«Haben es gut hier»

Sackgumpen war schon vor 100 Jahren in – gestern starteten 231 Hermesbühl-Kinder und Kindergärteler mit Spielen wie Büchsenwerfen und Seilziehen in den Jubiläumstag. (Bild: Oliver Menge)

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Sackgumpen war schon vor 100 Jahren in – gestern starteten 231 Hermesbühl-Kinder und Kindergärteler mit Spielen wie Büchsenwerfen und Seilziehen in den Jubiläumstag. (Bild: Oliver Menge)

Über viel Platz verfügen die rund 200 Schulkinder im Hermesbühl, dem riesigen Jugendstilbau, der vor 100 Jahren bezogen wurde. Und damals für 1000 Schülerinnen und Schüler ausgelegt war. In Kriegszeiten wurde jedoch auch diese Zahl weit übertroffen.

Wolfgang Wagmann

Das waren noch Klassengrössen: «Die 28 Zimmer waren für je 54 Kinder ausgelegt», weiss Schulleiterin Corinne Kaiser. Heute sind je drei Zimmer für zwei Klassen mit Durchgangstüren neu erschlossen, eine der wenigen sichtbaren Eingriffe in die Infrastruktur des liebevoll «Hemmli» genannten Schulhauses, das in den letzten 100 Jahren Abertausenden von kleinen Solothurnerinnen und Solothurnern eine zweite Heimat war. Ganz ohne Veränderungen blieb der mächtige Bau nicht. So wurden im Keller neue Küchen eingerichtet - «vorher war dort die so genannte Bad- und Suppenanstalt untergebracht. Die Kinder assen damals dort ‹Zmittag›, lange bevor von einem Hort oder gar Tagesschule die Rede war». Und weiter gabs im Keller 18 Brausen, damit die Solothurnerinnen und Solothurner, die damals noch bei weitem nicht so komfortabel eingerichtet waren, ab und zu duschen konnten ...

Veränderungen stehen an

«Wir haben es gut hier», glaubt Corinne Kaiser an einen «guten Geist», den das Hermesbühlschulhaus auszeichnet. «Es war schon 1909 ein Vorzeigeobjekt für die ganze Schweiz. Vor allem in hygienischer Hinsicht. Gab es doch schon damals auf jedem Stockwerk ein WC.» Die breiten Gänge, die eigene Aula und vor allem die gedeckte Pausenhalle, die als ehemalige «Spielhalle» unter Denkmalschutz steht, sind Qualitäten, die das «Hemmli-Team» schätzt. Die Pausenhalle ist allerdings in einem «schitteren» Zustand, soll aber wie schon das Treppenhaus Nord wieder den alten Jugendstil-Glanz erhalten, sobald die neue Doppelturnhalle mit Hallenbad erstellt ist.

Was Corinne Kaiser auch Sorgen bereitet: Mit dem Neubau wird der Pausenplatz massiv verkleinert, was in der laufenden Reformdebatte für Diskussionen sorgt. Für die angedachte Konzentration der 5. und 6. Klasse im Hermesbühlschulhaus sei zu wenig Pausenplatz da, wird von Kritikern eingebracht.

2500 Kinder im Schichtbetrieb

Vor 100 Jahren war das Hermesbühl als zentrales Schulhaus geplant, «die Stadt wollte gar keine Quartierschulhäuser, und der Schulweg wurde für alle Stadtkinder als zumutbar empfunden. Und zwar zu Fuss, ohne Velo oder Auto», kann die Schulleiterin sich ein Augenzwinkern angesichts der heutigen Schulweg-Diskussionen nicht verkneifen.

Ohnehin hat das Hermesbühl seit den ersten Maitagen 1909 einiges aus heutiger Zeit Haarsträubendes gesehen. In Kriegszeiten war Militär einquartiert, während der «Spanischen Grippe» wurde der Schulbetrieb vom Juli 1918 bis im Februar 1919 sogar eingestellt und der riesige Bau wie alle anderen Schulhäuser auch als Notspital für die vielen Grippeopfer genutzt.

«Im Zweiten Weltkrieg wurde das Heizmaterial so knapp, dass sämtliche Schulhäuser bis auf das noch minimal beheizte Hermesbühl geschlossen wurden. Die 2500 dort konzentrierten Kinder wurden im Schichtbetrieb unterrichtet», erzählt Corinne Kaiser eine weitere, heute fast unvorstellbare Episode.

Viel Opposition vor dem Bau

1909 war Energieeffizienz noch überhaupt kein Thema, jetzt muss das Hermesbühl in dieser Hinsicht nachgerüstet werden. Türen und Fenster sind und waren neben dem riesigen Dach die Sorgenkinder. 40 Projekte waren damals auf den Ideen-Wettbewerb eingegangen. Ende 1905 erhielt die Firma Karl & Ernst Fröhlicher den Zuschlag, die einen Kostenvoranschlag von 832 000 Franken inklusive Landerwerb ablieferte.

Zuerst kam das Projekt in einer geheimen Gemeindeversammlungs-Abstimmung mit 132 Ja- gegen 127 Nein-Stimmen durch. Doch nach einer Beschwerde musste nochmals eine Gemeindeversammlung einberufen werden. Diesmal gabs 354 Befürworter und 222 Gegner. Noch war erhebliche Anwohner-Opposition auszuräumen, ehe der Bau begonnen wurde. Er kostete zuletzt über 940 000 Franken - schon damals konnten Schulhausneubauten rasch einmal mit Kostenüberschreitungen im zweistelligen Prozentbereich enden ...

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