Hans Lüthi

Bis zuletzt hofften nach über zwei Jahren Arbeit die Initianten der Trägerschaft Dreiklang.ch auf den Entscheid aus Bern. «Dr Schuss isch duss», stand in der Einladung, aber die Parkväter wussten noch nicht, ob er nach hinten losgehen würde.

Entsprechend gross die Erleichterung: «Das ist ein Freudentag für den Aargau und den ländlichen Raum», sagt Dreiklang-Präsident Geri Hirt zu den Mitkämpfern und Gästen. Der Park ist «die grüne Lunge für die Menschen», jene aus den Grossstädten Basel, Zürich und den davor wuchernden Agglomerationen.

Nachhaltige Entwicklung als Ziel

Der Name Naturpark führt vielfach zur falschen Ansicht, man wolle die Dörfer konservieren und alles belassen, wie es ist. Die abgeschiedenen Regionen wollen mit der Hilfe von Bund und Kanton das Gegenteil erreichen: Sie wollen nicht aussterben, sondern abseits der Speckgürtel überleben.

Umweltverträglich produzieren und wachsen, um die Jura-Landschaft zu erhalten. Während im Aargau die Bevölkerung um 10 000 und in der Schweiz um über 100 000 Einwohner wuchs, drohen vielerorts Stagnation und Abwanderung.

Am Anfang einer grossen Arbeit

Das Label Naturpark kriegt man nicht geschenkt: «Wir sind drei Tage im Feld intensiv geprüft worden», versichert Richard Maurer, Chef der aargauischen Abteilung Landschaft und Gewässer. Der Park hat ihm einen Kratten Zusatzarbeit beschert. Die Bafu-Prüfer sind streng, der Bund verlangt die Federführung durch den Kanton.

Im Aargau steht die Regierung zu ihrem Jurapark und hat dies oft mit Unterstützung dokumentiert. «Aber wir stehen erst am Beginn der Einrichtungsphase», erklärt Maurer: Während dreier Jahre wird nun in intensiver Arbeit eine Programmvereinbarung geschaffen. Diese Charta bildet die Grundlage für den Parkvertrag, über den sämtliche Gemeinden vor dem Start abstimmen müssen.

«Nun folgen anspruchsvolle Schritte, wir wollen die Teilprojekte intensiv weiterführen, teilweise auch neue starten», betont Dreiklang-Geschäftsführer Daniel Schaffner. «Erhöhung der Wertschöpfung» ist einer der zentralen Begriffe, indem man den Bauern helfen will, ihre Rohstoffe selber zu veredeln und die Direktvermarktung professioneller zu machen.

Naturnahen Tourismus fördern

Für alle vier Bereiche - Gewerbe, Natur und Landschaft, Umweltbildung und Projektmanagement - verlangt der Bund Teilprojekte. Geplant oder gestartet haben die Dreiklänger naturnahen Tourismus, Landschaftsmedizin mit Prävention und Rehabilitation, erneuerbare Energien, Wertschöpfungsketten mit Regionalprodukten, Zukunftsberatung Landwirtschaft, Umweltbildung, Artenförderung, Vernetzung naturnaher Lebensräume sowie Prüfung des Labels Geopark. Der regionale Naturpark zeichne sich durch intakte Landschaften und Ortsbilder aus. Die Landschaft sei das Kapital, der Zins falle als zusätzliche Wertschöpfung daraus an.

Ein Atommüll-Endlager würde zum Park wie die Faust aufs Auge passen, davon wären diverse Gemeinden betroffen. «Die Meinungsbildung ist noch im Gang, aber ein Naturpark mit Endlager wäre sehr schwierig zu kommunizieren», antwortet Daniel Schaffner auf eine Medienfrage zu den Plänen der Nagra.