Muttenz

Grüne stöbern nach Giftmüll

Eng In der Hard kommt vieles zusammen: Chemische Industrie, der Rheinhafen, der Güterbahnhof und die Wasserfassung. (Hardwald / zvg)

Müll

Eng In der Hard kommt vieles zusammen: Chemische Industrie, der Rheinhafen, der Güterbahnhof und die Wasserfassung. (Hardwald / zvg)

Die Grünen Baselland erfahren an ihrer Mitgliederversammlung aus erster Hand pikante Details zum Trinkwasser aus der Hard.

Julia Gohl

Weit über 30 Grad Celsius zeigt das Thermometer, als sich die Grünen Baselland an ihrer Mitgliederversammlung zur Führung «Auf den Spuren der chemischen Altlasten und der Trinkwassergewinnung in Muttenz» aufmachen. Martin Forter, der Geograph und Spezialist in Sachen Altlasten, führt die Gruppe. Das Ziel der Exkursion ist es, auch ein Gespür für die geografischen Bedingungen des umstrittenen Trinkwassers aus der Hard zu bekommen. So weist Forter auf den kritischen Platz hin, an dem das Trinkwasser gewonnen wird. Die Autobahn, der Güterbahnhof, die Chemiemülldeponien oder auch der Rhein seien alle in unmittelbarer Nähe.

Schon zu Beginn der Grundwasserförderung in der Hard habe es Beschwerden gegeben, das Wasser würde stinken, berichtet Forter. Daraufhin sei es analysiert worden und schon damals habe man festgestellt, dass es belastet sei. «Der Kanton und die chemische Industrie haben von Anfang an gewusst, dass es Probleme mit dem Grundwasser gibt», erklärt Forter. Es gäbe Dokumente von früher, die dies beweisen sollen. Unternommen worden sei aber nichts. Dabei soll nicht zuletzt der finanzielle Aspekt eine Rolle gespielt haben. «Der Kanton hat Millionen in die Trinkwasserförderungsinfrastruktur in der Hard investiert.»

Martin Forter führt die Grünen auch ins Muttenzer Industriegebiet Hofacker. Dieses stehe auf der ehemaligen Chemiemülldeponie Feldreben. Wie stark das Wasser in der Hard mit dem Wasser bei der Deponie Feldreben zusammenhängt, erklärt Forter anhand eines Beispiels: «Wenn die Hardwasser AG ihre Pumpen für eine Wartung oder ähnliches abstellt, sinkt der Grundwasserspiegel bei den Feldreben um rund vier Meter.» Die Exkursionsteilnehmer zeigen sich ob dieser Information entsetzt. Sie stellen so manche Frage, unter anderem auch über das Verhalten der Hardwasser AG und wieso diese die Deponiesanierungen nicht auch fordere.

Die Verwunderung nimmt weiter zu, als Martin Forter erläutert, dass die Verschmutzung des Hardwassers im Industriegebiet an der Hofackerstrasse in Muttenz bereits Ende der 50er Jahre sichtbar geworden sei, als ein dort ansässiges Unternehmen, das Grundwasser anzapfen wollte, um die betriebseigenen Maschinen zu kühlen. Aus dem Boden sei damals stinkendes, oranges und phenolhaltiges Wasser gepumpt worden. Für den Kanton sei dies damals trotzdem kein Grund gewesen, das Wasser zu untersuchen.

Seit langem schon setzten sich Martin Forter und die Grünen Baselland für einen besseren Schutz des Trinkwassers ein und wünschen sich eine Totalsanierung der Chemiemülldeponien. Zurzeit gibt es zwei Initiativen der Partei zu diesem Thema. In diesen wird die Totalsanierung der drei Deponien Feldreben, Margelacker und Rothausstrasse in Muttenz gefordert.

Bezahlt soll dies von den Verursachern werden. Genauso sollen diese auch die Kosten für die Untersuchung und Aufbereitung des Trinkwassers übernehmen. In der Zwischenzeit soll das Wasser nun vorerst mit einem Aktivkohlefilter gereinigt werden (bz berichtete), was von diversen Organisationen schon seit längerem gefordert wird. Für Forter ist aber klar: ein Aktivkohlefilter reicht bei weitem nicht aus.

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