«Was soll ich machen? Ich habe lange mit mir gerungen. Aber die Finanzen erlauben es nicht mehr, www.grenchen.ch zu betreiben.» Paul-Georg Meister, Geschäftsführer der pgm communications GmbH, Betreiberin des Internetportals, gab gestern bekannt, dass er das Internetportal am Samichlaustag, 6. Dezember abschalten wird. Dieses Datum ist nicht ohne Bedeutung. Genau vor zehn Jahren hatte der Samichlaus seinen Jutesack geöffnet und das Internetportal daraus hervorgezaubert.

«Ich kann das Geld für den Betrieb nicht weiter aufbringen.» Dabei ist es weniger das Portemonnaie, das er für den Betrieb strapazieren muss, als seine Freizeit.

Rund 700 Stunden betrage der jährliche Aufwand, den er und seine Angestellte Sabine Waelti leisten. «Das Internetportal ist ja nicht ein Abfallprodukt. Wir machen eigene Recherchen und stellen Fotos ins Internet.» Deshalb sei www.grenchen.net auch bei vielen Grenchnern und Heimwehgrenchner beliebt. «Ich habe Wochenende für Wochenende geopfert, ohne dass wir einen finanziellen Ertrag erwirtschaften konnten.» Immerhin werde er nun mehr Freizeit haben.

Geplatzte Träume

Ende Jahr soll das Portal mit seinen rund 6000 Beiträgen zur Stadt Grenchen ganz aus dem Netz genommen werden. Das Internetportal existierte zwar bereits vor 1999 als Grenchner Portal, doch vor zehn Jahren begann er, auf dem Portal - zum Teil mehrmals täglich - neue Nachrichten aufzuschalten. «Wir dachten damals, das Portal werde sich mit der Zeit mit Werbung finanzieren lassen.»

In den letzten Jahren sei sehr viel unternommen worden, um mit dem Portal wenigstens die Unkosten zu decken, doch kaum jemand sei zu einem finanziellen Engagement bereit gewesen. Auch die zwischenzeitliche Zusammenarbeit mit der Stadt Grenchen wurde nicht weitergeführt. «Einerseits städtische Informationen und andererseits unabhängige, journalistische Berichte auf der gleichen Internetseite, das hat sich leider nicht bewährt», sagt Paul-Georg Meister dazu.

Keine Entlassungen

Obwohl www.grenchen.net zu Spitzenzeiten von bis zu 4000 Besuchern aufgerufen und gelesen wird, «kann man damit kein Geld verdienen, der Markt ist wohl zu klein», so Meister. Was mit dem Portal weiter passiert, sei im Moment noch unklar.

«Wahrscheinlich werden wir dieses per Ende Jahr ganz vom Netz nehmen.» Auf seinen Mitarbeiterbestand wird das Ende des Portals keinen Einfluss haben, versichert Paul-Georg Meister.

Bedauern über den Verlust

Die Reaktion der Nutzer zeigt sich in den Kommentaren auf der Internetseite. Die meisten sind natürlich enttäuscht. Auch Stadtpräsident Boris Banga bedauert den Rückzug. «Ich habe das Portal manchmal angeklickt und habe die Beiträge, die ich sonst wöchentlich im Stadtanzeiger zu lesen bekomme, schon früher lesen können.» Das Portal habe zudem als Ventil für einige Nutzer gedient. «Ich bedaure alles, was abgebrochen wird, mit Ausnahme der Berliner Mauer.»