Grösste Event-Halle der Schweiz soll nach Muttenz

Eventzentrum ist aus dem Sack

Eventzentrum ist aus dem Sack

Gestern ging der Bauherr des «Arena»-Projekts auf dem Muttenzer Beton-Christen-Areal an die Öffentlichkeit und stellte sein Projekt offiziell vor. Basel-Stadt ist irritiert über diesen Schritt, Muttenz ist begeistert.

Boris Burkhardt

In direkter Nachbarschaft zum St.-Jakob-Park zwischen Birs und Freidorf Muttenz soll nach Plänen des Immobilienentwicklers Losinger Construction SA mit Sitz im bernischen Köniz ein Veranstaltungszentrum mit Hotels, Wohn- und Bürogebäuden entstehen. Der Kern des Projekts soll aber die Event- und Sporthalle «Arena» sein – mit Platz für 15000 Besucher angeblich die grösste der Schweiz. Als Referenzpunkt ist ein 140-Meter-Turm geplant. Entworfen wurde das Multifunktionszentrum für «Konzerte, Sportereignisse, Ausstellungen, Generalversammlungen und andere Grossspektakel» vom amerikanischen Architekten Chad Oppenheim.

Die Gemeinde Muttenz, auf deren Gebiet das neue Zentrum entstünde, steht dem Projekt aufgeschlossen gegenüber. «Das ist ein sehr gutes Projekt am definitiv richtigen Ort», sagt der zuständige Gemeinderat Thomi Jourdan auf Anfrage der bz. Eine offizielle Verlautbarung der Gemeinde gebe es nicht, betont er jedoch: Bisher handle es sich um ein privates Vorhaben, das gestern nun an die Öffentlichkeit gebracht worden sei. Allerdings stehen Gemeinderat und Investor laut Jourdan seit etwa einem halben Jahr in «proaktivem Austausch».

Beeindruckendes Konzept

Jourdan ist laut eigener Aussage beeindruckt vom Konzept, das die Fragen von Mobilität, Energie, Städtebau und Ökologie zur Zufriedenheit des Gemeinderates beantworte. Ökologie und Energie, so Jourdans Eindruck, seien Architekt Oppenheim besonders wichtig. Das Zentrum würde in seiner jetzigen Planung ausserdem einen «städtebaulich pointierten Akzent» setzen. Über die Wirtschaftlichkeit des Projekts müsse der Investor befinden; das sei nicht primäre Aufgabe des Gemeinderats. Mit der Quartierplanung behalte die Gemeinde Muttenz die Planungshoheit. Der Gemeinderat sei grundsätzlich jedoch gegenüber dem Arena-Projekt «spürbar aufgeschlossen»: «Wir sind sehr froh, dass wir so früh in die Planungen einbezogen wurden.»

Das wurden auch die beiden Kantone Basel-Stadt und Baselland. Adrian Baumgartner, Sprecher der Baselbieter Baudirektion, will nur sagen, dass der Kanton die Baupläne «in diesem Stadium wertfrei zur Kenntnis genommen hat». Basels Regierungsrat Christoph Eymann, Chef des Erziehungsdepartments als möglicher späterer Nutzer der Kultur- und Sportveranstaltungen in der «Arena», ist hingegen etwas irritiert, dass die Firma Losinger gestern überraschend an die Öffentlichkeit ging. «Die Regierungen beider Basel wurden zuvor vom Investor zu strengster Vertraulichkeit gedrängt», sagt er gegenüber der bz. Der Basler Regierungsrat wisse «seit ein paar Monaten» von dem Projekt und habe dessen Vorstellung «positiv entgegengenommen». Bis jetzt liege aber kein offizieller Antrag vor: «Das ist eine etwas seltsame Art der Zusammenarbeit.»

Kantonaler Zustupf?

Der Investor Losinger veröffentlichte die Pläne des Investors gestern ohne Kenntnis des Erziehungsdepartements. Von der dort genannten Zahl von 130 Millionen Franken, die Losinger Construction laut «Basler Zeitung» als Zustupf der beiden Kantone kalkuliert hat, distanziert sich Eymann. Er wisse nicht, ob diese Subvention à fonds perdu angedacht sei oder als Darlehen. Einen zinslosen Zuschuss mit Steuergeldern müsste sich der Kanton genau überlegen; andererseits bezweifle er bei überschlagenen Darlehenszinsen von 6,5 Millionen Franken, dass das Projekt für den Bauherrn wirtschaftlich wäre.

Der Kanton Basel-Stadt steht vor einer Entscheidung: Die St.Jakobshalle müsste dringend saniert und die Fluchtwege müssten aufgrund neuer Sicherheitsvorschriften verbreitert werden. Die Frage laut Eymann ist nun: Soll viel Geld in die Sanierung der alten Halle gesteckt werden? Oder investiert Basel diesen Betrag lieber in einen Neubau? Die Regierung wolle bald die Grundlagen für einen Entscheid erarbeiten. Denn eines ist für Eymann klar: «Zwei Veranstaltungshallen auf so engem Raum verträgt es nicht.» Der Investor hat aber offenbar noch ganz andere Probleme: Die «Basler Zeitung» schrieb ebenfalls, der Chef von Beton Christen, Rudolf M. Christen, sträube sich noch gegen den Verkauf seines Grundstücks, das rund die Hälfte des geplanten Areals ausmache.

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