Kinderkrippe
«Habe mich nie entmutigen lassen»

«In Möhlin fehlt eine Kinderkrippe!» Dies stellte Anastasia Vital fest, als sie eine temporäre Kinderbetreuung für ihren Sohn suchte. Nun ergreift sie selber die Initiative: Im Herbst wird die erste Kinderkrippe in Möhlin, das Chinderhuus Mary Poppins, aufgehen.

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Kinderkrippe Mary Poppins, Möhlin

Kinderkrippe Mary Poppins, Möhlin

Aargauer Zeitung

Lilly-Anne Brugger

Im letzten Herbst war Anastasia Vital auf der Suche nach einem Betreuungsplatz für ihren damals 3-jährigen Sohn. Ihr schwebte eine flexible Betreuung vor, die stundenweise stattfindet und nicht an fixe Tage gebunden ist. Doch in Möhlin gab es damals kein entsprechendes Angebot für Kinderbetreuung. Die bestehenden Angebote, beispielsweise die Spielgruppe oder eine Tagesmutter, kamen für Vital nicht infrage. Die Betreuungszeiten der Spielgruppe waren mit nur ein bis zwei Stunden zu kurz, um währenddessen beispielsweise einen Arzttermin wahrnehmen zu können. Vom Betreuungsmodell «Tagesmutter» ist Vital nicht überzeugt, weil sie ihrem Sohn gerne die Möglichkeit geben möchte, gemeinsam mit anderen Kindern betreut zu werden. «Etwas wie eine Spielgruppe mit Mittagstisch wäre optimal gewesen», erzählt sie heute, ein gutes halbes Jahr später.

Krippenplätze sind gesucht

Auch andere Eltern bestätigten Vital, dass sie mit dem bestehenden Betreuungsangebot in Möhlin nicht glücklich seien. Grösster Wunsch: eine Kinderkrippe. Denn viele berufstätige Eltern brachten ihre Kinder nach Wallbach oder nach Rheinfelden in die Krippe. So war Vital bald klar, dass sie selber die Initiative ergreifen muss, wenn es zukünftig in Möhlin eine Kinderkrippe geben soll. Am Freitag, dem 13. Januar 2009, hat sie den Verein zur Unterstützung berufstätiger Eltern (Vube) gegründet. «Das Datum haben wir bewusst ausgewählt», sagt Vital mit einem Lächeln. Gleichzeitig hat sie auch angefangen, bei sich zu Hause eine Spielgruppe mit Mittagstisch anzubieten. «Es war aber immer klar, dass dies ein Zwischenschritt ist und die Spielgruppe Teil einer Kinderkrippe werden sollte», sagt Vital, die ursprünglich im betriebswirtschaftlichen Bereich tätig war und sich nach der Geburt ihres Sohnes auch zur Spielgruppenleiterin ausbilden liess.

Doch Anastasia Vital musste feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, eine Kinderkrippe auf die Beine zu stellen. Der erste Schritt war, eine geeignete Wohnung zu finden, in der eine Kinderkrippe eingerichtet werden kann, der zweite, ein gutes Team zusammenzustellen, und der dritte, alle gesetzlichen Auflagen zu erfüllen, damit die Gemeinde schliesslich auch die Betriebsbewilligung für die Kinderkrippe erteilt.

«Da es in Möhlin sehr viele Eigenheime, aber kaum Mietwohnungen gibt, war die Suche nach einer geeigneten Wohnung nicht einfach», erinnert sich Vital. Nach einigem Suchen erhielt sie das Haus an der Bahnhofstrasse 107 zur Miete angeboten. «Ein Glücksfall für uns», zieht sie Bilanz, «denn auf der anderen Strassenseite sind das Schulhaus sowie der Kindergarten Obermatt und hinter der Kinderkrippe liegt der Kindergarten Ängerli.»

Pädagogische Leitung angestellt

Auch bei der Personalsuche hatte Anastasia Vital Glück. Eines Tages meldete sich bei ihr eine ehemalige Wirtin, die sich freiwillig bereit erklärte, den Mittagstisch zu führen. Auch Denise Zehelein meldete sich spontan. Sie wird die pädagogische Leitung der Kinderkrippe übernehmen, arbeitet nun aber bereits in der Vorbereitunsphase tatkräftig mit. «Es ist nicht selbstverständlich, dass die pädagogische Leitung einer Krippe sich auch bereit erklärt, selber bei den Renovationsarbeiten Hand anzulegen», betont Anastasia Vital. Gemeinsam gehen die Frauen nun an den dritten Schritt und wollen die rechtlichen Vorschriften für die Eröffnung einer Kinderkrippe erfüllen. Beraten und unterstützt werden sie dabei von der Fachstelle Kinder & Familien in Baden.

Der grösste Brocken, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, sind bauliche Massnahmen. So müssen beispielsweise eine Fluchttreppe an der Hausmauer ergänzt und zwei Brandschutztüren im Inneren des Hauses eingebaut werden. Ab heute liegt das entsprechende Baugesuch in der Gemeinde Möhlin auf. «Rund 50 000 Franken kosten alle Um- und Anbauten am Haus», schätzt Anastasia Vital. Sobald die Baubewilligung erteilt wurde, werden die Sanierungsarbeiten beginnen. Denn für Anastasia Vital ist klar, dass sie die Kinderkrippe, für die sie nun seit bald einem Jahr kämpft, am 1. Oktober eröffnen will. (Kommentar rechts)

www.chinderhuusmarypoppins.ch

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