Nora Bader

In einem rund vier Meter tiefen Graben war der 68-jährige Bauarbeiter am 5. Juni des letzten Jahres mit der Schaufel am Werk und gab seinem Arbeitskollegen, der den Bagger oben an der Grube bediente, Anweisungen. Es ging darum, das letzte Kanalisationsrohr für die Erschliessung eines Einfamilienhauses zu verlegen. Kurz vor halb neun Uhr morgens stürzte ein Teil der Grabenwand ein und riss dabei abgelagertes Hubmaterial mit sich.

Der im Graben hantierende Bauarbeiter wurde von rund sechs Tonnen Material eingeschlossen. Jede Hilfe kam zu spät: Er wurde an die linke Grabenwand gedrückt und bis zu den Knien verschüttet, was zu einem stumpfen Rumpftrauma sowie zu inneren schweren Organverletzungen wie unter anderem Herz- und Lungenriss führte. Der Bauarbeiter aus dem aargauischen Murgenthal verstarb auf der Unfallstelle.

Suva-Vorschriften missachtet

Der Inhaber der seit 28 Jahren bestehenden und in der Region verankerten kleineren Baufirma wurde der fahrlässigen Tötung angeklagt, weil er den Graben zu wenig sichern liess. Der Anwalt des Beschuldigten plädierte auf Freispruch, «weil der Verstorbene selber die Lage als sicher einschätzte und die seinerzeitige Leitung der Grube innehatte». Der Verstorbene habe mit dem Baggerführer gemeinsam noch am selben Morgen die Lage unter die Lupe genommen.

«Ich machte den Bauarbeiter auf einen Riss in der Wand aufmerksam. Er meinte, wenn die Grube über Nacht gehalten habe, werde sie auch weiterhin halten», so der Baggerführer vor Gericht. Der Bauunternehmer ist nach eigenen Angaben die meiste Zeit nicht direkt vor Ort gewesen. Auch der Bauleiter und Architekt der betreffenden Baustelle war als Zeuge vor Ort. «Ich habe das Ganze zu Papier gebracht. Die Umsetzung habe ich dem Bauunternehmer überlassen», sagte der.

Von Vorschriften der Suva wollten alle Vorgeladenen schon mal gehört haben oder wussten sogar recht gut Bescheid darüber. Gemäss diesen Vorschriften sollte ein Graben der fraglichen Tiefe ein Verhältnis von zwei zu eins (Senkrechte zu Waagrechte) aufweisen. Der Graben in Fulenbach wies aber ein Verhältnis von fünf zu eins auf - und dies gemäss dem Amt für Wirtschaft bei «bestenfalls mässig verfestigtem Bodenmaterial».

Urteil nach 20-minütiger Beratung

Die Staatsanwaltschaft forderte, den Beschuldigten wegen fahrlässiger Tötung zu verurteilen - weil er als Inhaber der Baufirma die Verantwortung trug - und mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 150 Franken bedingt auf eine Probezeit von zwei Jahren sowie einer Busse von 2500 Franken zu belegen.

Amtsgerichtspräsidentin Barbara Hunkeler sprach den Beschuldigten nach 20-minütiger Beratung der fahrlässigen Tötung schuldig. Ebenso muss er für die Gerichtsgebühren von 800 Franken und Auslagen von 4350 Franken aufkommen. Seine Geldstrafe beträgt 60 Tagessätze à 180 Franken bedingt auf zwei Jahre.

Das Opfer war nach seiner Pensionierung als selbstständig Tätiger in den Murgenthaler Betrieb gekommen. Er hatte immer gesagt, dass er mal mit einer Schaufel in der Hand sterben werde», so der Sohn des Verstorbenen am Prozess. Und so ist es gekommen.