Chef Abteilung Gewehr 300 Meter, seine Gattin Ruth – ebenfalls ehemalige Aargauerin aus Brugg – leitet die Abteilung Ausbildung und Nachwuchs.

Mehrgleisige Förderung

Die Nachwuchsförderung in der Schweiz läuft auf zwei Gleisen. Zum einen auf der militärischen Schiene, wo Jungschützen beiderlei Geschlechts im Alter von 17 bis 20 Jahren an der Armeewaffe ausgebildet werden. Die Jungschützenkurse werden in der Regel von den Schützenvereinen organisiert, die Verantwortung liegt beim Eidgenössischen Jungschützenchef und den Kantonen.

Im Bereich Jugend + Sport wiederum wird polysportiv gearbeitet: Jugendliche ab 10 Jahren werden hier nicht nur im Umgang mit dem Sportgerät – Druckluftpistolen und -gewehre – ausgebildet, sondern ganzheitlich gefördert: «Schiessen ist Spitzensport. Wer Erfolg haben will, muss nicht nur sein Sportgerät beherrschen. Körperliche Fitness, Koordinationsvermögen und Konzentrationsfähigkeit sind ebenso wichtig», sagt Daniel Siegenthaler. Ziel sei es, Talente frühzeitig erkennen und fördern zu können. Der Aargau habe diesbezüglich eine Vorreiterrolle übernommen und das Schiessen mit Druckluftwaffen schon früh in das Schulsportprogramm aufgenommen.

Olympischen Nachwuchs sichern

Mit den Anstrengungen im Bereich Jugend + Sport soll primär auch der olympische Nachwuchs gefördert werden. Immerhin ist die Schweiz nicht nur eine traditionelle Ski-, sondern ebenso traditionell eine Schiessnation.

Während an den Olympischen Spielen mit dem Gewehr seit 1976 nur noch über 10 und 50 Meter geschossen wird (Pistole über 10, 25 und 50 Meter), finden alternierend im Vierjahresturnus Weltmeisterschaften über 300 Meter statt. Die Schweiz stellt hier mit dem Toggenburger Marcel Bürge den amtierenden Weltmeister. Mit Marco Müller, Tegerfelden, und Raphael Bereuter, Villmergen, gehören auch zwei Aargauer zum Nationalkader.

Vom Schiesssport-Nachwuchs wurde gestern aber nicht nur auf die Scheiben gezielt. Mit einem attraktiven Rahmenprogramm – unter anderem Live-Konzert, Schifffahrt auf dem Hallwilersee, Besichtigung von Schloss Lenzburg – sorgten die Organisatoren für Abwechslung, wie sie laut Daniel Siegenthaler für einen Jugendtag am «Eidgenössischen» bisher einzigartig war.

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