Wolfgang Wagmann

Kurz vor 15 Uhr ist eine Zeit, die nicht als «rush hour» gilt. Trotzdem stehen wir schon bei der ersten Ampel in der Aarmatt. Und vorne eine Kolonne, soweit das Auge reicht. Zuerst wendet ein Personen- dann auch noch ein Lieferwagen abrupt mitten auf der Hauptstrasse - sie werden ihr Glück wohl über Zuchwil versuchen, um nach Solothurn zu gelangen. Brav im Stau geblieben, dauerts geschlagene 8 Minuten, bis die 600 Meter bis zum «Metropol» geschafft sind. Das entspricht «Tempo 4,5». Es gibt Reaktionen, das man zu lange warten müsse», räumt Roger Schibler, Projektleiter Bahnhofplatz beim kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau, ein. «So wurde gemeldet, dass es aus anderen Richtungen keinen Stau gibt, dafür einen umso längeren von Zuchwil her. Oder dass Rechtsabbieger zur Rötibrücke Rot haben, die Geradeausfahrenden dagegen Grün.»

Einige Erklärungsversuche

Möglich, dass die Autofahrer aus den anderen Richtungen zu lange Grünphasen hätten. Oder die Fussgänger, die ausserhalb der Spitzenzeiten die Ampeln manuell zu ihren Gunsten beeinflussen können, die Verzögerungen auf der Luzernstrasse auslösen. «Wir werden heute abend jedenfalls alles nochmals überprüfen», versicherte gestern Roger Schibler. Man habe nicht am Montag überall gleich «schrübele» wollen. An sich würden die Fussgänger nicht prioritär behandelt, und es sei auch nicht das Ziel, den Verkehr bei der Einfahrt nach Solothurn gezielt zu behindern. Obwohl mit der Platzplanung durchaus die Idee einer Umlagerung zugunsten der anderen Verkehrsteilnehmer bestand. «Was uns auch noch fehlt, ist der Zentralrechner, der dann ab 2010 sämtliche Lichtsignalanlagen auf Stadtboden steuert», meint der Projektleiter weiter. Dann könnte gezielt auf die Verkehrsströme reagiert werden. Jetzt seien wohl Lichtsignalanlagen der neuesten Generation im Einsatz, doch seien sie noch nicht alle untereinander vernetzt.

Wo noch gebaut wird

Trotz offizieller Eröffnung, fertig ist der Bahnhofplatz noch nicht. So wirkt der Bereich nach der Zufahrt zum Park and Ride östlich des Bahnhof noch wie eine einzige Baustelle und und die geplanten Kurzzeitparkplätze für den Personenumschlag fehlen noch. «Vor Weihnachten», versichert Roger Schibler, soll auch dieser Bereich fertig gebaut sein. «Bis auf den Deckbelag» allerdings. Und gedeckte Taxistände wird es ebenfalls nicht geben, bestätigt Schibler auf unsere Nachfrage. Dafür wird ein anderere Kritikpunkt etwas entschärft: Etliche Reaktionen betrafen die fehlende Begrünung des Platzes. «Nun wird entlang des Park and Rides an der Luzernstrasse die vorgesehene Baumallee gepflanzt.» Abgesehen habe man bei der architektonischen Gestaltung des Platzes bewusst ein urbanes Erscheinungsbild gewählt, rechtfertigt der Projektleiter das fehlende (Pflanzen)Grün.

Ein weiteres Problem taucht im Bereich Taxi/Personenumschlag, wird doch die dortige Ausfahrt durch die stehende Kolonne auf der Luzernstrasse blockiert. Auch darum will sich Roger Schibler kümmern. «Zudem haben wir festgestellt, dass Automobilisten den Haltebereich des Bipperlisis nach dem Abbiegen aus der Rötistrasse Richtung Zuchwil mit einer Fahrspur verwechseln und irrtümlich dort hinein fahren.»

Alternativen für den Veloverkehr

Kritik hatte es letzten Montag an einem SP-Themenabend auch zur Veloverkehrsführung abgesetzt. Und zwar wurde offenbar die Velospur miten über den Platz von der Rötibrücke her als gefährlich eingestuft. Dazu Roger Schibler: «Zum Veloverkehr hat sich bei mir noch niemand gemeldet. Der Radstreifen ist dort noch nicht richtig definiert, deshalb haben die Leute vielleicht das Gefühl, es sei gefährlich.» Man habe ihn nach den gängigen Standards überbreit angelegt. «Es gibt durchaus auch andere Möglichkeiten für die Velofahrenden, beispielsweise über die Schänzlistrasse und die Bahnhofunterführung», verweist Roger Schibler auf risikoärmere Möglichkeiten, nach der Rötibrücke den Hauptbahnhof anzufahren.