Fred Sommer

Geschichten aus dem Gehege

Fred Sommer: «Es gibt nicht nur schöne Momente in einem Tierpark», sagt der ehemalige Tierpfleger. (Bild: JOH)

Fred Sommer

Fred Sommer: «Es gibt nicht nur schöne Momente in einem Tierpark», sagt der ehemalige Tierpfleger. (Bild: JOH)

Fred Sommer kann viele Geschichten aus dem Tierpark in Bern erzählen. Nun hat er sie in einem Buch gesammelt.

Johannes Reichen

«Andrea», ruft er in Richtung Volière, in der ein Auerhahn einsam kräht, und man möchte meinen, dass Fred Sommer jeden einzelnen Vogel hier beim Namen kennt und nennt. Das aber wäre etwas übertrieben. Sommer kennt sich zwar bestens aus in der Welt der Hühner - aber Andrea, eine Tierpflegerin, lässt sich nicht blicken.
Fred Sommer war jahrelang Pfleger im Dählhölzli, später Tierpark-Inspektor, vor elf Jahren ist er in Pension gegangen.

Nun hat er ein Buch geschrieben über diese Zeit im Park, eher «ein Büchlein», sagt er. Es sind Geschichten über ein Krokodil, das ein Fischer aus der Aare gefischt hat oder über einen Wisent, der Reissaus nahm und in die russische Botschaft flüchtete.

Lehre als Metzger

Tiere haben für Sommer seit jeher eine wichtige Rolle gespielt. «Schon als Kind war ich immer im Park», sagt er. Nur war da noch die Sache mit dem Geschäft seiner Eltern. Eine Metzgerei war es, und Sommer wurde vom Vater zu einer Metzgerlehre gezwungen. «Ich wäre lieber Modellschreiner geworden». Doch «mit Widerwillen» beendete er die Lehre. «Es hat mir oft innerlich weh getan, wenn andere beim Schlachten noch lachten.»

Kurze Zeit arbeitete er noch als Metzger, dann endlich konnte er tun, was er immer wollte, und was er zuvor jeweils in seiner Freizeit tat. Er wurde Pfleger im Tierpark, in den ersten sieben Jahren war er auch im Bärengraben tätig. Damals seien die Anforderungen noch nicht so hoch gewesen, sagt er.

Später bekam er ein eigenes Revier im Park, wurde Oberpfleger, schliesslich Tierpark-Inspektor. Da war er eher «fürs Praktische» zuständig, schrieb Dienstpläne und kümmerte sich um den Erhalt der Gehege. Viele Anlagen im Park seien von Tierpflegern gebaut worden, sagt Sommer.

Seine Erfahrungen als Metzger waren letztlich gar nicht so unnütz für seine Arbeit im Park. «Wenn es Notfälle gab, kam mir das manchmal gelegen.» Denn natürlich gebe es nicht nur schöne Momente in einem Tierpark.

Am Anfang ein Hirschpark

Vier Direktoren hat Sommer selber erlebt, und mit ihnen änderte jeweils auch die Ausrichtung ein bisschen. «Einer wollte unbedingt Pinguine haben, ein anderer Schneeziegen.» Viel habe sich geändert in den 43 Jahren, in denen er insgesamt im Dählhölzli arbeitete. «Am Anfang war das mehr oder weniger ein Hirschpark» - also solcher wurde das Dählhölzli 1973 auch eingeweiht.

Der Tierpark an der Aare ist auch heute noch überschaubar, doch das war Sommer recht, und er hätte nicht gegen die Arbeit in einem grösseren Zoo tauschen wollen. «Ich habe viele Zoos in der Welt besucht», sagt Sommer, doch er habe es aber immer geschätzt, wenn ein Tag ausreiche für die Besichtigung eines Tierparks.

Von der Tierwelt gelernt

Fred Sommer hat nicht erst für das Buch, zu dem er auch ein bisschen gedrängt worden sei, mit dem Schreiben begonnen. Immer wieder hat er sich Notizen gemacht. Und Geschichten hat er erzählt, etwa an Altersnachmittagen - eine Tätigkeit, die er sehr gerne mache. Nun wird er aus seinem Buch vorlesen können.

Er fühlt sich also auch in der Gesellschaft von Menschen wohl. «Es gibt sicher Tierpfleger, die es mit Menschen nicht so gut können.» Aber das Vorurteil gelte keineswegs für alle. Ihn selbst hat die Tierwelt allerdings auch manches über seine Artgenossen gelehrt. Am meisten faszinieren ihn Hühner.

Besonders interessant sei es, die Hackordnung unter den Tieren zu beobachten.

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