«Grüezi, schöni Frau . . . »

Wer durch die Badstrasse von Baden geht, der kann sich dem Duft der heissen Marroni nicht entziehen. Seit Anfang Oktober steht er nämlich wieder da, der «Marronimaa».

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Maronimaa

Maronimaa

Stadtanzeiger Baden

Melanie Borter

Alle Jahre wieder ist es dieser typische Geruch nach heissen Marroni, der bestätigt: Der Winter hält Einzug. Und wer ab und zu haltmacht, um sich eine kleine oder etwas grössere Tüte voll dieser schmackhaften Herbstfrüchte zu kaufen, blickt in ein bekanntes Gesicht. Bereits seit 41 Jahren nämlich hält Lorenzo Campana in der Badstrasse allwinterlich seine Marroni feil. «Grüezi, schöni Frau», begrüsst er jeweils die weibliche Kundschaft, zumindest jene, die er nicht mit Namen kennt. «Sie glauben es nicht, aber in den über 40 Jahren hatte ich noch nie Ärger», berichtet der redselige Mann mit dem italienischen Akzent. Der Marronimann von Baden lebt mit seiner Frau im Tessin und wohnt nur für die Wintermonate, in denen er die Marroni in Baden verkauft, in einem Zimmer in Zürich. Das sei jeweils von Anfang Oktober bis Ende Februar, erklärt Lorenzo Campana. Seine Frau komme aber nicht mit, fügt er an, «sonst sitzen wir zu sehr aufeinander».

Was tut so ein Marronimann eigentlich in den Sommermonaten, wenn er nicht Marroni verkauft? «Nichts», meint der freundliche Mann neckisch, beugt sich vor und sagt: «dann habe ich Ferien».

Und die hat er sich auch verdient, denn Lorenzo Campana ist bereits 80 Jahre alt. Er sagt von sich selbst, er arbeite nicht streng, er nehme es gemütlich. Von ca. elf Uhr bis fünf Uhr nachmittags stehe er hier, dazu komme das Auf- und Abbauen, das auch noch seine Zeit in Anspruch nehme. Den Hinweis, dass er damit wesentlich mehr arbeite, als die meisten Menschen in seinem Alter, lässt er nicht gelten.

«Das Verkaufen der heissen Marroni bereitet mir einfach Freude. Alles, was ich im Leben tue, bereitet mir Freude, das ist doch das Wichtigste», erklärt der erfahrene Mann. So ist es auch nicht erstaunlich, dass er keine Auskunft geben kann, ob die Geschäfte dieses Jahr besonders gut oder besonders schlecht laufen. «Mir geht es nicht ums Geschäft. Ich habe nie geschaut, wie viel ich am Ende einer Verkaufssaison verdient habe», sagt der Marronimann und zuckt mit den Schultern.

So steht also der freundliche Mann im blauen Anzug auch diesen Winter wieder jeden Tag in der Badstrasse, verbreitet Marronigeruch, spricht mit den Kunden und den Passanten und verkauft die braunen Leckereien in Papiertüten.

Vielleicht lässt er mal einen Tag aus, wenn es Katzen hagelt: «Ich will mir ja nicht den Tod holen». Aber dann wird er bestimmt am nächsten Tag wieder dastehen und seine Kunden mit altbekannter Freundlichkeit und längst bekannten Sprüchen bedienen. Und noch so manches Mal hört man ein «So Maestro, danke vielmol», wenn er einen Kunden verabschiedet.