Meiereien: Guggenmusik zum 11.11.
Guggenmusik zum 11.11.

Die tägliche Portion Meiereien in der Aargauer Zeitung.

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POLDERHORN KAM direkt zur Sache. «Ich nehme an, Sie schreiben wieder einmal über den 11. 11. Machen sich lustig über den Ihrer Meinung nach unsinnigen Brauch der Fasnachtseröffnung. Der Redaktor errötete innerlich. Denn genau das hatte er im Sinne. Aber er liess sich nichts anmerken. «Ist doch alles vorhersehbar», sagte Polderhorn, «Sie werden einmal mehr über den teutonischen Import spotten über die vielen Guggenmusiken herziehen. Und das ist diskriminierend.» «Wie bitte», fragte der Redaktor, «was ist diskriminierend?» «Guggenmusiker sind eine Randgruppe in unserer Gesellschaft. Deshalb machen sie so lautstark auf sich aufmerksam. Sonst würde man sie gar nicht wahrnehmen. Dabei sind das Menschen wie Sie und ich. Ihre Musik ist vielleicht nicht so perfekt, wie sich das der Herr Redaktor von seinem Soundsystem her gewohnt ist; aber Guggenmusik ist authentisch. Und Ausdrucksmittel einer ausgegrenzten Minderheit. Seifesüüder, Näbelhacker, Samba-Hase, Träne-Furzer, Strosse-Füdeler, Sumpferstilzli - allein schon die Namen der Guggen sind ein Ohrenschmaus, zeugen aber auch von Randständigkeit. Und Sie - Sie machen sich einfach nur lustig, triefen geradezu vor Geringschätzung.» «Sie machen mir nichts vor», sagte Polderhorn, der sich gehörig ins Feuer geredet hatte, «Sie haben doch ein persönliches Problem mit den Guggen. Vielleicht wollten Sie als Kind da auch mal mitmachen, haben sich aber nie getraut oder durften nicht oder waren einfach zu wenig gut.» Der Redaktor schwieg.

«WISSEN SIE WAS», sagte Polderhorn, «ich habe noch eine alte Trompete zu Hause. Ich schenke sie Ihnen.»

joerg.meier@azag.ch

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