Die Türkei werde alles tun, um Ägypten vor internationale Gerichte zu bringen. Die Regierung in Kairo warf dem Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen vor, Mursis Tod für politische Zwecke zu nutzen.

Die Forderung aus Genf nach einer unabhängigen Untersuchung der Todesumstände sei ein "Versuch, eine natürliche Todesursache absichtlich zu politisieren", sagte ein ägyptischer Aussenamtssprecher. Das Uno-Büro in Genf ziehe "voreilige Schlüsse", die nicht auf Beweisen beruhten.

Der 67 Jahre alte Mursi war am Montag während einer Gerichtsverhandlung ohnmächtig zusammengebrochen und danach gestorben. Lokale Medien berichteten unter Berufung auf medizinische Kreise, der frühere Präsident habe einen Herzinfarkt erlitten.

Schon länger krank

Menschenrechtler führten seinen Tod jedoch auf die schlechten Bedingungen während seiner rund sechsjährigen Haft zurück. Mursis Familie zufolge litt er an Diabetes und war während seiner Haftzeit bereits zweimal ohnmächtig geworden. Sie wirft den ägyptischen Behörden vor, ihn nicht angemessen medizinisch versorgt zu haben.

Laut einem Bericht des britischen "Independent" lag Mursi in einem Käfig im Gerichtssaal mehr als 20 Minuten zusammengesackt am Boden, ehe Ärzte ihn abtransportierten. Statt ihm zu helfen, hätten Wächter erst die Familienangehörigen aus dem Saal gebracht, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Augenzeugen. Die Hilferufe anderer Gefangener innerhalb der Zelle im Saal seien lange ignoriert worden.

Mursi war 2012 als erster frei gewählter Präsident des Landes an die Macht gekommen und nach Protesten im Juli 2013 vom Militär gestürzt worden. Er gehörte den islamistischen Muslimbrüdern an, die heute in Ägypten verboten sind, zur Türkei jedoch gute Kontakte pflegen.