Mit dem Referat zu «Peak Oil: Der globale Kampf ums Erdöl» behandelte Ganser ein Thema, das die Weltgemeinschaft schlimmer als die Finanz- und Wirtschaftskrise treffen könnte, wie die Stiftung Uitikon in ihrer Mitteilung von gestern schreibt.

Wer vom «Peak Oil» spreche, verwende einen Fachausdruck aus der Erdölindustrie, der in der Schweiz kaum bekannt sei, und mit «globales Produktionsmaximum von Erdöl» übersetzt werde. Jedes Erdölfeld und auch jedes Erdölland besitze ein Produktionsprofil, das mit «null» beginne, auf ein Fördermaximum (Peak) ansteige, und mit der Zeit wieder ohne Ausnahme auf «null» zurückgehe. Grossbritannien und Norwegen hätten dieses Produktionsmaximum, den Peak Oil, bereits hinter sich. Die Welterdölproduktion sei in den letzten 150 Jahren stets angestiegen, werde aber vermutlich vor dem Jahr 2020 den Peak Oil erreichen und danach wieder auf «null» absinken. Auch nach dem Peak gebe es noch Erdöl, aber von Jahr zu Jahr weniger. Das Erreichen des globalen Peak Oil werde nicht nur den Erdölpreis, sondern die ganze Gesellschaft fundamental verändern.

Historiker Ganser verglich die Situation «Peak Oil» mit dem Matterhorn und seinen steilen Felswänden. Mit Blick auf die letzten 150 Jahre zeige sich, wie markant die Erdölförderung auf der Erde angestiegen sei. Deutlich sei heute aber auch der steile Abfall der weltweiten Erdölförderung, wie er in den nächsten Jahren unausweichlich zu gewärtigen sei.

Jeder verantwortungsbewusste Bergsteiger plane seine Route zum Aufstieg aufs Matterhorn minuziös, so Ganser am Freitagabend im gut besetzten ÜdikerHuus in Uitikon. Er starte deshalb sehr früh am Morgen, sodass er spätestens zur Mittagszeit den Gipfel erreicht und dann noch bei Tageslicht den Abstieg ins Tal zurück schaffe.

Übertragen auf die weltweite Erdölförderung habe sich in den letzten Jahren ein steiler Anstieg ergeben. Noch im Jahr 1945 wurden täglich 6 Millionen Barrel Öl gefördert. Im Jahr 2009 erreichte die Förderung eine Menge von 85 Millionen Barrel. Demnächst ist laut Ganser voraussichtlich der Gipfel erreicht und es folge der Abstieg. Man könne davon ausgehen, dass im Jahr 2030 nur noch 60 Millionen Barrel täglich gefördert werden. Mit dieser Menge jedoch könne der weltweite Erdölbedarf nicht mehr gedeckt werden.

Ganser folgert daraus: Der Erdölpreis werde massiv ansteigen, der Erdölmangel zu steten Konflikten führen. Allein die Schweiz benötige täglich 38 Millionen Liter Öl.

Die grosse Frage sei also: Wie kann die Abhängigkeit vom Erdöl reduziert werden? Genügen erneuerbare Energien, Solar-Energie, Minergiebauten, 2000-Watt-Gesellschaft, Ausbau der Wasserkraft, Geothermie, Wärmepumpen, Windenergie oder Biogas? (jk)