Streetparade

«Genug vom Einheitsbrei»

Joel Meier (36) ist Präsident des Vereins Street Parade Zürich. Der gelernte Metzger  ist seit 1998 Geschäftsführer der All 4 Music und Livestyle GmbH. Zudem ist er der Gründer und Verleger des «Rockstar»-Magazins, das seit 2004 monatlich erscheint. Mit einer Auflage von 50 000 Exemplaren ist «Rockstar» die grösste Musik- und Jugendzeitschrift der Schweiz. (dga)

meier streetparade

Joel Meier (36) ist Präsident des Vereins Street Parade Zürich. Der gelernte Metzger ist seit 1998 Geschäftsführer der All 4 Music und Livestyle GmbH. Zudem ist er der Gründer und Verleger des «Rockstar»-Magazins, das seit 2004 monatlich erscheint. Mit einer Auflage von 50 000 Exemplaren ist «Rockstar» die grösste Musik- und Jugendzeitschrift der Schweiz. (dga)

Street-Parade-Chef und «Rockstar»-Verleger Joel Meier zu seinen Plänen und «Schönwetterpreisen» Die Street Parade soll vermehrt als Musikfestival für elektronische Musik, Tanz und digitale Kunst wahrgenommen werden, sagt Street-Parade-Chef Joel Meier. Und: Er will mehr Rückhalt bei der Regierung für den jährlichen Grossanlass.

Dorothea Gabelmann

Herr Meier, Sie haben es dieses Jahr in die Topliste des «Who is who in Zürich» geschafft. Sind Sie prominent?

Joel Meier: Überhaupt nicht! Ich stehe einfach in der Öffentlichkeit. Da steckt auch Verantwortung dahinter. Und wenn dieses Jahr ein negatives werden sollte, dann bin ich vielleicht plötzlich der Buhmann.

Sie sind seit einem Jahr Präsident des Vereins Street Parade. Die Werte dieses jährlichen Grossanlasses in Zürich lauten «Frieden, Freiheit und Toleranz». Was bedeuten diese Begriffe für Sie?

Meier: Ich denke, auch in einer kapitalistischen Welt gibt es immer ein Nebeneinander. Wir haben nun mal nur ein Leben, und daher ist für mich das höchste Gut, wenn jeder ein glückliches Leben führen kann. Dabei ist irrelevant, woher die Person kommt, welche Hautfarbe sie hat oder welcher sozialen Schicht sie angehört. Die Street Parade wie auch das Musikmagazin «Rockstar» vermögen es, Menschen zu verbinden. Ein Tag mit Frieden, Freiheit und Toleranz - das ist die Botschaft und das Ziel. Auch an der diesjährigen Street Parade.

Welche Pläne haben Sie, damit die Street Parade 2009 am 8. August ein Erfolg wird?

Meier: Als Erstes gilt es, den Erfolg von letztem Jahr zu bestätigen. Mit neuer Musik wollen wir erreichen, dass die Street Parade vermehrt als Musikfestival für elektronische Musik, Tanz und digitale Kunst wahrgenommen wird. Als Zweites sind da die Inhalte der Veranstaltung. Das Motto der Street Parade soll wieder thematisiert werden. Und nicht zuletzt möchten wir bei der Regierung noch mehr Rückhalt erreichen.

Sie sind nicht nur Präsident der Street Parade, sondern auch Geschäftsführer und Verleger des Musikmagazins «Rockstars». Lässt sich das musikalisch vereinbaren?

Meier: Streng genommen geht es im «Rockstar» und an der Street Parade um zeitgemässe Musik. Auch die Idee, Musik miteinander leben zu können, ist bei beiden Produkten gleich. Für mich beisst sich das nicht. Nur die beiden Welten und der Klang sind unterschiedlich. Schliesslich bin ich dankbar, dass ich an beiden Welten mitarbeiten und sie prägen kann. Das Amt als Präsident der Street Parade hätte ich zudem nicht angenommen, wenn die Street Parade keine Aussage hätte.

Wie kamen Sie dazu, «Rockstar» herauszugeben?

Meier: Erst war ich Verleger der Technozeitschrift «Raveline». Doch 2002 erlitt die Technoszene einen Einbruch, und «Raveline» war zu wenig stark, um die Szene in die richtige Richtung zu lenken. Also beschloss ich, eine eigene Zeitschrift auf die Beine zu stellen. Diese sollte aber kein Ableger eines deutschen Musikmagazins mehr sein. Ich wollte damit etwas bewegen. Ich machte eine Umfrage unter Jugendlichen und stellte fest, dass Gitarrenmusik wieder angesagt war. Als alter Rock 'n' Roller konnte ich das nur unterstützen. Im März 2004 erschien dann die erste Ausgabe des «Rockstar».

«Rockstar» macht Werbung mit dem Satz: «Wir reissen das Maul monatlich gehörig weit auf.» Pure Provokation?

Meier: Auf dem Verdrängungsmarkt müssen wir uns natürlich profilieren, und wer gehört werden will, muss laut sein. Schliesslich soll «Rockstar» nicht bloss ein weiteres Lifestyleheft sein, sondern neu und eigenständig. Der Einheitsbrei hängt uns zu den Ohren heraus. Besonders umstritten ist unser «Fuck you, you fuckin' fuck»-Award. Wir finden die vielen Schönwetterpreise einfach heuchlerisch, und darum vergeben wir diesen Anti-Award an Personen, die mit ihrer nicht mehr glaubwürdigen Schönmalerei und Makellosigkeit nerven.

Und wie reagieren die Preisträger, wie zum Beispiel Chris von Rohr, auf den Award?

Meier: Sehr gelassen, im Gegensatz zu deren Fans. Nachdem Chris von Rohr den Preis gewonnen hatte, wurden unsere Redaktionsfenster eingeschlagen. Auch böse Leserbriefe bis hin zu Morddrohungen haben wir erhalten. Wir nehmen das aber sportlich, denn wer austeilt, muss auch einstecken können.

Was halten Sie denn von Sendungen wie «Music Star»?

Meier: Gab es da eigentlich schon einmal einen männlichen Gewinner? Man spricht nur von Baschi, und der wurde Zweiter. Er hat auch das Zeug für eine langanhaltende Karriere. Klar, die Sendung ist ein Erfolg. Aber ich finde es kritisch, das Publikum abstimmen zu lassen. Ich bin der Meinung, dass die Öffentlichkeit nicht in der Lage ist, Qualität von «Gefallen» zu unterscheiden. Die Sendung dient als Unterhaltung. Ich kann das nicht ernst nehmen.

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