Gymischüler haben keinen Bock auf Italienisch

Immer weniger Schweizer Jugendliche wählen an Gymnasien Italienisch als Schwerpunktfach. Sie bevorzugen Spanisch, weil sie dadurch eine grössere Auswahl an Auslandaufenthalten haben. Die Italienischlehrer fordern nun einheitlichere Regeln zugunsten der dritten Landessprache.

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Jessica Pfister

Brigitte Hänggi macht sich Sorgen: «Die italienische Sprache hat zunehmend einen schweren Stand.» Ende Februar hat die Italienischlehrerin am Gymnasium Münchenstein BL noch mit Spannung die Neuanmeldungen für das kommende Schuljahr erwartet. Dann die Enttäuschung: Gerade mal acht Schüler haben sich für das Schwerpunktfach Italienisch interessiert. «Damit können wir knapp eine halbe Klasse füllen – vor zehn Jahren waren es noch zwei Parallelklassen», sagt Hänggi.

An den sechs Gymnasien des Kantons Aargau ein ähnliches Bild: Derzeit belegen insgesamt 41 Schüler der dritten und vierten Klassen das Schwerpunktfach Italienisch. Vor vier Jahren waren es noch 54 Jugendliche. Und auch an der Kantonsschule Olten SO zeigt ein Blick in die Zukunft, dass 2013 nur gerade 9 Schüler die Matura mit Schwerpunkt Italienisch abschliessen werden – 2006 waren es noch deren 17.

Spanisch im Vorteil

Für Donato Sperduto, Präsident des Verbands Schweizerischer Italienischlehrer, gibt es verschiedene Gründe, warum Italienisch nicht mehr gefragt ist: «An Kantonsschulen, die Spanisch als Schwerpunktfach anbieten, wird diese Sprache klar bevorzugt.» Gerade diejenigen, die ein Austauschjahr anstreben, hätten dadurch eine grössere Auswahl. Spanisch habe aber auch noch einen weiteren Vorteil: Während die Schüler Italienisch nach den obligatorischen neun Schuljahren nur wählen können, wenn sie das Fach bereits im 8. und i9. Schuljahr belegt haben, beginnt Spanisch erst im Gymnasium. «Vielleicht würde es helfen, wenn der Italienischunterricht auch erst im Gymnasium startet», schlägt Hänggi vor. Sperduto fordert zudem, die Anzahl nötiger Schüler für eine Italienischklasse zu vereinheitlichen und nach unten zu korrigieren. «Es kann nicht sein, dass es im einen Kanton acht Schüler für eine Klasse braucht und im anderen reichen sechs.»

Momentan bleibt den Italienischlehrern aber nicht viel anderes übrig, als in den Sekundarschulen für ihr Fach zu werben. Wie im Kanton Bern, wo die Lehrkräfte laut «Berner Zeitung» mit einer selbst produzierten DVD die Schüler animieren wollen.

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