Grenchen
Grenchner Dreifachmord: Wer informierte den «Blick»?

Die Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung eingeleitet: Es soll klären, auf welchem Weg InsiderInfos zum Grenchner Dreifachmord wiederholt beim «Blick» zu landen scheinen. Die Polizei will von einem Leck nichts wissen.

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Solothurner Zeitung

Urs Mathys

Auch der vierte Verdächtige im grausamen Grenchner Schenkkreis-Mord hat letzte Woche ein Geständnis abgelegt. Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft hätten demnächst offiziell darüber informieren wollen. Doch einmal mehr war der «Blick» in dieser Sache schneller: Schon vorgestern Montag vermeldete das Boulevardblatt die Neuigkeit - worauf die Strafverfolger mit einer Medienmitteilung hintenher hinken mussten. Wie mehrfach in der Vergangenheit zeigte sich, dass das Zürcher Blatt sehr nahe dran ist am Mordfall Dubey. Möglicherweise zu nahe?

Die Polizei im Fokus

Auch der Staatsanwaltschaft ist jedenfalls aufgefallen, dass aufgrund der «Blick»-Berichterstattung in dieser Sache «nicht auszuschliessen ist, dass gewisse Informationen über das Verfahren unter Verletzung des Amtsgeheimnis an die Öffentlichkeit gelangt sind». Dies bestätigte am Montag Staatsanwaltschafts-Sprecherin Anita Panzer auf Anfrage dieser Zeitung.

Mehr noch: Bereits im Sommer sei deshalb «von Amtes wegen ein Strafverfahren gegen Unbekannt wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses eröffnet» worden. Ausdrücklich weist Panzer darauf hin, dass bei diesem Verfahren «die Staatsanwaltschaft nicht im Fokus der Ermittlungen steht». Womit unausgesprochen auch klar ist, wer dann: Die Kantonspolizei (Kapo), bzw. einer oder mehrere der Korpsangehörigen.

Zwar relativiert die Staatsanwaltschaft-Sprecherin, dass «nie ganz ausgeschlossen werden kann, dass Informationen über ein laufendes Verfahren an die Öffentlichkeit gelangen». Die Wege könnten vielfältig sein, «zum Beispiel über Beschuldigte, ihre Angehörigen, ihr sonstiges Umfeld oder über Anwälte von Verfahrensbeteiligten».

Bestehe indessen - wie jetzt - der Verdacht auf eine Amtsgeheimnisverletzung, dann sei die «Staatsanwaltschaft selbstverständlich gehalten, entsprechende Abklärungen zu treffen». Gemäss Panzer läuft das Strafverfahren noch; der Abschluss sei noch nicht absehbar.

Kantonspolizei kennt kein Leck

Dass der «Blick» gut über Solothurner Kriminalia informiert ist, ist nicht neu. In Sachen Schenkkreis-Mord häuften sich allerdings die (Zu-)Fälle, dass das Blatt Informationen publizieren konnte, die nur Eingeweihten bekannt sein konnten.

Urs Eggenschwiler, Dienstchef Medien der Kapo, sagt dazu auf Anfrage dieser Zeitung: «Es ist weder eine offensichtliche Tatsache, dass bei der Kantonspolizei ein Leck besteht, noch gibt es einen uns bekannten Weg, auf welchem Informationen an unberechtigte Dritte gelangen.»

Eggenschwiler schliesst damit allerdings nicht explizit aus, dass es ein Leck gibt. «Generell wissen wir um die Möglichkeit von Amtsgeheimnisverletzungen, welche wir ernst nehmen.» Da ein Strafverfahren hängig sei «enthalten wir uns in der vorliegenden Sache einer Stellungnahme.»