Grüne: ein Plakat für zwei Abstimmungen

Offensichtlich angeregt von der intensiven Debatte über das SVP-Minarett-Plakat versuchen die Grünen Aargau etwas Neues: Mit einem Minarett und einer Rakete auf einem Plakat zwei Botschaften zu vermitteln.

Merken
Drucken
Teilen
Jein.jpg

Jein.jpg

Aargauer Zeitung

Mathias Küng

«Die Minarettverbotsinitiative ist ein Angriff auf den schweizerischen Bundesstaat.» Das schreiben die Grünen Aargau in einer Medienmitteilung. Umgekehrt stärke die Initiative zum Verbot der Kriegsmaterialausfuhr die humanitäre Tradition der Schweiz. Ausgehend von dieser Einschätzung der beiden Initiativen, die am 29. November national zur Abstimmung gelangen, versuchen die Grünen Aargau etwas Neues: Sie vereinigen ihre beiden Überzeugungen provokativ auf dem Plakat «Für unsere Schweiz» (vgl. Bild).

Da prangt links in Weiss ein Minarett. Daneben in Grossschrift «Nein». Und in Kleinstschrift darunter: «zur Minarettverbot-Initiative». Rechts im Bild in schwarz eine Rakete, versehen mit einem kräftigen Ja - und wiederum in Kleinstschrift die Erklärung: «zur Kriegsmaterial-Initiative». Mit diesem Plakat wollen die Grünen «unmissverständliche Stimmempfehlungen» abgeben.

Stöhlker: Ein Maturandengag

Gelingt das? Ist das Plakat unmissverständlich oder eher verwirrend für Passanten, die an einer Plakatwand vorbeieilen und es nur mit einem flüchtigen Blick streifen? Das Urteil von Werbe-Guru Klaus J. Stöhlker ist vernichtend. Seine Kurzqualifikation gegenüber dieser Zeitung: «Das ist ein Maturandengag.» Es sei ein grundfalsches Plakat. Man dürfe nie zwei Themen miteinander verbinden. Stöhlker: «Die ganze Gestaltung ist falsch. Wenn das Plakat aufgehängt wird, dann versteht es niemand. Es wird keine Wirkung haben. Aber es zeigt die Verschlechterung der Schweizer Grafik, die bis vor 30 Jahren Weltspitze war.»

Guemei: Klarer Zusammenhang

Samia Guemei, die neue Öffentlichkeitsverantwortliche der Grünen Aargau, antwortet auf Stöhlkers fundamentale Kritik: «Das Plakat soll in erster Linie eine Abstimmungsempfehlung sein. Die Stimmbürger(innen) sollen über das Nein zu Minaretten stolpern, genauer hinschauen und in unserem Sinn abstimmen, für eine Schweiz, wie wir sie alle wollen.»

Natürlich hängen Rüstungsindustrie und der Islam, wie die SVP ihn darzustellen beliebe, zusammen, sagt Guemei. Und weiter: «Kriegsmaterialexporte an Länder wie Pakistan und Saudiarabien befördern den fundamentalistischen Islam. Wer ihn bekämpfen will, muss den Rüstungsexport verbieten.»

Leuenberger: Gute Erfahrungen

Nationalrat Ueli Leuenberger, Präsident der Grünen Schweiz, kennt das Plakat der Aargauer Sektion bereits. Er findet es interessant. Es löse ja auch schon eine Debatte aus. Um es für eine schweizweite Kampagne einzusetzen, sei es aber wohl etwas spät, sagt er zu dieser Zeitung. Stöhlker entgegnet er, die Grünen hätten schon öfter mehr als ein Thema auf einem Plakat gehabt und gute Erfahrungen gemacht. Leuenberger: «Anders als die SVP haben wir auch nicht genug Geld, um für jede Vorlage ein eigenes Plakat zu gestalten.»