Katzen

Getrübtes Glück im geliebten Schrebergarten

Rosmarie Spörri engagiert sich für wilde Katzen im Rheinfelder Schrebergartenareal. Damit schafft sie sich nicht nur Freunde (Peter Rombach)

Rosmarie Spörri

Rosmarie Spörri engagiert sich für wilde Katzen im Rheinfelder Schrebergartenareal. Damit schafft sie sich nicht nur Freunde (Peter Rombach)

Verwilderte Katzen sind im Schrebergarten Neuland in Rheinfelden nicht erst seit kurzem ein Thema. Sie wurden lange Jahre mehr oder weniger geduldet, gepflegt und gefüttert. Das hat sich nun massiv geändert. Eine Art Kleinkrieg ist gegen Gartenpächterin Rosmarie Spörri im Gange. Der Familiengartenverein Neuland verbietet ihr das Füttern der Katzen und droht mit der Pachtkündigung.

Susanne Hörth

«Es sind zurzeit vier Katzen, zwei davon sind kastriert», sagt Rosmarie Spörri, auf die Zahl der Katzen im Areal des Familiengartenvereins Neuland angesprochen. Vor drei Jahren hat die Rheinfelderin die Gartenparzelle in der Schrebergartenkolonie Neuland in Rheinfelden übernommen. Damit verbunden der grosse Wunsch, hier ihre Freude an der Natur und der Gartengestaltung ausleben zu dürfen. Die Früchte ihrer Arbeit zeigten sich schon bald und der kleine Garten wurde zu einer blühenden Wohlfühloase für Rosmarie Spörri. Doch das Glück dauerte nur kurze Zeit. Die Gartenidylle wurde gestört durch Feindseligkeiten gegenüber den Katzen durch einige Vereinsmitglieder.

Scheue Gartenbesucher

Zirka ein Jahr nach der Gartenübernahme stellte Rosmarie Spörri fest, dass sich auf dem Areal der Schrebergartenanlage verwilderte Katzen aufhielten. «Regelmässig kamen von der Gartenanlage gegenüber vier kleine Büsi in meinen Garten. Ich begann sie ab und zu mit Katzenmilch zu füttern. Im Winter 2007/2008 errichtete ich ihnen eine Art Unterschlupf in meinem Garten», blickt die Rheinfelderin zurück. An den schmalen Köpfen der Tiere erkannte sie, dass es sich wahrscheinlich um Kätzinnen handelt.

Da sie sicher war, dass die Katzen bereits in der Schrebergartenanlage ebenfalls von verwilderten Katzen zur Welt gebracht worden waren, entschloss sie sich, zu handeln. Denn die unkontrollierte Verbreitung der verwilderten Katzen sollte nicht weitergehen. Und schon gar nicht, nachdem sie von einer schweizweiten Katzenkastrationsaktion vernommen hatte. Die Rheinfelderin nahm Kontakt mit dem Tierschutzverein beider Basel auf.

Gleichzeitig informierte sie auch den Vorstand des Familiengartenvereins Neuland, erklärte, dass sie die Katzen einfangen und sie kastrieren lassen möchte. Vom Vereinspräsidenten bekam sie die Antwort, er hätte nichts dagegen, es dürfe aber nichts kosten. Obwohl die gesamte Einfang- und Kastrationsaktion allen Vereinsmitgliedern zugute kam, erhielt Rosmarie Spörri von dieser Seite her keine Unterstützung.

Auf Katzenfang

Mithilfe des Tierschutzbeauftragten Erich Lauber wurden Katzenfallen gestellt. Gleichentags konnte Rosmarie Spörri sechs Katzen zum Tierarzt bringen. Fünf wurden nach der Kastration wieder in der Rheinfelder Gartenanlage freigelassen, die sechste konnte an einen privaten Platz vermittelt werden. Eine der Katzen fand die engagierte und verantwortungsvolle Rheinfelderin kurz darauf in dem von ihr errichten Winterunterschlupf tot auf. Dieser Unterschlupf wird seither von den anderen Katzen gemieden. Eine weitere Katze wurde später überfahren aufgefunden. Die sehr scheuen und somit auch nicht handzahmen Katzen bekommt Rosmarie Spöri nur gelegentlich zu sehen.

Verbot

Im Februar 2008 begann ein unschönes, bis heute andauerndes Katzen-Schrebergarten-Kapitel. Mittels eines Schreibens wurde Rosmarie Spörri vom Vereinspräsidenten das Füttern der Katzen per sofort untersagt. Schon einige Zeit zuvor hatte man sie mündlich darauf hingewiesen, dass das Futter-Hinstellen verboten sei. Mit einem späteren Brief wurde die Schrebergartenmieterin auch darauf hingewiesen, dass laut Vereinsordnung das Halten von Haustieren verboten sei und dass man ihr den Pachtvertrag für den Garten kündigen könne, falls sie sich nicht an die Vereinsstatuten halte. «Da ich die Katzen nicht halte, sie mir auch nicht gehören und ich sie lediglich einmal am Tag füttere, verstosse ich nicht gegen die Vereinsordnung», wehrt sich Spörri.

Widerrechtliches Betreten

Immer öfter musste Rosmarie Spörri feststellen, dass ihr Garten unaufgefordert «kontrolliert» wurde. «Plötzlich lagen zudem auch scheinbar achtlos hingeworfene grosse Steine in meinem Garten», versteht Rosmarie Spörri das Tun anderer Leute nicht. Ganz schlimm war es, als sie im November 2008 die Tür ihres Gartenhäuschens mit Fäkalien verschmiert vorfand. Sie intervenierte beim Vereinsvorstand. Bekam darauf aber keine Antwort.

Der andauernde Widerstand gegen die beiden Katzen ist nach wie vor nicht beigelegt. Im Gegenteil. «Es ist vielmehr eine Art Mobbing gegen mich persönlich geworden», ist Rosmarie Spörri überzeugt. Streitigkeiten in dieser Strasse des Rheinfelder Schrebergartens habe es aber schon immer wieder gegeben, dieses wurde Rosmarie Spörri durch langjährige Mitglieder des Gartenvereins mitgeteilt. Die Initianten der Streitereien sind immer dieselben. Vermutlich versuchen diese Personen ihrem Wort und ihrem Dasein mehr Gewicht zu verleihen, sucht Rosmarie Spöri nach einer Erklärung für die unschönen Vorkommnisse.

Die Unterstützung, die sie von verschiedensten Leuten erhält, lässt sie aber auf dem von ihr eingeschlagenen Weg weitergehen, sich nach wie vor um die wilden Katzen kümmern. Es sind Leute aus Rheinfelden, die ihr unter anderem schriftlich mitgeteilt haben, dass sie das Aufheben um die paar Katzen im Pflanzgarten nicht verstehen können. Katzen würden Mäuse fressen und seien somit sehr wohl auch nützlich.

Meistgesehen

Artboard 1