Brugg

Handy-Behändigung zog Zoff nach sich

Bezirksgericht Brugg: Forderung nach Herausgabe eines Mobiltelefons war keine versuchte Nötigung.

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Bezirksgericht Brugg: Forderung nach Herausgabe eines Mobiltelefons war keine versuchte Nötigung.

Weil er das Handy zurückforderte, das ein Lehrer seinem Sohne abgenommen hatte, sah sich der Vater des Burschen mit dem Vorwurf der versuchten Nötigung konfrontiert.

Louis Probst

Auf der Exkursion einer Brugger Werkjahrklasse hatte der Lehrer das Handy eines Schülers konfisziert. Gemäss der Anklageschrift war der Vater des Burschen tags darauf mit seinem Sprössling im Schulhaus erschienen und hatte vom Klassenlehrer ultimativ die Herausgabe des Mobiltelefons verlangt. Gemäss den Erkenntnissen der Polizei soll er die Aufforderung, das Handy herauszurücken, mit der Androhung von Schlägen verbunden und dabei demonstrativ die Ärmel hochgekrempelt haben.

Darin hatte das Bezirksamt Brugg den Versuch einer Nötigung gesehen und den Vater zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 110 Franken sowie zu einer Busse von 650 Franken verurteilt und ihm zudem Kosten von 900 Franken aufgebrummt. Weil sich der gut 50 Jahre alte Schweizer mit iberischen Wurzeln mit diesem Urteil jedoch nicht abfinden wollte, hatte sich Bezirksgerichtspräsident Hans-Rudolf Rohr als Einzelrichter mit den Folgen der Handy-Konfiskation auseinanderzusetzen.

«Klare Vereinbarung»

Er habe sich ins Schulhaus begeben, weil der Lehrer das Handy nach Abschluss der Exkursion nicht herausgegeben hätte, bestätigte der Angeklagte durch eine Übersetzerin. Er habe an die Tür geklopft; der Lehrer habe geöffnet; man habe sich begrüsst und er habe sein Anliegen vorgetragen. Der Lehrer habe jedoch erklärt, dass er das Handy nicht herausgeben werde, sei ins Schulzimmer zurückgekehrt und habe die Türe hinter sich geschlossen. Unterhalten hätte man sich auf Französisch liess der Angeklagte ausrichten. Die Aussage des Lehrers, dass er, der Angeklagte, mit den Worten gedroht habe «je te casse la tête» - was auf gut Deutsch in etwa heisst «i gib dr uf e Grind» - sei jedoch falsch.

Er habe, sagte der Angeklagte, den Lehrer sogar ermächtigt, notfalls das Handy - das übrigens sein eigenes gewesen sei - einzuziehen. Allerdings mit der Vereinbarung, dass es am Ende des Schultages seinem Sohn wieder ausgehändigt würde.

«Mücke wurde zum Elefanten»

«Der Lehrer versucht aus einer Mücke einen Elefanten zu machen», betonte der Verteidiger. Er beantragte Freispruch und damit auch Abweisung der Zivilforderung des Lehrers, der eine Schadenersatzsumme von gut 10 000 Franken geltend gemacht hatte. «Mein Mandant ist ein temperamentvoller Bürger», erklärte der Verteidiger. «Er hat sicher nicht im Flüsterton gesprochen. Aber es fehlt jeder Beweis für die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden.»

Der Bezirksgerichtspräsident schloss sich dieser Meinung an. «Die Frage ist, ob der Angeklagte dem Lehrer Nachteile angedroht hat», erklärte er. «Wir haben jedoch keine schlüssigen Erkenntnisse dafür, dass eine Nötigung vorlag. Die Konsequenz ist ein Freispruch.»

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