«Löwen»
Geschichtsträchtige Gemütlichkeit

Der «Löwen» war Treffpunkt für hohe Politiker und die Bevölkerung. Mit neuen Besitzern und Pächtern kommt nach dem Umbau nun wieder Leben in die alten Gemäuer.

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Neubeginn

Neubeginn

Solothurner Zeitung

Rita Schneider

Einladende Tische und eine Lounge gibt es auf der Gartenterrasse. Spielgeräte signalisieren: Hier sind Familien willkommen. Rege Betriebsamkeit hüben und drüben. Die Eröffnung steht kurz bevor. Maler ziehen die letzten Pinselstriche. Ja, es sei wirklich auf den letzten Drücker alles oder fast alles fertig geworden, bestätigt Architekt Peter Hügli aus Kirchberg.

Vom Zeitdruck und der Hektik sollen, so der Wunsch des Pächterpaares, die Gäste nichts mit bekommen. Der «Löwen» soll wieder zum Treffpunkt für alt und jung werden, so wie dies während der Ära Wipf-Marti viele Jahre Tradition war.

Fast das Aus für das Haus

Elisabeth Wipf-Marti war lange Jahre als Gastgeberin und Besitzerin des «Löwen» die gute Seele im Haus. Nun, da sie ins Rentenalter kam, drängte sich die Frage auf, wie es mit dem Gasthof weiter gehen sollte. Potenzielle Nachfolger waren keine in Sicht. So wurde in Teilrückbau - betroffen wäre der angebaute Scheunenteil gewesen - in Betracht gezogen. Zur Sicherung der Altersvorsorge sollte das Areal als Bauland verkauft werden. Edith und Hans Marti, Bruder und Schwägerin, mochten dem nicht zusehen und entschlossen sich, den «Löwen» zu kaufen.

«Auch wenn ich auf dem Bauernhof aufgewachsen bin, ist der ‹Löwen› für mich Heimat», berichtet Hans Marti und fügt gleich an, dass sich am Sonntag die Familienmitglieder traditionell im «Löwen» trafen. «Hier wurde geflachst, diskutiert und gelacht», bestätigt Edith Marti. Auch das neue Pächterpaar bewegt sich Richtung Rentenalter. Ihre Absicht, beim ihrem Bauernhof in Fraubrunnen ein Stöckli zu bauen, wurde durchkreuzt. «Nun bauen wir im Dachgeschoss des ‹Löwen› unsere Altersresidenz», sagt sie.

Frischer Charme

In den 20-er-Jahren des letzten Jahrhunderts seien alte Gebäude mit Wurfputz, cremefarbenen Anstrich und roten Fensterläden renoviert worden, weiss Architekt Hügli zu berichten. In Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege sei nun der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt worden. Feiner Putz, weiss gestrichen, und grüne Fensterläden geben den alten Gemäuern einen frischen, fast jugendlichen Charme.

Auch die Räume wurden einer sanften Renovation unterzogen. Mit dem rohen Holzboden wirkt die Gaststube rustikal und funktionell, ist ohne Schnickschnack, aber doch gemütlich. Gastlichkeit wird im kleinen Säli im Parterre gross geschrieben. Die aufgedeckten Tische mit weissen Tischtüchern wirken einladend. Gleiches gilt für die Bundesratsstube im ersten Stock. Sie wurde zu Ehren Adolf Ogis - er ist mit der Schwester der Besitzerfamilie verheiratet - zur Bundesratsstube umbenannt. Der grosse Saal daneben beherbergte viele Hochzeiten und Familienfeiern, und das soll auch künftig so sein.

Der Bogen schliesst sich

Für das Pächterpaar Marcel Reist und Nina Baumgartner schliesst sich mit der Übernahme des «Löwen» der Kreis. Reist erlernte vor 20 Jahren das Kochhandwerk in der Löwen-Küche. Seine Wanderjahre führten ihn in die renommierten Gasthäuser der Schweiz. Gstaad, Thörigen, Bern und Zürich waren seine Stationen. Nina Baumgartner kennt sich in der Branche ebenfalls bestens aus. Als ausgebildete Köchin und Serviceangestellte bringt sie eine reiche Erfahrung mit ein. Saisongerecht, gut bürgerlich und mit regionalen Produkten soll das Publikum verwöhnt werden - und auserlesenen Weinen und Desserts von der Karte, die bereits beim Lesen gluschtig macht.

Der Startschuss ist mit Prominenz - unter den Gästen waren Alt-Bundesrat Adolf Ogi und Regierungsrat Urs Gasche - gefeiert worden und geglückt. Das Haus wird aber auch dank der treuen Stammkundschaft, die rund drei Monate fast heimatlos war, wieder aufleben. Das auf jeden Fall wünschen sich Besitzer und Pächter. «Uns». sagen Marcel Reist und Nina Baumgartner, «sind alle Gäste willkommen.»

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