Schalunen
Gemeindepräsident sucht Frau

An der Schaluner Gemeindeversammlung kam es zum Eklat: Vier im Gemeindewesen engagierte Frauen schmeissen den Bettel hin. Und ihre Nachfolger sind nicht gerade motiviert.

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Gemeinderat sucht Frau

Gemeinderat sucht Frau

Berner Rundschau

Julian Perrenoud

Augenfällig war an der Gemeindeversammlung von Schalunen vor allem eines: Vier Frauen traten gleichzeitig von ihren Ämtern zurück. Der Grund war druchwegs der selbe: Schlechter Umgang und fehlende Gesprächsbereitschaft seitens des Gemeindepräsidenten. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob Markus Lüscher (SVP) ein Problem mit Frauen hat? «Nein», entgegnet dieser. «Dass es nun alles Frauen sind, ist purer Zufall.»

Ihre Stelle gekündigt hat Gemeindeschreiberin Susanne Ryser - nach 21 Jahren. «Mir passte der neue Stil im Rat nicht mehr. Es wurde unerträglich.» Finanzverwalterin Margrit Wenger, seit 32 Jahren im Amt, wäre länger geblieben. «Ich geriet aber zunehmend zwischen die Fronten. Mit Herrn Lüscher hatte ich eigentlich keine Probleme.» Wenger amtet künftig nur noch als Finanzverwalterin in Fraubrunnen.

Es gehe um Sachpolitik, heisst es in Schalunen. Um die Gemeinde. Darum, eine gesunde Gesprächskultur zu führen. Doch genau das Klima, der Umgangston stimmte für die zurückgetretene Gemeinderätin Sandra Marti (parteilos) nicht mehr. In den letzten vier Jahren sei dieses Klima unter den Ratsmitgliedern abgekühlt.

«Ich spiele nie auf den Mann»

Auch Gemeinderätin Marie Eve Maier (parteilos) trat von ihrem Amt zurück. «Wir durften nichts mehr machen. Waren überall blockiert.» Vielleicht sei sie blauäugig gewesen, da sie als Frischling zum Gremium stiess. Maier dachte, es gehe um die Sache. Seitens des Gemeindpräsidenten hiesse es immer: Es sei so, wie es sei. Und die, die das nicht einsehen würden, hätten keinen Durchblick.

Gemeindepräsident Lüscher weist diese Vorwürfe aber zurück: «Ich spiele nie auf die Person. Der Rat entscheidet nicht immer gleich - das ist halt Politik.» Sowieso werde das Vorgefallene überbewertet: «Für mich ist die Geschichte erledigt. Wieso soll ich mich darüber noch aufregen?»

Gibt es einen Unruhestifter?

Dass Geschäfte im Gemeinderat blockiert würden, stimme schon gar nicht. «Es gibt immer Mehr- und Minderheiten. Aber zementiert sind diese sicher nicht!» Wenn Gespräche unter die Gürtellinie zielten, sei Schluss. Genaueres will Lüscher nicht sagen, weil er sonst das Amtsgeheimnis verletze. Nur soviel: «Es wurde mit viel Dreck geworfen, nicht zum ersten Mal.»

Lüscher vermutet in Schalunen einen selbsternannten Tribun. Die Attacke soll aus einer Familie erfolgt sein. «Diese personenbezogene Angriffspolitik befremdet mich.»

Deswegen ist Heinz Wasem (parteilos), eines der beiden neuen Gesichter im Gemeinderat, nicht besorgt. Er habe das Amt natürlich nicht mit Freudengeschrei übernommen, sagt der Rentner und ehemalige Lehrer. Aber irgendwer müsse es machen. Angst, dass es ihm wie seiner Vorgängerin ergeht, hat er keine.

Der zweite im Bunde, Frührentner Werner Hirter (parteilos), hätte das Amt lieber gar nicht erst übernommen. «Ich habe gesagt, dass ich nur im Notfall helfe.» Und ein solcher scheint es offensichtlich zu sein. Denn die beiden waren die einzigen Kandidaten, die an der Gemeindeversammlung zur Wahl standen.

Hirter hofft, dass das neue Team besser funktioniert. «Das waren schwere Vorwürfe gegenüber dem Präsidenten - ich war total überrascht.» Wahrscheinlich hätten sich Gruppen gebildet, die sich anschliessend bekämpften.

«Geriet zwischen die Fronten»

Für Lüscher ist klar: Die Vorwürfe gegenüber seiner Person entbehren jeder Grundlage: «Es fehlen die Fakten.» Denn diese brauche es bei der Sachpolitik. Der Gemeindepräsident spricht von Pendenzen, die der Rat nun zu erledigen habe. Es gebe viel zu tun.

Im Schulwesen, beim fehlenden Internet-Auftritt. Er ist überzeugt, dass der nun neu zusammengesetzte Gemeinderat den Aufgaben gewachsen sei. Die beiden neuen Ratsmitglieder würden viel privates Wissen mitbringen. «Wir haben sie nicht zufällige gewählt.» Den neuen Gemeinderat schätzt Lüscher nun gar besser ein, als den bisherigen.

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