Gladiatoren kämpfen in Augusta Raurica

Gladiatoren kämpfen in Augusta Raurica

Gladiatoren kämpfen in Augusta Raurica

Am Wochenende kehren Cäsars Krieger und Gladiatoren ins alte Gemäuer in Augusta Raurica zurück. Im Rahmen eines Römerfestes zeigen Cäsars Nachfahren, wie im alten Rom gekämpft, gefreit und geschlemmt wurde.

Heidi Schwarz

Zwar gelten Archäologen oft als etwas spröd und verstaubt. Doch am Samstag und Sonntag kommen sie aus dem Busch heraus und lassen die Ruinenstadt Augusta Raurica ein weiteres Mal aufleben. Zum 15. Mal werden sie Cäsars Legionäre ums alte Gemäuer ihre Zelte aufschlagen lassen, opfern in der Arena Gladiatoren, die das Volk mit ihren «blutrünstigen» Spielen unterhalten sollen, und offenbaren, welch lukullischen Genüssen die alten Römer frönten. Cäsars Rom wird leibhaftig. Statt graue Theorie zu pauken, wird «Roms neuem Volk» auch am diesjährigen Römerfest fast alles geboten, mit dem die alten Römer einst bei Laune gehalten wurden.

Keine Berührungsängste

Regierungsrat Urs Wüthrich schreibt im Programmheft von römischer Archäologie, die durch Auge, Ohr, Hand und Mund geht. «Die Verantwortlichen vor Ort leisten hier nicht nur eine ausgezeichnete und international hoch angesehene wissenschaftliche Arbeit», hält der Baselbieter Kulturdirektor weiter fest. «Nein, sie verstehen sich auch als Vermittler und ‹Übersetzer› ihrer Erkenntnisse.» Wie kaum sonst wo in Europa hätten Augusta Rauricas Gralshüter gegenüber dem Publikum keine Berührungsängste. «Geduldig und leicht verständlich erklären sie, was sie im Boden gefunden haben und was dies aufgrund von Analysen aussagt.»

Wer je einmal zu Gast an einem Römerfest in Augusta Raurica war, weiss, dass die Organisatoren tatsächlich grossen Wert darauf legen, die zu zeigenden Bilder akribisch genau nachzuzeichnen, damit sie möglichst authentisch wirken und nicht zum nichtssagenden Spektakel ausufern. Da machen auch die Gladiatorenkämpfe nicht die Ausnahme. Wenn am Wochenende Dario Battaglias «Todgeweihte» in die Arena hinuntersteigen und sich im Rund bis auf das «Blut» bekämpfen, dann wird das Tun von Fachleuten kommentiert. Der Ursprung der Kämpfe ist zwar nicht restlos geklärt. Battaglia meinte aber letztes Jahr, dass ihnen eine religiöse Bedeutung im Rahmen von Totenfeiern zukam.

«Römische Superstars»

Eines haben die Römerfeste gemein: Sie sollen in erster Linie Familien mit Kindern ansprechen. Das gebotene Spektrum ist denn auch vielfältig. Es reicht vom Musizieren und Instrumentenbauen über Münzprägen, Modellieren, Färben und Steinhauen bis hin zum Seilern, Werkzeugmachen und Herstellen von Schmuck, Salben und Parfüms. Vertieft werden kann das Erlernen des alten römischen Handwerks in Workshops – von Kindern und Erwachsenen gemeinsam.

Ganz Mutige, und dabei sind auch die Erwachsenen gemeint, können in einem Streitwagen mitfahren oder bei den Legionären die harte Schule des Kämpfens erlernen, wenngleich natürlich auch nur sehr verkürzt. Lang dürfte die Schlange auch vor dem Eingang in die Gladiatorenschule werden, wo sich die Buben und auch Mädchen mit Helm und Schwert ausrüsten lassen, um das Handwerk der «römischen Superstars» zu erlernen.

Spelunken und Spanferkel

Damit sind die Römer mit ihrem Latein aber noch lange nicht am Ende. Wer kämpft, bekommt Hunger, und auch der kann wie im alten Rom gestillt werden. Der Durst übrigens auch. Die alten Römer vergnügten sich nämlich nicht den ganzen Tag im Zuschauerrund und erfreuten sich an den brutalen Kämpfen, sondern waren auch lukullischen Genüssen nicht abgeneigt. In Augusta Raurica gibt es genügend Spelunken, in denen es sich bei Spanferkel, römischen Häppchen, Lamm an Honigsauce und allerlei anderen Köstlichkeiten aus dem Römischen Reich kulinarisch verwöhnen lässt – ganz nach dem Motto «Circenses et panem».

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