Belgien

Gerigate im belgischen Fussball: Stars schreiben Reporterin Testosteron-SMS

Solche SMS erhielt die Sportjournalistin Hilde Van Malderen von zahlreichen Personen aus dem Umfeld des belgischen Fussballs.

Solche SMS erhielt die Sportjournalistin Hilde Van Malderen von zahlreichen Personen aus dem Umfeld des belgischen Fussballs.

Plumpe Aufforderungen und Nackt-Selfies: Eine blonde belgische Sportjournalistin hat eindeutige SMS von Fussballern, Funktionären und Journalistenkollegen veröffentlicht. Jetzt steht sie in der Kritik.

«Dienstag, wir beide in den Toiletten am Flughafen Zaventem. Bin gespannt, ob Du den Mut dazu hast.» Die eindeutige Nachricht eines belgischen Fussballers steht im neuen Buch der Sportjournalistin Hilde Van Malderen.

Die hübsche blonde Frau berichtet unter dem doppeldeutigen Titel «Spielzeug» über ihre Rolle als «Frau an der Seitenlinie» im Dienst belgischer Fernsehstationen und Zeitungen.

Nach knapp zehn Jahren in der Fussballwelt sagt sie: «Ich kann Euch versichern, dass der Testosteronspiegel eines durchschnittlichen Spielers sehr hoch ist. Die Fussballer sind reich, berühmt und haben viel, viel freie Zeit. Ihre Partnerinnen wissen von nichts. Oder sie wollen nichts wissen.»

Nicht alle gehen dabei so romantisch vor wie der Schiedsrichter, der laut SMS nicht mehr aufhören konnte, von ihr zu träumen.

Ein Mittelfeldspieler etwa verwandelte sich in eine ungezügelte Sturmspitze: «Ich will keine ernsthafte Beziehung, weil ich verheiratet bin. Aber solange Du keinen Freund hast, möchte ich Dein Sexfreund werden.»

Ein anderer schrieb ihr, er würde ihr gern Champagner über den Körper giessen und ihn überall ablecken. Unter den Spielern war Van Malderen demnach ein grosses Thema: «Weisst Du, was man über Dich sagt? Dass Du nach Sex riechst», heisst es in einer Nachricht.

Hilde Van Malderen rührt auf Twitter die Werbetrommel für ihr Buch

Buch sorgt für Furore

Das Buch ist in der belgischen Sportwelt wie eine Bombe eingeschlagen. Van Malderen nennt zwar keine Namen. Doch die Fussballszene in dem 11 Millionen Einwohner kleinen Land ist winzig genug, dass Eingeweihte einfach herausfinden können, wer hinter den anzüglichen Botschaften steckt.

Doch in die Kritik geraten jetzt nicht deren Absender, sondern die Empfängerin. Einige andere Sportmoderatorinnen berichten zwar ebenfalls über ungebührliche Avancen von Interviewpartnern. Andere hingegen schieben ihrer blonden Kollegin zumindest eine Mitschuld in die Schuhe. Sie rücke eben ihre Natelnummer für keinen Spieler heraus. So könne ihr auch niemand anstössige SMS schicken, sagte etwa eine Fernsehjournalistin zu Libre Belgique.

Und der frühere Chef von Van Malderen schrieb eine Kolumne über «Hilde und den Paradiesvogel», in dem er der jungen Kollegin Fehlverhalten vorwirft: Sie sei mit einem Fussballer liiert gewesen, obwohl er ihr davon abgeraten habe, noch dazu mit einem Paradiesvogel aus der Elfenbeinküste, der sich die Haare blond und rot gefärbt habe.

Worin das Fehlverhalten genau bestanden hatte, bleibt dabei zwar unklar. Heikel wäre schliesslich nur gewesen, wenn Van Malderen über das Team ihres Partners berichtet hätte, ohne über den Interessenkonflikt Transparenz zu schaffen.

Doch die Botschaft zwischen den Zeilen ist ohnehin eine andere: Van Malderen sei teilweise selbst schuld, wenn sie anzügliche SMS erhalte. Und sie veröffentliche die Nachrichten jetzt vermutlich nur, um für ihr Buch die Werbetrommel zu rühren.

Der Vorwurf des Eigenmarketings ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen; die Sportjournalistin hat Auszüge ihres Buchs von einer flämischen Zeitung vorabdrucken lassen. Van Malderen ist dabei aber auch das Risiko eingegangen, dass sie von der Sportlerwelt künftig geschnitten wird. Sie selbst sagt, davor habe sie keine Angst.

Zudem ändert das Eigenmarketing nichts daran, dass in der Männerwelt des belgischen Fussballs offenbar problematische Umgangsformen weit verbreitet sind. Dass einige Journalistenkollegen diesen Aspekt nicht thematisieren wollen, mag auch daran liegen, dass die krudesten Angebote nicht von Sportlern stammten, sondern von offenbar mindestens ebenso stark testosterongesteuerten Berufskollegen Van Malderens.

Einer liess sie wissen, wie verrückt er nach ihr sei – illustriert mit einer Aufnahme seiner Erektion.

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