Urs Byland

Nach dem Abschied des weit über die Region hinaus bekannten Kunstsammlers Hans Liechti stellt sich die Frage, was mit seiner Sammlung geschieht. Er selber hat schon vor Jahren, als seine Frau Käthy starb, die Sammlung seinen Kindern Béatrice und Bernhard Liechti überschrieben. Danach sah er sich selber als verantwortungsvoller Verwalter der Sammlung und trat auch in Erscheinung, wenn Museen einzelne Werke oder Werkgruppen in thematischen Ausstellungen zeigen wollten.

Beispiele für diese Unterstützung öffentlicher oder privater Aussteller gab es viele, etwa 2007 in Onans und Langenthal. In Onans (bei Grandson) war es eine Ausstellung zu Ehren der beiden bedeutenden Schweizer Künstler Léon Perrin (1886-1978) und Paul Fotsch (1891-1964).

«Aufbruch» in Langenthal

In Langenthal zeigte das Kunsthaus in einer grossen Querschnittausstellung aus der Sammlung Hans und Käthy Liechti Werke unter dem Thementitel «Aufbruch ins Material». In der Einladung zu dieser Ausstellung war zu lesen: «Mit transzendentalen, spirituellen und intellektuellen Konzepten, mit Materialien wie Kunststoff, Holz, Spiegel und Textilien wurden die Möglichkeiten der Malereien erweitert und neue Verbindungen von malerischem und plastischem Ausdruck gesucht.» Hans Liechti besass diese Werke der europäischen Avantgarde aus den 60er- und 70er-Jahren.

Letztes Beispiel einer Ausstellung mit Exponaten aus Hans Liechtis Sammlung datiert im April 2008. In der Kulturfabrik in Biglen wurden Zeichnungen, Bilder und Skizzen von Friedrich Dürrenmatt ausgestellt, den Liechti in dessen zeichnerischen Versuchen von Beginn an unterstützte.

Über die Grösse der Sammlung, die Hans Liechti in all den Jahren zusammengekauft hat, und über deren Wert, lässt sich nur spekulieren. Weder die jetzigen Besitzer noch Freunde oder Bekannte von Hans Liechti wollen oder können dazu etwas berichten. «Das war auch nie ein Thema in den Gesprächen mit Hans Liechti», erinnert sich ein Freund, der nicht genannt werden will. «Er sagte höchstens mal, für dieses oder jenes Bild habe er auch tief ins Portemonnaie langen müssen.»

Weder Stiftung noch Museum

Noch ist der Eindruck von Hans Liechtis Tod frisch. Verständlicherweise fällt es seiner Tochter Beatrice und seinem Sohn Bernhard schwer, sich Gedanken über die Zukunft der Sammlung zu machen. Eines ist aber klar. «Die Sammlung ist ein Vermächtnis an uns. Wir hängen an der Sammlung und werden diese weiterpflegen, wie es unser Vater getan hat», sagt Béatrice Liechti.

Sohn Bernhard Liechti, der zusammen mit seiner Frau Pascale in Zürich seit 1999 das berühmte Zunfthaus zur Meisen erfolgreich führt, präzisiert: «Wir haben die Sammlung vor elf Jahren übernommen.» Vorläufig werde nicht viel mit dieser Sammlung passieren. «Wenn Anfragen für Ausleihen kommen, werden wir diese wenn möglich erfüllen.» Auf keinen Fall soll die Sammlung in eine Stiftung überführt werden oder gar in ein eigenes Museum.

«Unser Vater hat dies ausdrücklich nicht gewünscht. Er brauche kein Denkmal, hat er dann jeweils hinzugefügt», erklären Hans Liechtis Sohn und seine Tochter. Jede Spekulation über die Zukunft der Sammlung sei müssig. Sicher ist bloss, dass Bernhard und Béatrice Liechti verantwortungsvoll und ganz im Sinne ihres Vaters damit umgehen wollen.