Geschichten, die Hoffnung bringen

Feinfühlig: «Meine Geschichten sind ländlich geprägt», sagt Alex Kurz. (Felix Gerber )

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Feinfühlig: «Meine Geschichten sind ländlich geprägt», sagt Alex Kurz. (Felix Gerber )

Der Weihnachtsgedanke leuchtet hell wie Kerzenlicht in den Erzählungen von Alex Kurz. «Vor Wiehnacht überrascht» heisst das neue Buch des Rohrbacher Pfarrers. Seine Erzählungen in berndeutscher Sprache eignen sich besonders gut zum Vorlesen.

Brigitte Meier

«‹Pfäfferchueche› heisst meine Lieblingsgeschichte», sagt Alex Kurz. Für diese Frage braucht der Rohrbacher Pfarrer nicht lange zu überlegen. Darin wird von Ingrid erzählt - sie entschärft mit ihrem Gebäck das frostige Klima im Büro, obwohl sie den Lebkuchen für die ungeliebte Kollegin so richtig verpfeffert. Aber schliesslich schenkt sie ihr den Pfefferkuchen, den sie eigentlich für ihren Mann verziert hatte. «Niemand ist perfekt», sagt Kurz und beschreibt sensibel, dass es nicht für alles eine Lösung gibt, aber bestimmt einen oder mehrere Wege. Mut und Zuversicht bringen Erstaunliches und Überraschendes zu Tage. Schon als Bub hat der 47-Jährige gerne geschrieben und gelesen. «Dadurch war ich etwas Exotisch, weil ich Sprache und Musik, Sport und Mathe vorgezogen habe», sagt der Autor. Seine Freude am Singen gibt er mittlerweile sogar den Rohrbacher Schülern weiter - und die Faszination am Schreiben ist gewachsen.

Alltägliche Weihnachtsbotschaften

Während seines Pfarramtes in Kirchberg entstand die Idee zu seinem ersten Buch. «In der Weihnachtszeit liess ich Geschichten in die Predigt einfliessen», sagt Kurz, «und schrieb diese dann auf». Gerade weil es sich um Alltagsbegebenheiten handeln würde, die ihm Menschen erzählten, entstünden daraus Weihnachtsbotschaften. Auf einmal befinden sich die Lesenden mittendrin im Leben von anderen Menschen, nehmen Anteil an ihren Hoffnungen, Ängsten, Freuden und Enttäuschungen. Kurz erklärt: «Ich schreibe gerne über Menschen, mit all ihren Fehlern und Eigenarten, die sie gerade erst liebenswert und einzigartig machen. Gott nimmt uns so wie wir sind. In den biblischen Geschichten werden auch fehlerhafte Leute menschlich und mit Würde behandelt.»

Seine unterhaltsamen Geschichten sollen zum Nachdenken anregen, aber gleichzeitig Mut machen und Hoffnung vermitteln. Das gelingt ihm dank seiner Feinfühligkeit, seinem Glauben und der Liebe zu den Menschen. Wie in der Geschichte von Frieda: Sie sorgte zeitlebens für alle anderen und verbringt die Adventszeit erstmals nicht im Stöckli, sondern im Altersheim. Die Stille im kleinen Zimmer schlägt ihr aufs Gemüt. Kerzenlicht verbietet die Hausordnung. Ein Klopfen reisst sie aus ihren Gedanken. «Heute ist der vierte Advent», sagt Schwester Sonja und zündet die Kerzen am Adventskranz an: "Keine Regeln ohne Ausnahmen. Wenn ich hier bin, bin ich die Hausordnung.» Die Herzlichkeit der Pflegerin, aber auch ihr Mut, sich der Hausordnung zu widersetzen, beeindrucken Kurz in der Erzählung «Die vierti Cherze»: «Vielleicht werden andere ermutigt, trotz anders lautender Regeln, seinen Mitmenschen ein Licht anzuzünden.»

Eine weitere Erzählung, die ihm am Herzen liegt, ist «Ängel usem Ängelland». Während Elises Welschlandaufenthalt in einem Gasthaus gibt ihr ein englischer Tourist ein grosszügiges Trinkgeld. Damit kauft sie ihren Geschwistern Schuhe und sogar Schokolade zu Weihnachten. Ob sie diesen Engländer je wieder gesehen hat, bleibt ihr Geheimnis. Aber kurz vor seinem Tod soll ihrem Bruder der «Ängel us Ängelland» erschienen sein. «Dieses Erlebnis überschreitet das sinnlich Wahrnehmbare und das sich jenseits dieser Grenzen befinden», so der Pfarrer.

Ein Pfarrer im Dreck

Natürlich werden die Personen verfremdet, der Kontext verändert oder etwas dazu erfunden. Manchmal sind es persönliche Erlebnisse. Ein Lächeln überzieht das Gesicht von Alex Kurz, als er die Geschichte eines jungen Pfarrers erzählt. Dieser bleibt mit seinem Auto buchstäblich im Dreck stecken, als er sich auf dem Weg zur Weihnachtsfeier des Frauenturnvereins im Waldhüsli verirrt. Dank vereinten Kräften schafft man es nicht nur das Auto herauszuziehen - die Menschen kommen sich ebenfalls näher. «Meine Geschichten sind ländlich geprägt und man nimmt mich in Rohrbach als Autor wahr», sagt Kurz und freut sich sichtlich darüber. Der 47-Järhige schreibt am Vormittag am intensivsten: «Sobald ich die nötige Muse und Leichtigkeit habe, schreibt und fliesst es. Ähnlich wie beim Musizieren, wenn man den Ton hat, kommt die Stimmung.»

Bei seinen Geschichten ist ihm wichtig, dass die Leser die Geschichten selber interpretieren, sich selbst, aber auch Neues darin entdecken. Ausserdem möchte er die Freude am Vorlesen fördern. «Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man jemandem vorliest. Da passiert etwas von Mensch zu Mensch», sagt der Pfarrer überzeugt. So hätten beispielsweise die Rohrbacher Neuntklässler seine Geschichten den kleinen Zweitklässlern vorgelesen und erlebt, was Geben und Nehmen sei.

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