Geplantes Kraftwerk: Die Naturschützer geben Gas

Es ist noch nicht gebaut, und doch fordern Umweltverbände bereits umfassende Massnahmen für den Naturschutz: Das sind die grünen Forderungen für die Neukonzessionierung des IBAarau-Kraftwerkes.

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Kiesbank bei der Wöschnau

Kiesbank bei der Wöschnau

Schweiz am Sonntag

Die Konzession des Kraftwerks der IBAarau wird 2014 erneuert. Offiziell wird die Öffentlichkeit erst im August nach ihrer Meinung zu den Randbedingungen gefragt - dann, wenn die Kantone Aargau und Solothurn zum Projekt Stellung bezogen haben. Doch die Arbeitsgruppe für Natur und Umwelt der Region Aarau (AGnu) fordert bereits jetzt zahlreiche Veränderungen zugunsten der Natur. «Wir versuchen die bislang zurückhaltende Information der IBAarau zu durchbrechen», sagt Peter Jean-Richard von der AGnu. Der Prozess müsse schon jetzt öffentlich stattfinden.

Naturschutz fordert: Flora und Fauna

Die gebündelten Forderungen der zahlreichen Naturschutzverbände der Region betreffen das Konzessionsgebiet der IBAarau von der Kettenbrücke aufwärts bis zur Schönenwerder Badi. Das Ziel: «Dieselbe Fauna und Flora soll vorhanden sein, wie sie sich ohne Kraftwerknutzung eingestellt hätte», schreibt die AGnu. Dies soll am Vorkommen einer gefährdeten Fischart, der Nase, gemessen werden. «Wenn die Bedingungen für die Nase stimmen und sie sich hier wieder wohlfühlt, steigen auch die Überlebenschancen für andere Tiere», begründet Jean-Richard dies.

Zwei Massnahmen seien besonders wichtig. Erstens: die Erhöhung der Restwassermenge im Altlauf der Aare. Gesetzlich vorgeschrieben sind 10m3/sec. Die IBAarau will mindestens 20m3/sec durch den Altlauf fliessen lassen - die AGnu fordert 30m3/sec. So viel lässt auch die Axpo unten beim Kraftwerk Rüchlig durchfliessen. Zweitens: tier- und pflanzenfreundlichere Ufer. Das Gelände soll entlang beider Kanäle aufgewertet werden. Hartverbauungen sollen entfernt und Ufer abgeflacht werden.

Was ist mit den Fischen?

Die Umweltverbände finden, es brauche mehr Einbuchtungen, wo die Strömung weniger stark ist und sich die Tiere bei Hochwasser zurückziehen können. Zudem müssten mehr besonnte und teilbeschattete Flachwasserzonen entstehen.
Die Stärke der Strömung sei generell relevant, sagt Jean-Richard: «Ausgewachsene Fische leben meist in tiefem, ruhigem Gewässer und folgen zum Laichen der stärksten Strömung, um flussaufwärts seichte Laichgebiete zu finden. Die stärkere Strömung führt immer zum Kraftwerk. Aber wenn sie es dort die Fischtreppe hoch schaffen, dann sind sie im nächsten Stausee und so weiter. Die Kraftwerke folgen heutzutage sehr nah aufeinander.» Führe der Altlauf mehr Wasser, würden die Fische eher dorthingelockt, wo sie gute Laichplätze finden.

Laut Hansjürg Tschannen, Leiter des Kraftwerks IBAarau, sind einige der geforderten Massnahmen bereits vorgesehen: Oberhalb des Wehrs sind so genannte Spundwände im Flussbett geplant, die das Geschiebe in den Altlauf leiten. Denn auch Geröll und laufende Veränderung gehören zu einem natürlichen Fluss. Ausserdem plant die IBAarau, die Mündung des Erzbachs für die Fische attraktiver zu machen. «Als Laichplatz wäre ein Gewässer wie der Erzbach ideal», sagt Jean-Richard.

Die IBAarau habe die Forderungen der Umweltverbände studiert, sagt Tschannen. Diese müssten aber auch technisch machbar sein. «Das Kraftwerk ist eine Tatsache, die Aare kann nicht aussehen, wie wenn dort kein Kraftwerk stehen würde.» Nicht zur Diskussion steht aber laut Tschannen die Verantwortlichkeit: «Wir haben am Flussufer bis jeweils zum ersten Weg einen Unterhalts- und Pflegeauftrag.»

Zahlreiche Inputs von Umweltorganisationen habe die IBAarau schon jetzt berücksichtigt. Der genaue Umfang der bereits geplanten Veränderungen zugunsten der Natur wie auch das Gutachten der Fischbiologen gibt die IBAarau erst zum Mitwirkungsverfahren Ende August bekannt. Umgesetzt werden sollen die Rahmenbedingungen zur Konzession ab 2015. Noch nicht entschieden ist, ob diese für 40, 60 oder 80 Jahre erteilt werden soll.