«Gesetz nicht einfach ausser Kraft»

Der Obmaa sieht sein Basler Fasnachts-Comité als Dienstleistungsbetrieb, der im Sinn der Fasnächtler arbeitet und denkt.

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Rudolf von Rohr

Rudolf von Rohr

bz Basellandschaftliche Zeitung

Jürg Gohl

Felix Rudolf von Rohr, haben Sie die Konfetti vom Umzug daheim bereits überall entfernt?

Felix Rudolf von Rohr: Erstens habe ich keine Konfetti, sondern Räppli daheim, zweitens liegen schon noch ein paar herum, weil ich noch nicht richtig zum Aufräumen gekommen bin.

Und das Wort Umzug stört Sie nicht? Sie waren doch wohl am Cortège.

von Rohr: Natürlich. Aber man darf in einem Interview ruhig auch das Wort Umzug verwenden, weil viele Journalisten, vor allem die ausländischen, von denen immer mehr nach Basel kommen, das Wort «Cortège» nicht kennen.

Aus dem Comité stammt die Idee, den Cortège durch einen Umzug zu ersetzen, wenn der Cortège erneut zu Kritik Anlass gibt. Wie lief der Cortège nun?

von Rohr: Der Cortège hat noch nie «nicht geklappt». Mit einer Ausnahme, als wir nämlich einmal versuchten, den Mittwoch frei zu geben und ganz den Cliquen zu überlassen. Da sass ein Wagen nach dem anderen über drei Stunden in der Freien Strasse fest. Ein Umzug wie etwa in Weil, Lörrach oder in Luzern ist meiner Meinung nach für Basel mit 12 000 Aktiven völlig undenkbar

Sorgte Urs Buchers Vorschlag hinter verschlossener Comité-Tür für Misstimmung?

von Rohr: Nein. Das war natürlich nicht abgesprochen, aber er soll seine Ideen vorbringen. Die breit abgestützte Verkehrskommission berät dies und unterbreitet dann dem Comité Vorschläge, was sich noch verbessern liesse.

Für das Comité gab es zum 100-Jahr-Jubiläum mehr Kritik als Kerzen und Kuchen.

von Rohr: Das stimmt so nicht. Es waren genau zwei Cliquen, die wieder einmal das Thema «freie Fasnacht» aufgenommen haben. Das kommt ja immer, immer wieder. Nur waren es dieses Mal zwei Grosscliquen, die das laut und demonstrativ umgesetzt haben. Die eine Clique ist am Montag beim Cortège beim Comité normal vorbeimarschiert, die zweite schickte am Mittwoch einen Gesandten zu uns. Wir pflegen ein gutes, intensives Verhältnis zu ihnen. Grob gerechnet machen die Fasnächtler der zwei Cliquen mit ihren provokativ geäusserten Forderungen 1,5 Prozent aller Teilnehmenden am Cortège aus.

Die Kritik aus den Cliquen richtet sich gegen Normierungen und gegen strenge Vorschriften.

von Rohr: Gerne hätte ich mal konkrete Beispiele von Vorschriften, die kritisiert werden, keine Pauschalisierungen. Schliesslich stammen die meisten Vorschriften nicht von uns, sondern es sind Gesetze und Verordnungen, und diese gelten an der Fasnacht auch.

Wie halten Sie es mit den ethischen Geboten für Fasnächtler?

von Rohr: Auch hier gibt es Gesetze. Wir haben eine Bundesverfassung und ein Antirassismus-Gesetz, das an der Fasnacht nicht einfach ausser Kraft gesetzt ist. Es ist jedem Einzelnen überlassen, wie weit er mit seinen Sprüchen gehen will. Aber das sind keine Vorschriften des Comités. Bei jeder Veranstaltung, sei das der Cortège, sonst ein Umzug oder eine Anti-WEF-Demo, muss ein Veranstalter dahinter stehen. Beim Cortège ist es das Comité, das zum Beispiel riesige Versicherungen abschliessen muss. Fakt ist: Es gibt kaum Vorschriften, die das Comité erlässt, wir geben höchsten Tipps und üben schon gar keine Zensur aus. Die Basler Fasnacht hebt sich ja gerade durch ihre Sujet-Fasnacht, ihre Persiflage ab. Sie hält der Welt den Spiegel hin. Und da wäre alles Eingreifen doch nur kontraproduktiv. Und wo lässt sich dies besser umsetzen als im Cortège? Ich denke da etwa an die grossartige Darbietung der Alte Stainmeler. Die Cliquen wollen den Leuten ja laut und demonstrativ etwas sagen.

Die Jubiläums-Fasnacht war sehr politisch, bissig. Einverstanden?

von Rohr: Zuerst: Es war keine Jubiläumsfasnacht. Nur gerade der Dienstleistungsbetrieb namens Comité jubilierte. Die Fasnacht war aber eine Fasnacht wie jede andere davor auch. Dieses Jahr war sie vielleicht stark auf ein einzelnes politisches Thema fokussiert, vielleicht auch, weil es gerade dominierte, als die Cliquen im Herbst ihre Sujetsitzungen abhielten. Andere Jahre waren aber nicht weniger politisch. Man denke an Herrn Bush, an Herrn Couchepin oder an Guantanamo.

Ihre Beispiele zeigen: Die Fasnacht wird immer nationaler und internationaler. Sie ist kein Lokalereignis mehr. Guy Morin kam zum Beispiel wenig zum Zug.

von Rohr: Das war früher genau gleich, und zwar sogar schon, bevor es die Fasnacht in der heutigen Form gab. Bereits im 19. Jahrhundert wurden internationale Themen umgesetzt. In der Zeit um den Zweiten Weltkrieg kamen die Nazis an die Kasse. Wichtig ist natürlich auch, dass sich etwas ereignet, das sich fasnächtlich umsetzen lässt. Eine wesentliche Rolle spielt schliesslich auch die Medienlandschaft. Das Fernsehen führt zu einer Internationalisierung. Wir merken zum Beispiel im Drummeli, dass die Leute bei lokalen Themen oft nicht mehr wissen, um was es da genau geht. Wer auf der Strasse kann heute spontan drei Grossräte aufzählen? Das war früher anders. Man kannte sich besser. Deshalb wird an der Fasnacht auch nicht mehr intrigiert. Natürlich spielt da auch noch eine Rolle, dass die bekannteren Personen der Stadt meist selber unter einer Larve stecken.

Dies war ihre siebte und letzte Fasnacht als Obmann. Haben Sie in dieser Zeit irgendwelche Tendenzen ausgemacht?

Eklatante Entwicklungen und Veränderungen gab es keine. Wir standen mit den Fasnächtlern - das sind wir ja alle selber auch - immer in engem Austausch, und schraubten mal hier, mal da.
Und was macht Felix Rudolf von Rohr, wenn er nicht mehr auf dem Fasnachts-Olymp sitzt, an der nächsten Fasnacht?
Fasnacht.