Erforscht

Gewaltiges Beben in Japan verschob Erdplatten kilometerweit

Das Tohuku-Beben zerstörte auch zahlreiche Strassen

Das Tohuku-Beben zerstörte auch zahlreiche Strassen

Das Tohoku-Beben von 2011 löste in Japan einen verheerenden Tsunami und den Fukushima-Reaktorunfall aus. Durch das Beben verschoben sich auch die Erdplatten um mehrere Kilometer.

Das Beben vor der Insel Honshu erreichte die Stärke 9, weil an den ineinander verkeilten Plattengrenzen Energien freigesetzt wurden, die sich seit dem letzten starken Beben im Jahre 869 aufgestaut hatten, schrieb die ETH Zürich am Montag in einer Mitteilung.

Unmittelbar danach erkundeten deutsche, japanische und Schweizer Geowissenschaftler mit dem deutschen Forschungsschiff "Sonne" zweimal den Meeresgrund östlich des Epizentrums. Sie kartierten den Kilometer breiten Japan-Graben per Echolot und entnahmen Bohrkerne aus dem Sediment. Von ersten Ergebnissen berichten sie nun im Fachblatt "Geology".

Meeresboden abgesackt

Indem sie diese Daten mit jenen vor dem Tohoku-Beben verglichen, konnten sie sich ein Bild davon machen, wie das Beben den Meeresboden verändert hat. Am Abhang des bis zu 7,5 Kilometer tiefen Japan-Grabens sackten mindestens 28 Quadratkilometer Meeresboden ruckartig in die Tiefe - das entspricht etwa der Fläche des Brienzersees.

"Wir gehen von folgendem Szenario aus: Durch das Beben hat sich die Erdkruste um rund 50 Meter ruckartig versetzt", erklärte Erstautor Michael Strasser, Professor für Sedimentdynamik an der ETH Zürich in der Mitteilung. "Das führte dazu, dass am Rand des Japan-Grabens grossflächig Sedimentpakete als zusammenhängende Blöcke absackten."

Zwei bis drei Kilometer verschoben

An manchen Stellen hätten die absackenden Sedimente den Meeresboden gestaucht und es seien am Grund Wülste und Tröge entstanden. Was die Forscher laut eigenen Angaben jedoch am meisten erstaunte: Durch die Bewegungen der Sedimentmassen verschob sich die oberflächennahe Plattengrenze um zwei bis drei Kilometer nach Osten.

"Wir Geowissenschaftler sind es gewohnt, in sehr langen Zeiträumen von Hunderttausenden oder gar Millionen von Jahren zu denken", sagt Gerold Wefer, damaliger Direktor des Zentrums für Marine Umweltnaturwissenschaften der Universität Bremen. "Diese Expeditionen haben uns gezeigt, dass Plattengrenzen bisweilen auch von plötzlichen Ereignissen in Sekunden oder Minuten tiefgreifend verändert werden können."

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