Gleicher Lohn für gleiche Leistung

Sabine Kubli

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Sabine Kubli

Die Baselbieter Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann konnte in 20 Jahren viel erreichen. In Punkto Lohngleichheit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf besteht aber noch reichlich Handlungsbedarf.

Alessandra Paone

Die Frauenrechte seien längst erreicht und die Frauenbewegung somit überflüssig, ist oft aus bürgerlichen Kreisen zu hören. Seit zwanzig Jahren muss die Baselbieter Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann ihre Existenz rechtfertigen. «Die Legitimation unserer Aufgabe gehört sozusagen zu unserem Auftrag», sagt Sabine Kubli, Leiterin der Fachstelle.

Umso lieber erinnert sich Kubli an die Volksabstimmung am 1. Juni 2008, als die Baselbieterinnen und Baselbieter sich an der Urne deutlich hinter die Fachstelle stellten und deren Schliessung verhinderten. «Dieser Moment war für mich der Höhepunkt unserer 20-jährigen Geschichte», bringt es die engagierte Gleichstellungsbeauftragte auf den Punkt. Die Baselbieter Fachstelle für Gleichstellung ist durch diese Abstimmung schweizweit die einzige, die vom Volk offiziell akzeptiert und gewählt wurde. Und: Die SVP wurde Lügen gestraft. Denn das klare Abstimmungsresultat wies eindeutig auf die politisch breit abgestützte Akzeptanz einer aktiven Gleichstellungspolitik hin.

Im Vorfeld der Abstimmung wurde die Baselbieter Gleichstellungsarbeit ausführlich durchleuchtet und geprüft. Das sei ein Glücksfall gewesen, meint Kubli. «Wir konnten nachweisen, dass die Ziele der Fachstelle mit jenen der Regierung und dem Gesetzesauftrag übereinstimmen und unser Fachwissen notwendig ist.»

Dass die Fachstelle nicht abgeschafft wurde, war ein sehr wichtiger Meilenstein, aber nicht das einzige Erfolgserlebnis. So sind heute die Opfer von häuslicher Gewalt und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz besser geschützt - vor dem Gesetz und im Alltag. Für die Wirtschaft und Politik ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nun ein Thema. Mit dem Impulsprogramm Familie und Beruf wurden 160 neue Betreuungsplätze geschaffen. Auch sind Frauen im Landrat mit deutlich mehr als einem Drittel vertreten. Und: In der Gleichstellungsrangliste der Kantone hat sich Baselland in den letzten zehn Jahren von Platz 19 auf Platz elf verbessert. Hier ist es das Ziel der Regierung, sich bis 2011 mindestens auf Rang acht hochzuarbeiten.

Die Gleichstellungsarbeit ist noch lange nicht beendet - es gibt noch einiges zu tun. Dessen ist sich Sabine Kubli auch bewusst: «Der Kanton Baselland muss in puncto Vereinbarkeit von Familie und Beruf unbedingt vorwärts machen.» Es habe nicht genügend familienergänzende Tagesstrukturen. Nicht nur allein erziehende Eltern würden in die Stadt ziehen, weil es auf dem Land schlicht zu wenig Betreuungsmöglichkeiten gebe.

Kubli hat diesbezüglich eine an die Wirtschaft und Politik gerichtete Idee: «Warum nicht die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Investitionsprogramm in der Wirtschaftskrise verstehen? Es würde Arbeitsplätze schaffen, die Erwerbs- und Konsummöglichkeiten erweitern und gleichzeitig Bildungsziele wie Sprachförderung und Chancengleichheit voranbringen, und damit nachhaltig wirken.

Wichtig sei auch, dass für Männer die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, findet Kubli. Denn es sei für einen Mann praktisch unmöglich, eine Teilzeitstelle zu finden. «Leider konnte sich die Gesellschaft noch nicht vom Klischee trennen: Ein richtiger Mann arbeitet 100 Prozent», sagt Kubli. Aber: Es liege auch an den Männern, Mut zu fassen und für die Familie zeitweise Lohneinbussen einzugehen sowie allgemein längerfristig Nachteile in Kauf zu nehmen. Der emotionale Gewinn und der Alltagsbezug zu den Kindern seien es wert. Ein weiteres Ziel, das Kubli und ihr Team verfolgen, ist die Lohngleichheit zwischen Frau und Mann. «Das ist eine harzige Geschichte», bemerkt die Fachstellenleiterin. Zwar konnte die Lohndifferenz innerhalb von 20 Jahren von 28 auf 19 Prozent reduziert werden, doch der Unterschied sei immer noch viel zu gross. «Es darf einfach nicht selbstverständlich sein, dass Frauen weniger verdienen als Männer in gleichen Positionen.»

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