Kleinbasel
Grossfamilie feierte in trautem Kreis

Am Weihnachtstag wurden im Kleinbasel 300 Mitmenschen bedient und beschenkt.

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Kundi

Kundi

bz Basellandschaftliche Zeitung

Regina Erb

Sie haben die Schattenseiten des Lebens zur Genüge erlebt, aber sie verzweifelten nie, die so genannten Randständigen. Krankheiten, eine ständige Suche nach Arbeit, Ehezwiste, Todesfälle, das alles hat sie geprägt. Aber am 25. Dezember, da waren alleinerziehende Mütter mit ihren Kindern und alle übrigen Erwachsenen unter Gleichgesinnten. Hans Eberhard, die gute Seele der CVJM-Kundenweihnacht, sorgte wie gewohnt für einen reibungslosen Ablauf. «Ich setze mich gerne für diesen Anlass ein, denn er gehört zu Basel wie der Rhein oder das Münster», sagte der ebenfalls durch Schicksalsschläge geprägte Mann. «Sali Hans, grüezi Frau Bechtold, wie goht's Charles, ich fühle mich wohl.» die Dialoge waren kurz, aber herzlich. Und der Posaunenchor des CVJM Riehen spielte feierliche Melodien, ehe die Festgemeinde «O du Fröhliche» sang. Eine einmalige Atmosphäre entstand im Unionssaal, und es rollten Tränen über zerfurchte Gesichter.

Trotz allem durchgeboxt

An einem der liebevoll dekorierten Tische sass Christian. Vor 13 Jahren kam er zum ersten Mal an die «Kundi», wie sie im Volksmund heisst. Schon bald nahm der fröhliche Zeitgenosse, welcher in verschiedenen Handwerksberufen tätig gewesen war, seine Kameraden Harry, Frédéric und Werner zur «Kundi» mit. Das Quartett hat, laut eigener Aussage die Kurve immer wieder gekriegt. Und seit vielen Jahren sind die Vier eine eingeschworene Gemeinschaft, welche gerne an Lottomatches spielt oder in einem Beizli heftig diskutiert.

Wie gewohnt, wurden von den rund 50 freiwilligen Helfern Schinken mit Kartoffelsalat und später Kaffee und Christstollen serviert. «Derart aufmerksam wurde ich noch nie bedient», erklärte Astrid, die mit ihrem Enkel Kevin, welcher auf der Suche nach einer Lehrstelle ist, den Abend in vollen Zügen geniessen konnte.

Licht in einer oft dunklen Welt

Edith Reber-Glaser erzählte die Weihnachtsgeschichte, es war mucksmäuschenstill - und dann wurde kräftig geklatscht. Die Pfarrfrau Barbara Stankowski-Hämmerli sagte: «Ihr alle seid Kinder des himmlischen Schöpfers und könnt das ewige Licht weitertragen.» Gott habe zuerst die Hirten über die Geburt des Heilands informiert, weil sie am Rande der Gesellschaft lebten und wertvolle Menschen seien. Zwischen Armen, Kranken und Reichen dürfe man generell nicht unterscheiden, denn alle hätten dieselben Rechte und Pflichten. Sie schluckten leer, die vom Leben Gezeichneten, manche lächelten jedoch und sangen gemeinsam das altvertraute «Stille Nacht».

Während Jahrzehnten hat Hermine Haegeli in ihrem Sigarelädeli die Spenden für die «Kundi» entgegengenommen. «Heute wird auf das Postcheck-Konto des CVJM einbezahlt. Die Freunde dieses einzigartigen Basler Brauchs lassen die Einsamen nie im Stich», betonte René Fasnacht, ebenfalls seit über 20 Jahren in leitender Funktion tätig. Bei der Übergabe der Geschenkpäckli mit nützlichen Artikeln strahlten 300 Augenpaare. Bis 21 Uhr genossen die «Kunden» die volkstümlichen und Country-Klänge, gespielt von Salvo und Britta. Dann gingen sie nach Hause oder in ihr Stammlokal und tauschten Erinnerungen aus.