Ihre Mama hatte einen Schutzengel
Haiti: Lenzburgerin bangte um das Leben ihrer Mutter

Miriame Hector aus Lenzburg musste lange warten, bis sich ihre Mutter endlich aus Haiti meldete. Nun will die 22-Jährige selbst nach Haiti reisen, um ihr Volk zu unterstützen.

Merken
Drucken
Teilen

BARBARA VOGT

Miriame Hector schaut sich im Fernsehen schreckliche Bilder aus Haiti an: Verzweiflung, Zerstörung, Tod. Tränen laufen ihr die Wange herunter. «Das ist mein Heimatland. Viele Leute, die ich kenne, sind tot, auch meine Grossmutter.
Das tut so weh.»

In diesem Schmerz jedoch erlebt die 22-jährige Frau ihr grösstes Gück: Ihre Mutter hat das Erdbeben unverletzt überlebt. Während Tagen blieb sie ohne jegliche Nachricht von ihrer Familie in Haiti. Einmal habe sie am Fernsehen einen
Verwandten mit einem Arm in der Schlinge herumlaufen sehen. Die Zeit der Ungewissheit war am schlimmsten gewesen für Miriame Hector: «Ich habe geraucht, Whisky getrunken, gebetet.» Heute noch liegen Bilder von ihrer Mutter auf dem Tisch, daneben stehen halb abgebrannte Kerzen.

Ein Freund als Schutzengel

Am Sonntag endlich kam das erlösende Telefon von «Mam». Sie rief an und sagte, dass sie das Erdbeben unverletzt überlebt hätte. An diesen Augenblick wird sich Miriame Hector ihr ganzes Leben lang erinnern: «Ich zitterte am ganzen Körper. Ich liebe meine Mutter über alles. Für mich ist sie Mutter, Vater, Freundin.» Als kleines Mädchen kam Miriame Hector in die Schweiz. Ihren Vater hatte sie verloren,
ihre Mutter hatte einen Schweizer geheiratet. Voller Emotionen erzählt sie, dass ein Freund ihre Mutter vor dem Erdbeben aus dem Haus herausholte. «Dieser Mann ist Mamas Schutzengel.» Miriame Hector hofft, dass ihre Mutter baldmöglichst
in die Schweiz zurückfliegen kann.

Eine Frage bewegt Miriame Hector immer wieder: Was wäre geschehen, wenn sie mit nach Haiti gegangen wäre? Ursprünglich plante sie, mit ihrer Mutter zu reisen. «Ich wollte mein Heimatland endlich wieder einmal sehen.» Doch
musste sie notfallmässig ihre Weisheitszähne ziehen lassen und zu Hause bleiben. Miriame Hector will noch nach Haiti reisen, um ihr Volk zu unterstützen. Wer ihr Hilfsgüter (Kleider, Medikamente, Nahrungsmittel) mitgeben möchte, melde sich bei ihr: 079 201 98 95.