Glücklich ohne See und Schloss

Seine Gemeinde habe mehr zu bieten als eine Hauptstrasse mit Möbelhäusern und Garagen, sagt Franz Bitterli. Vom 1.-August-Festplatz geniesse man eine wunderbare Aussicht in den Jura.

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Glücklich ohne See und Schloss

Glücklich ohne See und Schloss

Irena Jurinak

In den Büros standen Schreibmaschinen statt Computer und die Telefone hatten Wählscheiben, als Franz Bitterli vor 22 Jahren als Vizeammann im Gemeinderat Einsitz nahm. «Damals hatte noch niemand ein Handy. Heute ist man immer erreichbar», sagt der heute 57-Jährige.

Das Amt des Gemeindeammanns, das Bitterli 1990 übernahm, sei hektischer geworden, der Aufwand habe zugenommen. «Am Anfang habe ich mir gesagt, als Ammann musst du mindestens 8 Jahre machen. Dann lief dieses oder jenes Projekt und aus 8 wurden 12, 16 und schliesslich 20 Jahre.»

Am Anfang jung und forsch

Schmunzelnd erinnert er sich an die Anfänge. «Ich und Daniel Müller als Gemeindeschreiber fingen beide neu an.» Mit viel Einsatz hätten sie sich hinter die Projekte gestürzt. «Wir waren jung und hatten Ideen.» Einen Schreckschuss mussten die beiden verkraften, als die Gemeindeversammlung 1991 das Budget nicht genehmigte. «Da waren wir wohl zu forsch vorgegangen», sagt Bitterli.

Gleichzeitig mit seinem Einstieg in die Politik baute Franz Bitterli sein Ingenieurbüro für Hoch- und Tiefbau auf. So war es auch naheliegend, dass er im Gemeinderat das Ressort Bauwesen unter sich hatte und ihm die Revision der Bau- und Nutzungsordnung am Herzen lag.

«Ich habe mich gefreut, dass an der letzten von mir geführten Gemeindeversammlung die Umzonung von Gewerbeland reibungslos und ohne Gegenstimmen über die Bühne ging.» Die Gemeindeversammlungen beschreibt Franz Bitterli als Familie, welche die Gemeinde führt. «Es hat Spass gemacht.»

Ein Ammann zum Anfassen

Ein guter Planer und Analytiker sei Franz Bitterli, einer der mit Augenmass und Menschenverstand gewirkt habe, sagt Vizeammann Peter Grusche über ihn. «Er ist ein Mann der Grundsätze. Und ein Gemeindeammann zum Anfassen.»

Die unkomplizierte Art von Franz Bitterli schätzten auch die in Hunzenschwil ansässigen Firmen. Sorgsam pflegte er die Kontakte – viele Geschäftsführer kennen ihn persönlich und riefen ihn an, wenn sie ein Anliegen hatten. «Abwanderungsgelüste haben wir immer eingedämmt», sagt Bitterli. So bietet die Gemeinde immerhin 1600 Arbeitsplätze, und das bei 3200 Einwohnern.

Rund zwei Tage pro Woche war Franz Bitterli für seine Gemeinde – seit 2006 ist Franz Bitterli Ortsbürger – im Einsatz. Die Zeit, die er in seiner Firma fehlte, holte er dann am Wochenende wieder rein.

Deshalb freut er sich vor allem auf freie Wochenenden: «Ich konnte nie einfach so ein Wochenende Ski fahren gehen.» Geniessen werde er es auch, einen richtigen Feierabend zu haben. «Die freie Zeit wird schnell gefüllt sein», ergänzt er und lacht.

Ganz abhanden kommt er den Hunzenschwilern allerdings noch nicht. Mit seiner Firma wird er als Bauverwalter auf Mandatsbasis weiterhin für die Gemeinde tätig sein. Er freut sich, dass er eine lebensfähige Gemeinde weitergeben kann. «Die Gemeinde steht gesund da, hat keine Schulden und wir brauchen keinen Finanzausgleich.»

Weder See noch Schloss

Eigentlich sei Hunzenschwil ein ganz normales Dorf. «Wir haben keinen See, kein Schloss, keinen besonders hohen oder tiefen Punkt. Trotzdem haben wir mehr zu bieten als eine Hauptstrasse mit Möbelhäusern und Garagen.»

Das Naherholungsgebiet im Süden sei sehr wertvoll. «Im Wald kann man nach Schafisheim und sogar bis nach Reinach wandern.» Die Aussicht vom 1.-August-Festplatz auf den Jura hat es ihm angetan. Dort steht auch das Abschiedsgeschenk der Gemeinderatskollegen an Franz Bitterli und erinnert an sein Wirken: ein 4,3 Tonnen schwerer Findling.