Wels
Gibt es den Riesenwels überhaupt?

Der Tscheche Jakub Vagner will im Rahmen einer Erlebniswoche den im «Bettlärank» entdeckten, auf drei Meter geschätzten Wels fangen. Ein Sturm der Entrüstung war die Folge, spürbar auch an der gestrigen Podiumsdiskssion in Zuchwil.

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Solothurner Zeitung

Hans Peter Schläfli

«Die Absicht ist es, das Gespräch mit allen Seiten zu suchen», sagte Veranstalter und Unterwasserfilmer Markus Flury zu Beginn des Posdiumsgesprächs. Dass dieses an einem sonnigen Sonntagmorgen vor allem Leute anziehen wird, die Sympathien für den aussergewöhnlichen Fisch hegen, war zu erwarten.

Dann begann die Veranstaltung mit einer rund halbstündigen Vorführung von Filmausschnitten, die Flury im Verlauf der letzten 35 Jahre bei seinen Tauchgängen gedreht hatte. Spätestens mit den spektakulären Bildern des auf 220 Zentimeter geschätzten Wels «Abraham» zog Flury das Publikum definitiv auf seine Seite. Man musste «Abraham», der mittlerweile verschwunden und vermutlich tot ist, einfach mögen - obwohl man auch erfuhr, dass der Wels ein gefrässiges Raubtier ist.

Renata Steininger, die mit First-Class-Fishing, einem auf Fischer zugeschnittenen Reiseunternehmen, stand also bei diesem Podiumsgespräch recht einsam da, obwohl sich alle anderen Teilnehmer und auch Moderatorin Denise Bolle um faire Voten bemühten. Denn First-Class-Fishing will eine Erlebniswoche anbieten, in welcher sich der bekannte Sportfischer Jakub Vagner auf die Suche nach dem Riesenwels macht. Und sollte es dem Tschechen tatsächlich gelingen, den auf 3 Meter geschätzten Wels an Land zu ziehen, dann müsste er ihn nach dem neuen Fischereigesetz auch töten. Mit der Absicht zu fischen um den gefangenen Fisch gleich wieder freizulassen, ist in der Schweiz verboten. Auch über den Sinn dieses Gesetzes wurde kurz diskutiert.

Wie das Ungeheuer von Loch Ness

«Es würde mich erstaunen, wenn es diesen Fisch überhaubt geben sollte», zweifelte Patrick Steinmann als Biologe und Präsident der Biologiekommission des Schweizer Unterwasserverbandes SUSV die Existenz des Riesenwels an. «Der grösste, den ich je gemessen habe, mass 220 Zentimeter», ergänzte Markus Flury. «Wir wollen feststellen, ob es in einem kalten Gewässer wie der Aare einen so grossen Wels gibt», sagte auch Renata Steininger. «Sie glaubt absolut nicht daran. «Das ist etwa so wahrscheinlich, wie es das Ungeheuer von Loch Ness gibt.»

Da musste sich Alain Bauermeister, der den Riesenwels entdeckt hat, natürlich verteidigen: «Ich habe mich exakt an die Stelle in der Aare gelegt, wo ich ihn gesehen hatte.» Von der Spitze seiner Flossen bis zu den Ausgestreckten Armen habe er denselben Platz gebraucht. «Das sind etwa 3 Meter», sagte Bauermeister.

Der Entdecker des Riesenwels musste sich Vorwürfe gefallen lassen, dass er der ganzen Rummel mit der Veröffentlichung auf seiner Homepage www.aare-projekt.ch ausgelöst habe. «Ich kenne auch einen 240 Zentimeter langen Fisch, den ich beobachte», sagte Anton Zaugg, Präsident des Kantonalen Fischereiverbandes, «aber ich sage niemandem, wo der ist.» Zaugg forderte alle Taucher auf, in Zukunft «d'Schnörre z'halte». Es gebe in der Schweiz etwa 20 professionelle Guides, die nur auf solche Tipps warten, um ihre Kunden für viel Geld zu den grössten Fischen zu führen.

Alain Bauermeister entgegnete, dass dies nicht seine Absicht gewesen sei. «Plötzlich waren die Medien da und wollten jeden Tag über den Riesenwels berichten.» Damit hatte Bauermeister den Ball zurückgespielt. «Das war Gratiswerbung für 100 000 Franken», schlug Anton Zaugg in die gleiche Kerbe. «Nur wegen den Medien wollen jetzt Fischer aus ganz Europa unseren Wels aus der Aare holen.»

Der als «Witi-Sheriff» bekannte Naturschützer Viktor Stüdeli warf darauf Renata Steininger vor: «Euch geht es nur ums Business.» Die Vertreterin der First-Class-Fishing wollte aber nicht übers Geld reden. Sie habe wegen des Riesenwels nur Auslagen. «Wir wollen zeigen, wie gross der Fisch wirklich ist. Wir ermöglichen es, einen Meister des Fachs wie Jakub Vagner begleiten zu können», entgegnete sie. Was dann Vagner genau im «Bettlärank» machen und ob er den Riesenwels tatsächlich an Land holen will, das wisse sie nicht. Wie viel sie an solchen Erlebniswochen verdient, blieb ein Geheimnis. Viktor Stüdeli bezweifelte darauf den Ruf des Sportfischers Jakub Vagner: «Der beste Fischer ist nicht der, der den grössten Fisch fängt.»

Live übertragen statt fangen

«Wir brauchen keine Fischer um zu dokumentieren, wie gross der Wels wirklich ist», suchte Taucher Markus Flury nach einem konstruktiven Kompromiss. «Wir können Filmen und live nach oben übertragen, wie wir den Wels messen. Dazu müssen wir ihn nicht aus dem Wasser holen und töten.»
Dem Publikum aus dem Herzen sprach dann aber Stüdeli: «Übung abbrechen, ich will gar nicht wissen, wie gross der Wels ist.». Man solle den Fisch endlich in Ruhe lassen. Biologe Patrick Steinmann erklärte dann aber, dass ein paar Taucher für den Wels nicht so schlimm sind. «Wenn man ihn im vernünftigen Rahmen beobachtet, lässt er sich nicht stören.»