Gibt es ein Köpferollen?

Der Gemeindevergleich zeigt: Koppigen hat zu viele Kommissionen

Julian Perrenoud

Zu viele Köche verderben den Brei, heisst es im Küchenjargon. Im Gemeindewesen könnte dies lauten: Zu viele Kommissionen behindern die Politik. Koppigen besitzt gleich zwölf davon. Ein Gemeindevergleich zeigt nun, dass dies mehr sind als andernorts. «Dieses Fazit hatten wir erwartet», sagt Gemeinderatspräsidentin Ursula Kilchenmann (SVP).

«Benchmarking» (Massstäbe setzen) nennt sich das Verfahren, an dem sich Koppigen, Arch, Biglen, Melchnau, Wangen a/A und Wynau beteiligt haben. Dabei wurden interne Prozesse der Gemeinden verglichen. Wie werden diese geführt, wie finanziert? Und vor allem: Wo lassen sich diese Prozesse verbessern? Aus Koppigen füllten zwei Vertreter Fragebögen zur Gemeindestruktur aus.

«Braucht Fingerspitzengefühl»

Einer dieser Vertreter war Gemeindeschreiber Peter Kindler. Er war es auch, der in Koppigen den Gemeindevergleich anstrebte. «Der Vergleich war wichtig», sagt er. «Dadurch lassen sich künftig alte Strukturen aufbrechen und Synergien besser nutzen.» Denn solche Strukturen soll es in Koppigen einige geben. Gegenwärtig läuft die Analyse bei den zwölf Kommissionen. Diese sollen intern abklären, ob es sie noch braucht. Es sei schwierig zu sagen, welche Kommission nicht mehr von Nutzen sei, sagt Kilchenmann: «Bei der Analyse brauchen wir viel Fingerspitzengefühl.» Der Strukturwandel ist denn auch Thema beim Parteienhöck vom 25. Juni.

Seit der letzten Klausur gibt es für Kommissionen drei Klassifizierungen: «Auflösen gut möglich», «Auflösen unmöglich» und «Analyse nötig». Genaueres will Kilchenmann nicht verraten. Bis Ende Jahr erwartet der Gemeinderat von den Kommissionen einen entsprechenden Bericht.

«Theoretisch muss gar keine Kommission gestrichen werden», sagt Kindler. Denn es liege nicht daran, dass diese für die Gemeinderechnung zu

hohe Kosten verursachten: «In einer Kommission verdienen die fünf Mitglieder mit zehn Sitzungen pro Jahr etwa je 400 Franken (total 2000 Franken Anm. Red). Hier zu sparen ist unsinnig.» Entscheidungsabläufe jedoch müsse man beschleunigen, fordert Kindler.

Entscheide selbstständig fällen

Konkret heisst das: schlankere und flexiblere Strukturen. So könnten etwa Kommissionen zusammengeschlossen werden. Ein wichtiger Aspekt für Kindler ist der Verantwortungsbereich einer Kommission: Sie solle mehr Entscheide selbstständig fällen können. Der Gemeindeschreiber wählt bewusst ein überspitztes Beispiel: «Wenn eine Wasserleitung ein Leck hat, muss die zuständige Kommission erst Geld beantragen, um dieses zu flicken. So plätschert das Wasser auch nach zwei Wochen munter weiter. Erhält sie aber eine höhere Entscheidungskompetenz, kann sie blitzartig die notwendigen Finanzen zur Reparatur sprechen.» Es benötigten aber nicht alle Kommissionen eine höhere Kreditkompetenz. Auch seitens des Kantons Bern werden in Koppigen und den übrigen Gemeinden zwei Kommissionen hinterfragt: Die Vormundschaftsbehörde könnte einer Fachkompetenz aus mehreren Gemeinden weichen. Die Rechnungsprüfungskomission einem Treuhandgeschäft. Möglich, dass weitere Komissionen dem Beispiel folgen. Kindler findet das sinnvoll: «Es wird immer schwieriger, die Posten mit guten Leuten zu besetzen.»

Worin Koppigen im Gemeindevergleich aber gut abgeschnitten hat, ist etwa die Kommunikation mit der Bevölkerung: «Wir legen darauf Wert, dass alle auf dem selben Wissensstand sind», sagt Kilchenmann. Mit «alle» meint sie die Einwohner aus Koppigen, Alchenstorf und Willadingen. Auf der Verwaltung in Koppigen werden also erste Synergien genutzt. Ob und wie viele Kommissionen dem «Benchmarking» zum Opfer fallen werden, stellt sich spätestens 2012 heraus. In der neuen Legislaturperiode soll der Strukturwandel abgeschlossen sein.

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