Hansruedi Bobst

«Gschpüre wieder echly Fahrtwind»

Zum 17. Mal hat die Schweizer Paraplegiker-Stiftung eine Person im Rollstuhl ausgezeichnet, die ihr Schicksal vorbildlich meistert. Der Titel ging an Hansruedi Bobst aus Aedermannsdorf.

Alois Winiger

«Da kommt wohl noch etwas auf mich zu. Ich bin Rummel um mich nicht gewohnt», meinte Hansruedi Bobst am Telefon. Aber er freue sich natürlich sehr über die Auszeichnung. Besonders deshalb, weil er damit eine Anerkennung bekomme für seine Arbeit, die er für den Behindertensport vorwiegend im Hintergrund leiste. Dabei habe er früher praktisch keine Verbindung zum Sport gehabt, ausser beim Skifahren. Es war die Behinderung, die ihn zum Sport brachte.

Im Dorf spät bekannt geworden

Der heute 46-jährige Hansruedi Bobst ist 1986 mit einem Motorrad verunfallt und seither querschnittgelähmt. In der Physiotherapie wurde ihm empfohlen, Sport zu treiben. «Ich fing an, Basketball zu spielen, merkte aber bald einmal, dass mir Mannschaftssport nicht liegt.» So kam er auf den Rollstuhlsport und zum Rollstuhlclub Solothurn, bei dem übrigens auch Olympiasieger Heinz Frei Mitglied ist. Bald folgten erste Meisterschaftsrennen, dann Halb- und schliesslich Marathonläufe, bzw. -fahrten. Parallel dazu kam das Engagement im Hintergrund in vielen Bereichen des Behindertsensports. Heute ist Bobst Sportchef beim Solothurner Rollstuhlclub. «Jemand von dort wird mich wohl für die Nominierung gemeldet haben», vermutet Bobst. Eine Jury der Schweizer Paraplegiker Stiftung prüft die Vorschläge. Nominiert werden Personen, die seit mindestens drei Jahren aufgrund einer Querschnittlähmung auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Jene Frau und jener Mann erhalten dann den Titel, die aus der Bevölkerung am meisten Stimmen erhalten. Die geehrte Frau heisst Corinne Morel, ist 44 Jahre alt und lebt in Vétroz VS.

In Bobsts Wohnort Aedermannsdorf ist die Sache relativ kurzfristig bekannt geworden, wie Verena Meister, zuständig im Gemeinderat für das Ressort Bildung und Kultur, berichtet. «Aber dann ging es schnell, wir haben so viele Leute wie möglich ermuntert, für Hansruedi abzustimmen.» Die Gemeinde werde auf jeden Fall noch etwas organisieren, bei dem sich die Auszeichnung feiern lässt, versichert Verena Meister.

Da wäre noch ein Wunsch

Hansruedi Bobst fühlt sich durch die Ehre bestärkt in seinem Engagement und ist hoch motiviert, weiterzumachen, wir er sagt. Eine grosse Hilfe sei ihm sein direktes Umfeld. Gemeinsam mit der Familie seines Bruders lebt er auf dem elterlichen Bauernhof. Glücklich sei er auch mit seiner Halbtagsstelle als Einkäufer. Wieder erwacht ist seine seinerzeitige Leidenschaft zum Motorradfahren. Zwar nicht auf zwei, aber auf den vier Rädern eines Quads zieht er gerne einige Runden. «De gschpüri wieder echly Fahrtwind um d Ohre.» In den kommenden Tagen steht für ein Fotoshooting bei der Suva in Sachen Unfallverhütung zur Verfügung.

Einen besonderen Wunsch verriet der Laudator bei der Übergabe der Auszeichnung im Paraplegiker-Zentrum in Nottwil: «Hansruedi wäre nicht abgeneigt, sein Single-Dasein zu beenden und eine eigene Familie zu gründen.»

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