Hallenbau der Schwarz Stahl AG verdrängt Bauernhof

Schwarz Stahl projektiert den Bau von zwei neuen Hallen in Lenzburg. Sind die Neubauten realisiert, vereinigt die Firma sämtliche Aktivitäten unter einem Dach. Der Erweiterung müssen der Bauernhof und ältere Gebäudeteile weichen.

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Schwarz Stahl AG

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Bauernhof

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Aargauer Zeitung

Heiner Halder

«Was ich als Erbgut der Familie entgegengenommen habe, will ich weitergeben», sagt Max Schwarz, in 5. Generation Inhaber der mit 177 Jahren ältesten Firma auf dem Platz Lenzburg. «Ich glaube an die Zukunft», sagt der seit 45 Jahren aktive Seniorchef, und darum hat er symbolisch rund um das weitläufige Firmengelände 50 Bäume pflanzen lassen. Den Optimismus trotz schwierigem wirtschaftlichem Umfeld haben schon seine Vorfahren geprägt, und auch jetzt verhält sich Schwarz antizyklisch und investiert in weiteres Wachstum. Die letzte Etappe Ende der Neunzigerjahre mit der neu geschaffenen Haustechnik-Abteilung und dem Handwerkerladen hatte in den letzten zehn Jahren eine Verdoppelung des Umsatzes gebracht. Die aktuellen Pläne betreffen primär die Erweiterung der Gebäudevolumen.

Riesige Doppelhalle

Geplant ist der Bau von zwei parallel stehenden Hallen auf dem teilweise noch überbauten Terrain Richtung Bahnhof Ecke Murackerstrasse/Färberweg. Die Trennung erfolgt aus sicherheitstechnischen Gründen, zusammen nehmen die bis zum Giebel 14 Meter hohen und je rund 80 Meter langen Stahl-Fachwerkbauten eine Fläche von 4600 Quadratmetern ein, rechnet Geschäftsführer Martin Steinmann vor. Mit diesen Neubauten vereinigt Schwarz Stahl sämtliche Betriebszweige und Büros sozusagen «unter einem Dach». Während in der einen Halle die rationalisierte und mechanisierte neue Biegerei Platz findet, wird in der andern bisher im Freien gelagertes Kunststoff- und Baumaterial untergebracht, was bezüglich Witterung, Sicherung und logistischer Abläufe Vorteile bringt.

Bemerkenswert sind die auf Verlangen des Aarg. Versicherungsamtes vorgesehenen Brandschutzmassnahmen: Eine Feuerwand zwischen den Hallen sowie ein rund 80 Meter langer unterirdischer Fluchtstollen für die Mitarbeitenden. Zusätzliche Zufahrten müssen keine erstellt werden, die Erschliessung erfolgt von der Industriestrasse quer durch die Hallen bis zur Murackerstrasse. Lediglich eine Stieleiche muss versetzt werden. Altbauten allerdings fallen den Neubauten zum Opfer.

Bereits Ersatz für Bauernhaus

Vor Baubeginn wird erst mal abgebrochen. Das markante Bauernhaus mit dem heimeligen Riegel an der Murackerstrasse, wo seit 1918 bis heute jeweils der Firmenfuhrmann mit Familie und Zugpferden wohnte, wird verschwinden - und damit ein Stück Alt-Lenzburg. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen und die Stallungen entsprechen nicht mehr dem neuen Tierschutzgesetz; eine Sanierung lohnt sich nicht. Allerdings werden Heinrich Maurer und seine Tiere nicht obdachlos: Bereits vor 16 Jahren erwarb Schwarz den Lenzhardhof als neuen Stützpunkt für das Gespann, welches - so hält Max Schwarz ausdrücklich fest - weiterhin nostalgisch das Lenzburger Strassenbild prägen wird.

Im weiteren werden die alte Biegerei, ein Magazin und Garagen beseitigt. Das Baubewilligungsverfahren ist noch beim Kanton hängig, doch sind keine Einsprachen eingegangen. Steinmann rechnet mit dem Baubeginn bzw. dem Abbruch Anfang nächstes Jahr, der Bezug der Neubauten ist auf Ende 2010 terminiert.