Grosse Bands haben immer Haupt- und Nebendarsteller. Für Letztere bleiben nach dem Ableben ihrer Band grundsätzlich drei Möglichkeiten: So tun, als hätte es die Vergangenheit nie gegeben, sich als Cover-Band im Auffrischen der Erinnerung zu spezialisieren oder eigene Pläne zu verfolgen, die in interessanter Beziehung zur Vergangenheit stehen. Den letzten Weg hat David Knopfler gewählt, der mit seiner Band im «soundDock 14» in Dietikon zu Gast war.

David Knopfler war einst neben seinem Bruder und Bandleader Mark Knopfler Rhythmusgitarrist der Dire Straits, mit denen er es Ende der Siebzigerjahre zu Weltruhm brachte, die er jedoch nach zwei Alben verliess. Mark war Sänger, Songwriter und bekannt für sein Gitarrenspiel. Und David war, wie viele Rhythmusgitarristen, im Hintergrund für den tragenden Grove der Band verantwortlich.

Keine Abgrenzung

Knopflers Set auf seiner erst zweiten Tour überhaupt ist so auch keinesfalls eine Abgrenzung zur Vergangenheit. Unter die ganz neuen Songs seiner eigenen Platten – David nahm seit den Dire Straits kontinuierlich neues Material auf – mischen sich Songs von Mark, wie etwa «Wild West End», ein Song des ersten Dire Straits-Albums, und eigene Songs von früher. Denn obwohl diese es meist nicht auf die Aufnahmen schafften, schrieb auch David Songs für die Dire Straits.

Der Song «Whats the Matter Baby» hat es immerhin auf ein Livealbum geschafft. Immer wieder spielt David Knopfler auf seine musikalische Vergangenheit und auf seinen Bruder an und schlägt dabei einen ironischen Tonfall an. «Der nächste Song stammt von einem obskuren Songschreiber», kündigt er etwa ein Stück seines Bruders an, «wie hiess er schon wieder... ich glaube, Mark... irgendwie.»

Meist tritt Knopfler im akustischen Duo mit seinem langjährigen Begleiter, dem Gitarristen Harry Bogdanovs, auf, dessen Spiel an diesem Abend teilweise stark an den Klang von Marks Gitarre erinnert. Ergänzt wird die stets sicher begleitende Band vom erfahrenen Martin Ditcham am Schlagzeug und Pete Shaw am Bass.

Tolle Begleitmusiker

«David konnte eine tolle Band für seine Tour engagieren», meint Dirk Ballarin, der mit einem Techniker zusammen die Crew bildet, die Knopfler und seine Band um die ganze Welt begleitet. «Die Dire Straits haben insgesamt 120 Millionen Alben verkauft, das vergisst man oft. Die waren eine grosse Nummer», sagt der junge Tourassistent. «Am meisten waren es, als wir kürzlich eine Halle in Deutschland mit 700 Leuten füllten.»

Das «soundDock» ist an diesem Abend nicht sehr voll, doch es scheint Knopflers Konzerten gutzutun, wenn sie möglichst weit von der Stadionrock-Atmosphäre entfernt stattfinden. Knopfler geht nämlich auf sympathische Weise locker mit seinem Auftritt um. Bricht mal einen Song ab, weil ihn ein Geräusch stört, scherzt und spricht mit dem Publikum und lässt sich jede Menge Zeit, seine Kabel zu ordnen.