Irena Jurinak

Das bisherige Engagement der Bauern genüge nicht, um die Grund- und Trinkwasser-Schutzziele zu erreichen, meldet die Nitrat-Arbeitsgruppe des unteren Bünztals. «Die Grundwasseruntersuchungen zeigen, dass die Nitratbelastung weiterhin auf zu hohem Niveau verharrt.» Anfang September informierten die Gemeinden deshalb alle Landwirte im Nitratperimeter - festgelegtes Gebiet, aus dem das Grundwasser gespeist wird - und den so genannten Zuströmbereichen rund um die Grundwasserfassungen in Ammerswil, Dintikon, Dottikon, Hendschiken, Othmarsingen und Villmergen.

«Ernüchtert» habe man zur Kenntnis genommen, dass die bisherigen Massnahmen nicht genügten. «Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, dass wir kein Wasser mehr in unser Versorgungsnetz einspeisen könnten», sagt Heinz Seelhofer, Präsident der Arbeitsgruppe und Gemeinderat in Hendschiken. Zwischen 2006 und 2008 durfte das Wasser der Grundwasserfassung Grundacher in Hendschiken auf Weisung des kantonalen Amtes für Verbraucherschutz wegen Nitratwerten über dem Toleranzwert (siehe Update) nicht eingespeist werden. «Das war die Antwort darauf, dass auf Bundesebene der Bodenschutzindex im Herbst 2004 gelockert wurde», sagt Seelhofer. Der Bund lockerte damals die Bodenschutz-Anforderungen für den Bezug von Direktzahlungen.

Bauern zum Mitmachen bewegen

Die Gemeinden im Bünztal haben nun beschlossen, die Entschädigungen für Landwirte, die ihr Ackerbauland im Winter nicht brachliegen lassen, anzupassen. Begrünen Landwirte ihre Felder im Winter, kann über die Wurzeln Nitrat in der Pflanze gebunden werden. Dieses gelangt dadurch nicht ins Trinkwasser. Pro begrünte Hektare Ackerland im Nitratperimeter erhalten die Landwirte eine Entschädigung.

André Zobrist, Biobauer aus Hendschiken, begrünt sein Ackerland so oder so. «Felder brachliegen zu lassen, ist schlecht für den Boden.» Weil er seine begrünten Felder jedoch als Futter für seine Tiere verwertet, erhält er keine Entschädigung. «Wenn Landwirte ihre Felder bepflanzen und als Futter nutzen, können wir dafür keine Gelder bezahlen», erklärt Seelhofer. «Die Idee der Entschädigungszahlungen ist, einen Anreiz zu schaffen für diejenigen Landwirte, die sonst nicht begrünen würden.»

Bio-Landwirt Zobrist sieht das Problem bei der Nitratbelastung durch zunehmende Bodenschäden noch in einem anderen Bereich. «Landwirte bearbeiten ihr Land mit zu schweren Maschinen und praktizieren schädliche Anbausysteme.» Dagegen tue der Kanton nichts. Hinzu komme der Landabtausch zwischen Landwirten. Stellt ein Bauer einem anderen gegen Entgelt sein geerntetes Getreidefeld für den Gemüseanbau zur Verfügung, beansprucht das den Boden zu stark.

Heinz Seelhofer fügt hinzu, dass gerade der Gemüseanbau eines der Hauptprobleme sei. «Der Boden muss häufig gepflügt werden, zudem bindet beispielsweise der Salatanbau Nitrat nur schlecht.» Landwirte seien allerdings nicht die alleinigen Verursacher der Nitratbelastung. «Man weiss, dass durch die vom Verkehr verursachte Schadstoffbelastung der Luft Nitrat in die Böden gelangt.»

Ziel bisher nicht erreicht

In den letzten beiden Wintern wurden im unteren Bünztal rund zehn Hektaren begrünt. Diese Fläche sei «eindeutig zu gering», so die Arbeitsgruppe. Ziel der Gemeinden ist, zehn Prozent der rund 420 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche im Nitratperimeter zu begrünen. «Wir haben also erst einen Viertel unseres Zieles erreicht», sagt Seelhofer.

Laut Christoph Ziltener, am landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg für den Ressourcenschutz zuständig, ist die Beteiligung der Landwirte im unteren Bünztal verhältnismässig gering. Allerdings seien aufgrund der trockenen Monate August und September die Nitratwerte zurzeit stabil.

Die Arbeitsgruppe hofft, dass die Teilnahme am Schutzprojekt gesteigert werden könne. «Die Landwirte verdienen nichts an begrünten Feldern, die Entschädigung deckt nur den Aufwand. Da muss einer schon Interesse am Bodenschutz haben, dass er mitmacht», so Seelhofer.

Neu erhalten Landwirte pro Hektare innerhalb der Zuströmbereiche der Grundwasserfassungen 500 statt 400 Franken. Ausserhalb der Zuströmbereiche, aber innerhalb des Nitratperimeters gibt es 200 statt 400 Franken pro Hektare. Die bisherige Bedingung, dass nur Beiträge erhält, wer in den Zuströmbereichen keine Brachflächen über die Wintermonate stehen lässt, gilt nicht mehr.

«Tut sich in den nächsten zwei Jahren nichts, bleibt den Gemeinden nur der schwierige Gang, gesetzgeberische Massnahmen zu erlassen, gestützt auf den Gewässerschutz, das Umwelt- oder Lebensmittelrecht», so Seelhofer. Man hoffe jedoch, dass sich auf Bundesebene im Bodenschutz etwas tue.