Turmdohlen
Hallwyl-Dohlen als «roter Faden»

Schloss Hallwyl beherbergt eine Kolonie der seltenen Turmdohlen. In diesem Frühjahr wird ein Dohlenpaar bei Nestbau und Aufzucht mit einer Live-Kamera verfolgt. Die Bilder sind im hinteren Schloss und am 11. Juni im Fernsehen in der Sendung «NZZ Format» zu sehen.

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Aargauer Zeitung

Fritz Thut

Turmdohlen sind in der Schweiz sehr rar und stehen deshalb auf der Roten Liste der besonders gefährdeten Vögel. Eine Kolonie der seltenen Vögel, die an ihrem auffällig hellgrauen Kopf und Nacken sowie an den hellblauen Augen erkennbar sind, ist seit längerem im Schloss Hallwyl daheim.

Selbst während der umfassenden Sanierungsarbeiten um die Jahrtausendwende konnten die zur Gattung der Raben gehörenden Vögel mit speziellen Massnahmen geschützt werden. Ein nie aufgeklärter Giftanschlag auf die Dohlenkolonie im Jahr 2006 hat den Bestand verübergehend um rund einen Drittel reduziert. Inzwischen ist die Zahl der Tiere wieder etwas, auf etwa 120 Stück, angestiegen.

Live bei Aufzucht dabei

Seit diesem Frühjahr können die Schlossbesucher auf einem Monitor im aus dem 14. Jahrhundert stammenden Rittersaal von Johans I. von Hallwyl ein Dohlennest direkt verfolgen. Die Live-Aufnahmen einer hochauflösenden Kamera wurden für eine Sendung von «NZZ Format» aufgezeichnet.

Für die Sendung «Schlaue Vögel, schlechter Ruf: Raben», die am Donnerstag, 11. Juni, um 23.15 Uhr auf SF 1 ausgestrahlt wird, bilden die Hallwyl-Dohlen den «roten Faden», wie Autor Beat Rauch gegenüber der AZ ausführte. Fachlich wurde Rauch von Christoph Vogel von der Vogelwarte Sempach und vom örtlichen Experten René Berner unterstützt.

Die verschiedenen Beiträge über die Intelligenz der Rabenvögel, spezielle Verhaltensmuster (die deutsche Forscherin Auguste von Bayern weist nach, dass Dohlen Menschenblicke fürchten), Täuschungsmanöver von Kolkraben und die Suche nach Alpendohlen im Oberengadin werden mit Episoden aus dem Schloss Hallwyl verbunden. Gemäss Rauch sind diese Elemente wie folgt gegliedert: Einbauen der Kamera, der Nestbau, das Eierlegen, das Brüten, das Schlüpfen.

Geschlüpft sind die Hallwyler Kamera-Dohlen am Dienstag, 5. Mai. Nachdem einst 4 Eier gesichtet wurden, waren wenige Tage später nur noch drei Jungtiere sichtbar, die jeweils ein besonderes Spektakel bieten, wenn sie von den Eltern gefüttert werden.

Ob die Direktübertragung aus einem Dohlennest im nächsten Jahr wiederholt und um die Live-Schaltung auf die Schloss-Homepage ergänzt wird, ist gemäss Kurator Thomas Frei noch offen, wird aber ernsthaft geprüft.